Montag, 01. Mai 2017

Zeitungsstreik: Solidarität? Wieso, weshalb, warum?

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 03. August 2011. Die streikenden Zeitungsredakteure fordern Solidarität ein. Denn ihnen drohen Lohnkürzungen und schlechtere Arbeitsbedingungen. Doch ist deren „Empörung“ wirklich nachvollziehbar? Haben sie sich „Solidarität“ verdient?

Von Hardy Prothmann

Es gibt sie noch, die sehr guten Redakteure. Vereinzelt. Aber deren Einfluss ist gering. Sie haben schon längst keine Lobby mehr und im Zweifel finden die, die kritisch berichten und die Folgen tragen müssen, keine Solidarität bei den „Kollegen“. Der Gesamtzustand der Branche ist desolat.

Ob der Kommentar jemals frei geschaltet wird? Knapp acht Stunden nach dem Erstellen auf der MM-Streikseite wartet er immer noch auf "Freischaltung".

Es gibt genau eine Perspektive, unter der man die Empörung der streikenden Zeitungsredakteure verstehen kann: Noch verdienen die meisten Verlage satte Renditen, häufig im zweistelligen Bereich. Wenn die Arbeitgeber vor diesem Hintergrund bis zu 25 Prozent unter dem bisherigen Tarif Berufsanfänger beschäftigen wollen, dann ist das skandalös und grob sittenwidrig. Damit endet die eine Perspektive.

Honorardumping ist der Normalzustand

Die anderen sehen so aus:

Skandalöse „Auftragsverhältnisse“ sind der „Normalzustand“, mit dem man die Einkommensituation von vielen freien Journalisten oder „Mitarbeitern“ beschreiben kann.

Deswegen hat es sich auch schon mit meiner Solidarität gegenüber den Zeitungsredakteuren. Ich werfe den meisten von ihnen Kumpanei, Mittäterschaft, Honorar-Dumping, Untertanentum, Eitelkeit, Überheblichkeit, Weltentrücktheit und Respektlosigkeit vor. Sie sind Teil eines mafiosen Systems und haben solange still gehalten, solange sie ihren Teil der Beute abbekommen haben. Jetzt sind sie im Streik, weil ihnen ihr „Anteil“ zu klein scheint.

Und ich weiß, wovon ich rede. Denn ich bin seit 20 Jahren freier Journalist und meine „Abnehmer“ waren über 18 Jahre lang Redakteure. Mit vielen davon habe ich sehr gut zusammengearbeitet. Früher. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Zusammenarbeit wurde immer schwieriger – nicht unbedingt, aber auch inhaltlich. Vor allem aber wirtschaftlich.

HorrorHonorargeschichten

1994 bin ich nach drei Jahren mit meinem Universitätsabschluss vom lokalen in den überregionalen Journalismus gewechselt. Denn nur dort waren einigermaßen gute Honorare zu erwirtschaften.

Was ich niemals erlebt habe, war ein „Bonus“ für eine außergewöhnlich gute Arbeit, der mir einfach angeboten oder überwiesen worden wäre. Was ich ab und an erleben durfte, waren ein klein wenig höhere Honorare, wenn ich diese mit guten Argumenten nachgefordert hatte. Was ich meistens erlebt habe, waren „Honorare“ die ihrem Namen keine Ehre machten. Die Zeilen- oder Beitragshonorare waren niemals üppig, selten gut, oft „gingen sie grad so“, meist waren sie nicht akzeptabel. Jedenfalls, wenn man davon leben wollte.

Beim Mannheimer Morgen habe ich 55 Pfenning (27 Cent) die Zeile „verdient“. Brutto. Ein mittlerer zweispaltiger Bericht mit 80 Zeilen ergab demnach 44 Deutsche Mark. Rechnete man im Schnitt eine Stunde Wegstrecke, 1,5 Stunden Schreiben, 1,5 Stunden vor Ort, eine Stunden Vor- und Nachbereitung, kam man auf einen Stundenlohn von 8,80 Deutsche Mark.

In den drei Jahren beim MM habe ich rund 1.000 Artikel geschrieben. Ich war als „freier Mitarbeiter“ damit ganz gut „im Geschäft“. Einwandfreie Qualität wurde selbstredend immer erwartet. Alle Artikel wurden veröffentlicht. Manchmal waren 100 Zeilen bestellt, 70 wurden abgedruckt und nur 70 wurden zunächst bezahlt. Weil ich gut war und gebraucht wurde, hatte meine Intervention Erfolg – ich bekam die bestellten und abgelieferten Zeilen bezahlt, sollte dazu aber gegenüber anderen Mitarbeitern stillschweigen.

In diesen drei Jahren ist es mir in einem einzigen Monat gelungen, 1.700 Deutsche Mark zusammenzuschreiben. Der Grund: Viele Redakteure waren in Urlaub, also gab es mehr als sonst zu tun und es gab ein paar spannende Themen und viele Vereinsfeste. Damals war ich 25 Jahre alt. Im Schnitt habe ich rund 800 Mark mit meinem freien Journalismus verdient. Brutto.

„Das Thema kriegen wir nicht durch.“

Davon musste ich ein Auto unterhalten, ein Büro, Computer, Telefon. Irgendeine „Kostenpauschale“ stand nicht zur Disposition. Ein paar Redakteure bestellten ab und an zehn Zeilen mehr als sie für den Abdruck vorgesehen hatten. Die 5,5 Mark waren sowas wie ein „Anerkennung“, weil ich immer einsatzbereit war.

Termine kamen aus der Redaktion, die meisten Themenvorschläge von mir. Meist wurden sie angenommen, aber immer wieder hörte ich den Satz: „Das Thema kriegen wir nicht durch.“

Ab 1994 änderten sich meine Verhältnisse mit einem Artikel für Die Zeit. Dort erhielt ich 2,8 Mark die Zeile und sogar ein Fotohonorar von 150 Euro. Zusammen waren das für einen „Job“ 430 Euro. Das war sensationell. Fortan konzentrierte ich mich auf größere Zeitungen, Wochenzeitungen, Magazine sowie überwiegend den ARD-Hörfunk, der am längsten ganz gut bezahlte und auch heute noch akzeptable Honorare bietet.

Und ich habe oft „Angebote“ ausgeschlagen, die immer wieder angefragt wurden, weil ich den „Markt“ nicht kaputt machen wollte. Unter 350 Mark habe ich keine Magazinseite geschrieben. Niemals unter einer Mark eine Zeile (außer für die taz, die 70 Pfenning die Zeile zahlte).

Dazu habe ich an Zeitschriftenentwicklungen mitgewirkt, das brachte am meisten Geld, Redaktionsvertretungen gemacht, Vorträge und Seminare gehalten.

Um auf das Einstiegsgehalt eines Zeitungsredakteurs von damals rund 4.000 Mark Brutto zu kommen, musste ich rund 6.000 Mark verdienen und zusätzlich Geld für die „Infrastruktur“ wie Auto, Telekommunikation, Computer, Kamera. Manchmal hat das funktioniert, manchmal nicht.

Nochmal zur Verdeutlichung: Bei 55 Pfenning pro Zeile und 150 Zeilen täglich wäre ich bei einer 5-Tage-Woche auf 1.650 Mark gekommen. Rechnet man noch sechs Wochen Urlaub ein, wären rund 1.440 Mark brutto geblieben. Krank durfte man nicht werden, Nein sagen auch nicht. Und es gab damals Zeitungen, die nur 25 Pfenning pro Zeile zahlten.

Durch meinen Wechsel in die „höhere Honorarliga“ war ich in der glücklichen Lage, nicht jeden Mist machen zu müssen, sondern mir Themen und Aufträge aussuchen zu können.

Die meisten Kollegen versuchten, irgendwie eine Festanstellung zu bekommen. Nicht, um journalistisch interessanter arbeiten zu können, sondern um versorgt zu sein.

Doch die „Töpfe“ für „Honorare“ wurden zunehmend geringer. Viele Kollegen klagten nur noch, schlugen sich mehr schlecht als recht durch, auch ich hatte Einbußen, aber es ging noch ganz gut.

FAZ: 70 Cent pro Zeile sind „normal“

Als ich 2003 einen exklusiven Text mit einem enormen Rechercheaufwand geschrieben hatte, bekam ich 70 Euro überwiesen. Für einen 100-zeiligen Artikel. Also 70 Cent pro Zeile. Ich habe mich daraufhin beim Herausgeber Schirrmacher beschwert, der mir zurückgeschrieben hat, dass dies einem „durchaus üblichen Honorar“ entspräche, ich aber eine Nachzahlung von 90 Euro erhielte. Eine weitere Zusammenarbeit war nicht mehr gewünscht.

Als ich 2004 zufällig zum Tsunami auf der thailändischen Insel Phuket war, berichtete ich 18 Tage lang für mehrere deutsche Medien. Darunter Spiegel, Spiegel Online, Spiegel TV, Focus, Handelsblatt, Zeit, tagesspiegel, Berliner Morgenpost, Welt, SWR und noch ein paar andere. In knapp drei Wochen habe ich rund 15.000 Euro Umsatz gemacht.

Ich war 16-20 Stunden im Einsatz, habe am Tag nach der Katastrophe 600 Leichen gezählt, um die Zahl der Opfer abschätzen zu können, habe unter anderem eine Reportage über die Arbeit der DVI-Teams (Desaster Victims Identification) geschrieben, Tage im Krankenhaus verbracht und über das Leid und die Hoffnung berichtet.

5.000 Euro die Woche? Kein schlechtes „Honorar“. Doch zu welchem Preis? Für welchen Einsatz? Hätte ich ein „psychologisches“ Problem bekommen, einen Unfall erlitten – wer hätte für mich gesorgt? Es gibt für freie Journalisten selten eine Kostenerstattung und so gut wie nie eine Absicherung durch die „Auftraggeber“. Aber es gibt noch Jobs für alle die, die „gut“ verdienen wollen – überall da, wo es gefährlich ist. Denn da gehen die Redakteure nicht hin.

Tagessätze von unter 250 Euro habe ich niemals akzeptiert. Mein Normalsatz waren 350 Euro. Heutzutage sind 75 Euro kein Ausnahmefall.

Lokalberichterstattung ist Ausbeutung auf höchstem Niveau

Im „Lokalen“ sieht es am bittersten aus. Da bleiben für Freie meist nur die „Krumen“. Feste und Vereine. Eben alles das, wofür sich die Redakteure meist zu schade sind. Plus Abend- und Wochenendtermine, weil die meisten Redakteure dann frei haben. Häufig sind das Rentner, die nicht unbedingt dazu verdienen müssen oder Hausfrauen. Oder ehemalige Praktikanten wie ich, die dann für Hungerlöhne Zeilen schinden und anfangen, irgendwas blumig zu erdichten.

Zeitungsredakteure geben das in Auftrag, nehmen es ab und veröffentlichen diesen Schund. Diese Bratwurstberichterstattung über Wettergötter, allgemeine Zufriedenheit, kühlen Gerstensaft und leckere Bratwürste. Sie suchen die Nähe der „Mächtigen“ und schreiben den meisten nach dem Maul – außer, der Herr Verleger oder der Chefredakteur haben jemand „auf dem Kieker“ – der wird dann „runtergeschrieben“. Ansonsten dient man sich an.

Redakteure bilden den unsolidarischst-vorstellbaren Haufen

Es gibt keinen unsolidarischeren Haufen als diese Zeitungsredakteure, die sich einen Dreck drum scheren, wie es „ihren“ freien Mitarbeitern geht. Meist erlebt man Arrogantlinge, die vor Selbstüberheblichkeit kaum noch laufen können und mit ihrer Schere im Kopf ständig bemüht sind, keinen Ärger zu bekommen, statt „Anwalt des Lesers“ zu sein und „Missstände aufzudecken“. Sie halten sich für „unabhängig“ – wie wenig sie das sind, zeigt ihr Streik.

Redakteure, die es genießen, hoffiert zu werden, die selbstverständlich immer ihre „Extra-Wurst“ einfordern, sich auf Reisen einladen lassen, sich beschenken lassen und „Presserabatte“ einfordern. Und ihr Salär gerne mal mit einer „Moderation“ aufarbeiten und gar nicht so selten in ihrer Freizeit „Berichte“ für Unternehmen oder Politiker schreiben, die sie als „Pressemitteilung“ dieser Unternehmen oder Politiker dann als „Grundlage“ für ihre „journalistischen Berichte“ verwenden.

Sie agieren dabei genauso, wie viele Chefredakteure und Redaktionsleiter, die in teure Hotels zu wichtigen Konferenzen eingeladen werden, wo Unternehmen, Politiker, Verbände und Lobbyisten dann „Themenstrecken“ und Anzeigenbuchungen aushandeln. Und vor allem, über was nicht berichtet wird.

Man kann vermuten, dass einige Redakteure bei Tageszeitungen journalistisch auch einfach zu inkompetent sind, um dieses Zusammenhänge verstehen zu wollen, geschweige denn zu sehen. Man liegt aber auch richtig, wenn man annimmt, dass viele dies schweigend zur Kenntnis nehmen und wissen, was sie und was sie nicht zu berichten haben.

Transparenz über die Hintergründe ihrer Arbeit findet man von den Redakteuren in den Zeitungen so gut wie niemals.

Und diese Leute fordern nun Solidarität. Also einen Zusammenhalt, eine Haltung?

Arrogante Verlogenheit

Wer sich und andere über Jahrzehnte selbst belügt, kann wahrscheinlich die eigene Verlogenheit irgendwann nicht mehr erkennen.

Mit dem Blick von außen sehe ich aber keinen Grund, mich mit diesen Leuten zu solidarisieren, von denen ich und die allermeisten freien Journalisten in Deutschland niemals „Solidarität“ erfahren haben.

Und wenn Leserinnen und Leser wüssten, wie respektlos und despektierlich sich „Redakteure“ oft über ihre Kunden auslassen – sie wären entsetzt. „Die da draußen“ sind für viele Redakteure einfach nur dumme Leute. Solange es kaum eine Möglichkeit gab, die „Kontrolleure“ zu kontrollieren, mussten die Leute „glauben, was in der Zeitung steht“.

Das Internet hat das verändert – heute gibt es so viele Quellen und so viele Möglichkeiten sich per email, Facebook oder anderen Medien zu informieren und auszutauschen. Und es gibt viele Redakteure, die ihre Verachtungshorizont auf das Internet ausgeweitet haben, wo man angeblich „nur Dreck findet“. Und es gibt nicht wenige, die stolz darauf sind, dass sie das Internet nicht benutzen.

Darin unterscheiden sie sich nicht von denen, gegen die sie gerade streiken – die Verleger als Arbeitsgeber.

Nachtrag:
Alle Redakteure, mit denen ich gut zusammengearbeitet habe und dies weiterhin tue, schließe ich selbstverständlich aus und hoffe, dass sie ihren schweren Stand weiter halten können.

  • Ein Argument pro Solidarität wäre noch: Wenn die Verlage bei den Redakteuren kürzen, werden auch die Freien-Honorare gekürzt. Steigen die Redakteurs-Gehälter, profitieren die Freien vom Brotkrumen-Effekt.

  • docfalcon

    Tach Herr Prothmann,

    was ist dann ihr „Gegenvorschlag“? Weiter unsolidarisch den Streik brechen, da es ja grad mehr Aufträge gibt und man ja nach sich selbst kucken muss? Schämen Sie sich eigentlich für diese egozentrisch-guttenbergsche neoliberale Sichtweise?

    Oder sind sie auch so egofixiert wie die von ihnen Kritisierten, dass Sie nun johlend daneben steben und „Kopf ab, Kopf ab!!!“ schreien? Denn anders kann ich diese Beleidigte-Leberwursttexte von Ihnen leider nicht interpretieren. Das mit dem Glashaus und den Steinen, das über wir nochmal.

  • Demokrat

    „Niemals unter einer Mark eine Zeile (außer für die taz, die 70 Pfenning die Zeile zahlte).“

    Da bin ich jetzt aber baff. Gerade bei der taz die immer wieder Artikel gegen Lohndumping und ähnliches bringt hätte ich das nicht erwartet.

    • S

      Die taz-Honorare sind eigentlich bombig, nur ziehen die dann gleich wieder so eine Art „Solispende“ ab :o)

    • Die taz arbeitet aber auch anders als andere Zeitungen, im Sinne einer Solidargemeinschaft eher. Wer für die taz arbeitet, weiß das. Das Resultat ist dann aber auch eine Zeitung, die eben nicht wie alle ist 😉

  • Michael

    Chapeau!

    Wie aber kann sich der sich selbst und seinem Anspruch verpflichtete Freie denn aus dieser kniffligen Situation befreien?

    Ganz offensichtlich ist doch die kritische Masse der Leserschaft nicht willens oder in der Lage, Qualität zu erkennen, wertzuschätzen, geschweige denn zu bezahlen…

    Und solange die organisierte Nachrichtenmaschinerie einen Markt versaut, der das billigt (sic!) und respektiert, solange haben Freie wenig Chancen, ihre Arbeit entsprechend gewinnbringend (oder zumindest existenzsichernd) anbieten zu können.

    Selbst, wenn sich alle Freien in einer Art Solidargemeinschaft zusammenfinden würden, um eine „Gegenkraft“ zu bilden, hätten sie immer noch mit einem kaputten Markt zu kämpfen, der Qualität nicht monetär wertzuschätzen bereit ist.

    Insofern ist es nicht ganz abwegig, wenn die festangestellten Redakteure ein bisschen mehr vom Kuchen haben möchten; wenn es denn der Qualität und der „Qualifizierung der Leserschaft“ hilft. Leider dürfte trotz höherer Gehälter aber genau das nicht passieren.

    Fakt: Die derzeitige Leserschaft ist größtenteils als existenzsichernde Zielgruppe im Eimer. Das, was an neuer Leserschaft dieser Tage die Schulen verlässt, m. E. ebenso.

    Idee: Regelmäßige Schulprojekte zusammen mit den Schulzeitungsredaktionen veranstalten.

    Ziel: Kinder zu mündigen Bürgern erziehen, die Qualität erkennen und wertzuschätzen wissen.

    Und dann hätten sehr viele Murksredaktionen einen echt schweren Stand!

    Leider funktioniert das nicht über Nacht…

    • Thomas Ott

      Typisch Qualitätsjournalist: erst einmal die Leser für dumm erklären… Mir wäre das peinlich.

      • Michael

        Herr Ott, weder bin ich als Journalist, noch irgendwo im Verlagswesen beschäftigt.

        Wenn es die Leser interessieren würde, welchen Mist sie tagtäglich vorgesetzt bekommen, dann hätten wir diese Verhältnisse nicht; zumindest nicht in diesem Umfang.

        Und so sehr mir das Geseiere über den „liberalen Markt“ auch gegen den Strich geht: Die Verlage decken hauptsächlich einen Bedarf, nämlich schnelle, billige und triviale Informationen zu liefern. Tiefgründige, gut recherchierte Analysen sind von der Masse nicht gewollt, da zu anstrengend. Die kleine Gruppe aufgeklärter Bildungsavantgardisten kann aber niemals den Contentapparat (Verlage, Freie, Blogger etc.) alleine finanzieren.

        Und diesen Status Quo werden wir nicht mehr, oder nur äußerst schwierig ändern können. Mein Ansatz: Bringt den Kindern bei, Inhalte wertzuschätzen. Ihre Eltern könnt Ihr vergessen!

        Um auf Ihr Statement zurückzukommen: Nein, ich halte die Masse der Leser nicht für dumm. Nur für unaufgeklärt, uninteressiert und unmündig. Wären sie es nicht, würden sie einem streikenden Redakteur entweder entgegenrufen: Mehr Geld? Wofür? Bringt erstmal Qualität!

        Oder es bräuchten erst gar keine Redakteure zu streiken, da sie ein auskömmliches Einkommen hätten.

        BTW: Solange selbst in sogenannten „Qualitätsmedien“ Beiträge aus der BILD zitiert werden, solange wird sich nichts ändern!

        • Thomas Ott

          Danke für die Klarstellung, dass sie kein Journalist sind. Trotzdem teile ich Ihre Meinung nicht.

      • Ähm, es ist nicht leicht, über den offensichtlich unkritischen Medienkonsum vieler Menschen hinwegzusehen. Spürbar z.B. in dem heute möglichen (zugegebenermaßen verzerrenden) Rückkanal – den Leserkommentaren. Manche Leser kommen nicht mal über den zweiten Absatz hinaus und nölen schon gegen die Medienlandschaft lost.
        Man zweifelt auch ob des Erfolgs von Medien und Sendungen, die „weichen“ oder gar Pseudojournalismus bevorzugen (RTL, RTL2 & Co.). Da heißt es, weiter an die mündigen Leser glauben, die es ja tatsächlich gibt.

    • „Wie aber kann sich der sich selbst und seinem Anspruch verpflichtete Freie denn aus dieser kniffligen Situation befreien?“
      Er kann aufhören als freier Journalist zu arbeiten und sich eine Tätigkeit suchen, die besser bezahlt wird.

      „alle Freien in einer Art Solidargemeinschaft“
      Vergessensis.

    • dondarko

      … SOlche Schulprojekte „Schule und Zeitung“ gibts seit Jahrzehnten. Hats was gebracht? – Nein. Junge Leute lesen keine Zeitung mehr, Punkt. Von einigen wenigen Studis, die gern SZ, FR, taz lesen, mal abgesehen. Mannheimer Morgen liest kein Mensch unter 35.

    • jap

      Streiken für die falsche Sache

      Würden die Redakteure für mehr redaktionelle Freiheit, für mehr Mut zur Faktentreue und mehr Unabhängigkeit in den Verlagsetagen streiken, könnten sie sich meiner Solidarität sicher sein. Als Vertreter der Leit- und Qualitätsmedien haben sie die Pflicht, ihrer Verantwortung als vierte Verfassungssäule integer, ausgewogen und unabhängig nachzukommen. Doch anstatt diesem elementar wichtigen Punkte durch ihrem Streik erneute Bedeutung zu verleihen, kämpfen sie für – mehr Geld. Dass Millionen von Deutschen mit weniger als 300 EUR über die Runden kommen müssen und dieses Land gerade seine Bürgerrechte zu verlieren droht, schert die Herrschaften wenig oder übersteigt deren Vorstellungsvermögen.

      Der Umsatzfokus der Verlage hat sich schon vor langem weg von den Lesern und hin zum Werbesektor verschoben. Ob den Schund jemand ließt, ist vergleichsweise egal, solange nur genügend Anzeigen geschaltet werden. Die Meldungen werden größtenteils autologisiert übernommen, allenfalls geringfügig umgeschrieben und publiziert. Wenngleich ich als Leidensgenosse Herrn Prothmanns Sicht über Tintenritter und Redaktionshelden teile, ist dies nicht der Grund, aus dem sich mein Mitgefühl für die Streikenden in Grenzen hält.

  • Zeitungs-Leser

    Danke für diese Offenlegung.
    Mit Anfang 20 hat man noch nicht so das Weltbild als wenn man 10 Jahre Zeitung gelesen und die ständigen Lügen und zwei Regierungswechsel mitgemacht hat. Die Ausbildung müsste das erbringen.

    Es gäbe einfache, legale, „vorbildliche“ und vermutlich wirksame Wege gegen das Pricedumping. Als Privatperson könnte man sowas vom „Taschengeld“ bezahlen (und dann halt selber programmieren bzw. warten), würde aber sofort abgemahnt werden.

    Die Gewerkschaften scheinen kein Interesse zu haben.
    Mein Standard-Beispiel war immer „Horst Schlämmer ist das Ziel jedes Anfänger-Journalisten: Freibier und eingeladen werden und streßfreie Themen berichten.“. Als Steigbügelhalter der Mächten verdient man natürlich nicht viel, wird aber auch nicht nachts weggeholt wie Dubai-Blogger.
    Die Machtstrukturen lassen halt die Aufgabe des Journalismus als Desinfektionsmittel/weißes Blutkörperchen der Gesellschaft schlecht zu. Daraus ergeben sich die 80-90% copy-paste-Agenturmeldungen ohne Eigenleistung und halt die in Eigentümer-Farbe gefärbten Politik-Berichte. Da gäbe es schon simple Ideen auf Computerbasis. Aber wenn man für jede Website bis zum Verfassungsgericht klagen muss und/oder 90-99% mit Anwälten oder Ventures teilen soll, kann man das als Privatperson halt nicht.

    Und manche Redakteure erkennen so langsam (endlich) die Probleme und strukturelle Zersetzung der Branche, aber keiner kann Lösungen umsetzen ohne von IT-Firmen abgekocht zu werden oder es nicht hinzukriegen. Mal davon abgesehen das keiner konstruktive Ideen hat oder nennt. Die Trivialität der Lösungen dürfte überraschend sein. Die Einnahmen hinreichend.

  • Frank

    Endlich wird mal in komprimierter Form deutlich, wie viel Hass sich über die Jahre angestaut hat beim Herrn Prothmann. Einige Wahrheiten sind ja durchaus drin in dem Text. Aber – wie in vielen Prothmann-Texten – hätte auch diesem Bericht gut getan, wäre er mit etwas weniger Schaum vor dem Mund geschrieben worden.

  • niedermeyer

    Ein fehlender Horizont widerlegt nicht Herrn Brinkmanns Argument. Sinkende Honorare bei den Freien sorgen für einen Sogeffekt bei den Angestellten und umgekehrt. Der Verleger geht den Weg des geringsten Preises!

    An dieser Stelle versagt auch der DJV! Statt sich endlich um die Honorare der Freien zu kümmern, sorgt man sich um Luxusgehälter angestellter Redakteure. Ich sorge mich um den Geisteszustand dieser Gewerkschaft.

    Nicht falsch verstehen. Ich bin für Streik und andere Maßnahmen, falls es um das untere Ende in der Branche geht. Einstiegsgehälter, kostenlose Praktikanten, lächerliche Bezahlung von Volontären oder eben die Plünderung von Freien am Existenzminimum sollten das Thema sein.

    Wer zu den erfahrenen und guten Journalisten zählt, der sollte auch ohne Tarif sein Gehalt aushandeln können. Qualität setzt sich auch ohne Gleichmacherei durch. Ob man 5150 oder 5180 verdient ist auch nicht wichtig.

    Dagegen können sich die 08/15 Journalisten kaum gegen das Lohndumping wehren. Hier ist echter Handlungsbedarf. So verdienen viele Freie und Bildjournalisten unter 5 -‚¬ die Stunde. Dabei sind 73 % Akademiker und sollten mindestens 30-40 -‚¬ als Freie erreichen. (Von der Ausrüstung bis zu den Lohnnebenkosten gehen immer über 50% weg)

    5-25 -‚¬ pro Bild oder 20-80 Cent pro Zeile sind keine ungewöhnlichen Honorare. Mit diesen Honoraren kann man keinen ordentlichen Journalismus machen. Oberflächliche Berichte voller Fehler führen zum Verzicht auf die Zeitung. Da hilft auch kein blödsinniges Leistungsschutzrecht.

  • Das erinnert mich: 1993, als das Berliner Schillertheater geschlossen wurde, versuchte die Dramaturgie der Staatlichen Bühnen Solidaritätsveranstaltungen zu organisieren, und sprach freie Schauspieler und Bühnen, von denen dort zuvor niemand etwas wissen wollte, kohortenweise an, ob man nicht aus Solidarität mit dem bedrohten Hause dort auftreten wolle. Selbstverständlich ohne Gage Versicherung usw. Haargenau das gleiche, urige Solidaritätsverständnis.

  • ralf

    kann das beschriebene nur bestätigen, besonders die verhältnisse im lokalen sind absolute ausbeutung! ich selbst war teilweise einen ganzen tag im einsatz und habe am ende dafür nur mickrige 25 euro bekommen.

  • Markus B.

    Schöner – und im Kern ja auch irgendwie wahrer Beitrag, der sich aber leider durch einen allzu verbitterten und einseitigen Ton ein wenig selbst diskreditiert.

    Ich selbst habe ein paar Jahre frei für regionale und überregionale Zeitungen geschrieben, für mich wegen ähnlicher Erfahrungen dann aber beschlossen, zum Fernsehen zu wechseln, wo man in Teilbereichen noch immer akzektabel entlohnt wird. Sämtliche festangestellte Printredakteure als einen mehr oder weniger korrupten Haufen zu charakterisieren, geht mir dennoch zu weit – und irgendwie auch am Thema vorbei. Es ist doch viel eher ein strukturelles Problem: Die Freien haben keine Lobby und zudem gibt es eine große Zahl an Dumping-Preise anbietenden freien Autoren, denen ein Bewusstsein dafür, dass man lieber Hartz4 beantragen sollte, als für Zeilenhonore unter einem Euro zu arbeiten, völlig abgeht. UND: Es gibt auch zwischen den Freien untereinander nach meiner Erfahrung keinerlei Solidarität. Mal jemanden zu finden, der so wie hier ganz offen über seine Honorare spricht, ist da ja schon vergleichsweise revolutionär.
    Wenn sich die Festangestellten jetzt also organisieren und gegen Lohnkürzungen vorgehen, dann tun sie damit doch erstmal etwas grundsätzlich Begrüßenswertes – und etwas, wozu die Freien auf breiter Front nie fähig waren.

  • Rainer Barg

    „Und es gibt viele Redakteure, die ihre Verachtungshorizont auf das Internet ausgeweitet haben, wo man angeblich “nur Dreck findet-€.“

    Diesen Dreck findet man seit vielen Jahren in der großen Mehrzahl der Lokalteile deutscher zeitungen: Untergründig schlechten Hobby-Journalismus, Kirchen, Parteien, Vereine, die texte über ihre Veranstaltungen selber schreiben und kaum redigiert werden und, ja, genau:

    „Häufig sind das Rentner, die nicht unbedingt dazu verdienen müssen oder Hausfrauen.“

    Die Montagsausgaben der Lokalzeitungen sind voll mit den Elaboraten dieser Mitarbeitertruppen, die weder inhaltlich noch handwerklich irgendetwas mit Journalismus zu tun haben, denen die Redakteure aber ungeprüft trauen.

    Sowas nennt sich dann „Qualitätsjournalismus“, der natürlich seinen Wert hat.

    Ja, 20 Cent pro Zeile. Und so bitter das ist: Mehr ist er wohl ttasächlich auch nicht wert.

    • S

      Tja, so ist das in den Niederungen des Jouralismus, wo alles läuft, wenn jeder Verein jährlich und der Bürgermeister wöchentlich im Blatt ist.

      Der Leser macht es ja klaglos mit.

      Und die der Realität entrückten Redakteure der Lokalblätter haben mehr Kontakt mit und Feedback von den Objekten ihrer Berichterstattung als mit dem Leser.

      Wenn ein Bericht über den Bürgermeister vor allem dem Bürgermeister gefallen muß, dann stimmt was nicht!

      • der martin

        Ich glaube das machen immer weniger Leser mit. Diese Scheckübergabebilder mit lachender Lokalprominenz etc.

        Da gibts nur eins: Kündigen, kündigen, kündigen! Gerade jetzt in Zeiten des Streiks. Nicht aus Boshaftigkeit gegenüber den Betroffenen. Sondern um ihnen zu zeigen, wo die Leser aktuellen Wert und Qualität der Lokalzeitung (insbes. MM) ansiedeln: Ganz unten.

        Wenns besser wird, kann man ja wieder abonnieren.

        • Als ob die Lokalzeitungen nicht schon rasant an Lesern verlieren würden… 😉

          • D. Weber

            Das tun sie. Und ich habe die These, die allermeisten, die noch abonnieren, tun das nicht, weil sie von der Qualität überzeugt sind. Sondern aus Gewohnheit, weils das Abo ist, das schon die Oma 1960 bestellt hat. Gelesen wird das nicht mehr.

  • puck of pook’s hill

    > Und wenn Leserinnen und Leser wüssten, wie respektlos und
    > despektierlich sich “Redakteure-€ oft über ihre Kunden
    > auslassen – sie wären entsetzt.

    ach naja, das dürfte etwa den vorstellungen des durchschnittlichen lesers über die durchschnittliche redaktion entsprechen — „wenn die nicht bei der zeitung wären, bekämen sie gar keinen job“ ist da noch freundlich formuliert (unfreundlicher habe ich das mal von einer praktkantin gehört: „ich dachte immer, die sind so doof wie ihre zeitung — aber die sind noch viel dämlicher“).

    andereseits ist das niveau der meisten lokal-/regional-berichterstattung wohl auch so tief, dass man als redakteur bei nüchterner einschätzung des eigenen niveaus und der trotzdem nicht in scharen flüchtenenden leser wohl wirklich keine hohe meinung haben kann.

    aber keine sorge, auch die „höherklassigen“ printprodukte wie zb zeit bewegen sich stetig nach unten. wenn die zeit heute schreibt, dass 1+1=2, dann schlage ich das mittlerweilen lieber nochmal woanders nach — und ich erwarte eigentlich jede ausgabe mittlerweilen, dass die „zeit-diät“ erscheint …

  • Christian Eissel

    Hi Herr Prothmann.

    Klasse Kommentar!!! Ehrlich.

    Was mir fehkt ist Folgendes:
    Weshalb soll die Bevölkerung sich mit den redaktionellen Handlangern von Lohndumping und Unsolidarität in unserem Land solidarisieren?

    Als ich vor vier Jahren im Streik wegen geplanten Lohnsenkungen und Ausgründung war, da wurden wir auf der Straße als faule Hunde bepöbelt (so dumm ist das Volk, daß es dieses von den deutschen Medien transportierte Zerrbild immer weiter und weiter verwendet) und KEIN Schreiberling hat öffentlich Partei für uns ergriffen.

    Deshalb sehe ich die von Ihnen kritisierten Leute einfach als das gleiche verachtenswerte Geschmeiss an wie neoliberale Marktradikalisten und die sich der Springerhetzpresse andienenden Halunken aus der schwarz-gelben Regierungskoalition.

    Die haben schlicht und erfreifend genauso wenig Solidarität verdient wie sie dem Volk zuteil werden lassen!

  • Ijoma Steinfeld

    Sensationeller Artikel, Herr Prothmann! Jeder Satz ein Treffer. Genau so ist es. Was für ein unglaublich selbstgerechtes und verlogenes Milieu.

  • Danke. Schöne Zusammenfassung. Journalisten sind auch nur Arbeitnehmer und Egoisten und die wirklich engagierten kann man tatsächlich suchen. Schreibt einer, der ein klassisches Angestelltenverhältnis mit fairem Lohn nur noch aus dem Volo kennt.

    Grüße

  • Festangestellte Redakteure stehen zunehmend unter dem Zwang der Kaufleute und waren schon immer in einer Hierarchie verankert. In dieser Hierarchie müssen sie „abnicken“ (welches einige leckenderweise, wie überall, artig bei ihrem Schafredaktor machen).
    Ich habe grundsätzlich keine Solidarität für Menschen übrig, die kein Rückgrat haben und den Freelancer (ich bin einer seit 25 Jahren)über die Klinge springen lassen und ihm Informationen klauen.
    Aaaaaber … ich kann dem Honorarfrust des Herrn Prothmann nicht zustimmen. Möglicherweise liegt es am „Arbeitsbereich“ meines „Journalismus“ (Promis die keiner braucht). Zumindest dort sind die Preise relativ konstant (auch wenn es zunehmend schwieriger wird). Ich habe früher für eine Doppelseite bei „Frau im Koma“ 1500,- DM bekommen, jetzt sind es 1500,- -‚¬ (mal auch weniger, aber dafür sind die Produktionskosten – Filmentwicklung entfällt, Flüge sind billig – auch geringer). Und ich kenne einige Redakteure, die auch gerne mal etwas mehr ausgeben, weil Sympathie und Wohlwollen beidseitig ist.
    Aso…und für alle die jetzt bei „Yellow-Journalismus“ würgen: es ist ein langjähriges Phaenomen in westlichen Gesellschaften! Je blöder etwas ist, desto mehr Geld bekommt man in der Medienlandschaft (egal ob Print oder TV).
    Also ich bin blöd! Ich bekomme gute Honorare und falle nach einer Arbeitswoche für zwei Monate finanziell direkt ins berufliche Koma …

    • pro

      Guten Tag!

      Sie beschreiben ein anderes System – im Text habe ich ja beschrieben, dass über die Honorare bei großen Medien und mit entsprechenden Forderungen ganz gute Auskommen möglich sind.

      Wusste nicht, dass Yellow so gut zahlt – ist mir aber egal, weil ich den Müll nicht bediene.
      Für blöd halte ich Sie nicht. Sie machen das, was Sie machen und müssen das verantworten.

      Aktuell geht es um den Streik der Zeitungsredakteure und die allermeisten Zeitungen sind Lokal- oder Regionalzeitungen und die Situation der Freien ist hier unterirdisch.

      Gruß
      Hardy Prothmann

      • D. Weber

        „Wusste nicht, dass Yellow so gut zahlt – ist mir aber egal, weil ich den Müll nicht bediene.“

        Hallo, warum sehen Sie Yellow so verächtlich? Mich interessiert Yellow auch nicht, genausowenig wie die Fachpresse für Jagd und Fischerei. Deshalb muss man das aber nicht verachten.

        Gruß, D. Weber

  • Ijoma Steinfeld

    Das Problem, vor allem auf überregionaler Ebene, ist auch eines der Rekrutierung. Festangestellte Journalisten bilden eine sich selbst erhaltende Kaste. Nur wer charakterlich passend disponiert ist, wird von den charakterlich ähnlich disponierten Chefredakteuren und Ressortleitern als Volontär und/oder Redakteur auserkoren. Ehrliche, anständige und auch ihren Vorgesetzen gegenüber kritische Menschen bringen es noch nicht einmal zum Pauschalisten. Sie schlagen sich als „Freie“ durch oder wechseln die Branche.

  • @puck of pook’s hill
    “ich dachte immer, die sind so doof wie ihre zeitung -€” aber die sind noch viel dämlicher-€
    UNSINN! Zumindest „Yellow““ wird von sehr intelligenten Leuten gemacht(Intelligenz ist die Voraussetzung für zusammenhängende Sätze und gleichzeitiges Hineindenken in die vereinfachte Gefühlswelt des Lesers)
    „Und wenn Leserinnen und Leser wüssten, wie respektlos und despektierlich sich “Redakteure-€ oft über ihre Kunden auslassen – sie wären entsetzt.“
    AUCH QUATSCH! Wöchentliche Copytests und Leserbefragungen im Web zeigen, wie ernst Yellowblätter ihre Leser bei sinkenden Auflagenzahlen nehmen!
    aber…naja…das sagte ja auch eine Praktizierende … umpf, umpf, glugg, honolulu … ihr sei verziehen!

  • Ela

    Ich bin Freie, um das mal vornewegzunehmen war aber bis vor kurzem in Festanstellung. Ich finde ihr Bild von Redakteuren teilweise falsch. Redakteure entscheiden in den seltesten Fällen die Honorarsätze und stehen selbst unter enormem Druck. Ebenso was Abend- und Wochenendtermine angeht. Bei 2 Wochenenddiensten (so meine letzte Anstellung) im Monat und regelmäßig Stadtrat/Ausschusssitzungen, hat sich auch ein Redakteur mal etwas freie Zeit verdient.

    Warum gibts im Lokalen nur Hobbysopas und Chronisten? Weil die Verlage kaum Honorar zahlen. Gut ausgebildete Menschen verbringen ihre Zeit lieber anders, als für mikrige Zeilenhonorare (bei meinem EX-Arbeitgeber waren das 12 (!) Cent pro Zeiele) zu schreiben.

  • Hans Wurst
    • Michael

      „Bei besonderer Begabung gibt es im Anschluss die Chance zur freien Mitarbeit.“

      Sehr schön. Es ist ja nicht so, als wenn sie nun gar nichts täten. Sie kümmern sich. Immerhin.

      Und abschließend dann dieser Satz? Ganz offensichtlich herrscht an dieser Front kein Fachkräftemangel. Entweder, weil es genügend gibt, oder aber, weil keine „Fachkräfte“ für diesen Job benötigt werden. 😉

      Im Vergleich dazu:

      US-Regierungsbeamte tauchen dieser Tage unvermittelt beim Hacker-Congress in Las Vegas auf und… hängen Stellenanzeigen auf.

      So geht man mit begabten Fachkräften um, liebe Verlage! 😉

    • heddy

      Tja so zieht man sich Journalisten-Prekariat von morgen heran…- man geht schon 16Jährige an !!

  • FF

    Danke. Genau wegen solcher Beiträge lese ich Blogs. Klare Sprache, klare Analyse, klare Haltung. Nicht der Leitartikel-Schwurbel unserer Gipsgroßköpfe, die alle ganz oben im Impressum stehen wollen.

    In den Raddatz-Tagebüchern stand was Schönes über Journalisten: die tönten (sinngemäß) Herr Mitterrand müsse dieses tun, Herr Clinton jenes unterlassen, die Regierung solle dieses und die Uno jenes machen – dabei seien sie selber ganz kleine Spießer, die um die Raten für ihr Eckreihenhaus bangten.

    Ansonsten gilt: wo der Trog leer ist, beißen sich die Schweine.

    • heddy

      „Danke. Genau wegen solcher Beiträge lese ich Blogs.“

      Ja das beantwortet auch viele Fragen des aktuellen Konflikts. Wieso soll ich noch einen mitelmäßigen MM teuer bezahlen, wenn es zahlreiche kompetente und hoch enggierte Top Blogger gibt? Ich jedenfalls kann auf die allermeisten klassischen Medien mittlerweile gut verzichten.

  • Stefan I

    Kann ich voll und ganz unterstützen! Ich verstehe es ebenso wenig, wie man auf so hohem Niveau überhaupt noch jammern kann. Da gehen Redakteure auf die Straße, die mehr in einem Monat verdienen als viele andere Menschen im Quartal oder sogar Halbjahr. Dabei liegt das eigentliche Problem tatsächlich bei den Freien – und auch den Leiharbeitern.

    Bei beiden Geschichten klinkt sich der DJV aus und kümmert sich erst einmal um die Oberen in der Nahrungskette. Dass Freie mit solch mickrigen Honoraren abgespeist werden, scheint niemanden zu interessieren. Man wundert sich einfach nur über die schlechte Qualität der Freien und geht dann wieder zum Tagesgeschäft über. Dass aber Qualität auch mit Bezahlung zu tun hat, verstehen die wenigsten. Ich habe im Lokalen zuletzt für 15 Cent die Zeile und neun Euro das Foto gearbeitet. Auf ein lebensfähiges „Gehalt“ kam ich erst, als ich beinahe Vollzeit tätig gewesen war. Da ist es doch klar, dass man überwiegend nur junge Menschen ohne Erfahrung kriegt, die aber spätestens dann wieder weg sind, wenn sie für ihren Lebensunterhalt vollständig selbst sorgen müssen. Ich hatte das Pech, aus familiären Gründen für eine gewisse Zeit an diesen Ort und damit diesen Verlag gebunden zu sein.

    Und hat man es irgendwann einmal tatsächlich in ein geregeltes Arbeitsverhältnis geschafft, um sich nicht jeden Monat erneut Sorgen um die essentiellen Dinge des Lebens machen zu müssen (Miete, Auto, …), landet man wieder in so einem Sog des Abgespeistwerdens. Man wird in einem Subunternehmen eingestellt, an den Verlag „ausgeliehen“ und fällt damit von vornherein aus jeglichen Tarifvertrag. Dass die Gehälter in etwa mit denen der Freien zu vergleichen sind, kann man sich fast schon denken.

    Ich habe das Gefühl, dass sich in der Zeitungsbranche mittlerweile eine solche Haltung entwickelt hat, nach der jeder nur noch seinen eigenen Arsch retten möchte, der Rest aber egal ist. Redakteure scheint nur noch zu interessieren, was unmittelbar sie selbst betrifft. Dass aber ihr Arbeitsplatz auch von ganz vielen anderen Faktoren abhängt, verstehen die wenigsten, sie sehen es nicht einmal. Und das traurige ist: Man kann es ihnen nicht einmal erklären, weil die Denkstrukturen mittlerweile so eng gestrickt sind, dass für andere Meinungen und eine gewisse Horizonterweiterung kein Platz mehr ist.

    Wenn in einigen Jahren die Zeitungsbranche gänzlich am Ende ist, dann wird man vielleicht endlich erkennen, dass die Redakteure kräftig am Untergang mitgewirkt haben.

    Anmerkung:
    Der selbstgewählte Name wurde durch „I“ ergänzt, da es schon einen „Kommentator“ Stefan gibt.

    • „Ich habe das Gefühl, dass sich in der Zeitungsbranche mittlerweile eine solche Haltung entwickelt hat, nach der jeder nur noch seinen eigenen Arsch retten möchte, der Rest aber egal ist.“
      wie jezz? „in der Zeitungsbranche“?? würde das generell eher als gesellschaftliches Übel sehen! Solidarität muss man sich leisten können …
      aber sehen wir es positiv! Dieses „Wir-Gefühl“ hat auch was von Parzellentum, oder? Ob nun Golf- oder Rockerclub oder Gewerkschaft …irgendwie alles Schrebergarten 😉

  • pro

    Guten Tag!

    Hier meinerseits ein Kommentar bei den Freischreibern.

    http://www.freischreiber.de/home/was-geht-freie-journalisten-der-streik-der-redakteure-sehr-viel#comment-2033

    Gruß
    Hardy Prothmann

  • pro

    Guten Tag!

    Mittlerweile gab es eine Reaktion von einem MM-Redakteur.

    Nachzulesen hier am Ende des Textes:

    http://istlokal-medien.de/pushthebutton/2011/08/04/zeitungsstreik-journalismus-heisst-fragen-zu-stellen/

  • pro

    Guten Tag!

    Auf dem Streikblog der stuttgarter Redakteure ist heute ein Text von Joe Bauer veröffentlicht worden.

    Der Anfang klingt ganz gut und zum Schluss macht er klar, was er vom Pack hält, den Streikbrechern, darunter viele freie Mitarbeiter.

    Ohne Worte – der Schluss konterkariert den guten Anfang. Aber das ist symptomatisch.

    http://streikblog0711.wordpress.com/2011/08/04/fur-die-engel-und-den-teufel-eine-rede-an-die-kolleginnen-und-kollegen-gewidmet-allen-leserinnen-und-lesern/

    Gruß
    Hardy Prothmann

  • Jörg Heinzle

    Dieser Beitrag ist eine Unverschämtheit gegenüber Redakteuren, die sich tagtäglich weit über das normale Maß um einen guten, wertvollen Journalismus bemühen. Und davon kenne ich offenbar im Unterschied zu Ihnen doch eine ganze Menge. Es ist durchaus üblich, dass Redakteure weit über die vertragliche vereinbarte Zeit hinaus arbeiten, um ihrem Anspruch gerecht zu werden. Auch Redakteure kämpfen täglich um die richtigen, passenden Worte und Sätze – nicht nur freie Journalisten.
    Sie vergessen zudem, worum es im Kern bei diesem Streik geht. Es geht eben nicht um ein paar Prozent mehr für die „alten“ Redakteure. Es geht darum, junge, neue Kollegen (möglicherweise auch freie Journalisten, die in eine Festanstellung wechseln) vor massiven Einschitten beim Lohn zu bewahren. Deshalb ist die Bereitschaft, am Streik teilzunehmen, zum ersten Mal sehr groß. Wenn man das nicht soldarisch nennen kann, was dann?

    • pro

      Guten Tag!

      Erstens meint mein Text nicht jeden einzelnen Redakteur in Deutschland – ganz im Gegenteil kenne ich sehr viele Kollegen, mit denen ich früher und in Zukunft gerne zusammenarbeiten werde und die sich sicher nicht angesprochen fühlen.

      Zweitens haben Sie eine der Kernthesen nicht verstanden: Wieso soll man sich mit Redakteuren solidarisch zeigen, die es über Jahrzehnte zugelassen haben, dass die freien Mitarbeiter mies bezahlt werden. Wer Solidarität einfordert, muss diese auch bringen können. Und jetzt kommen Sie und geben uns mal ein Beispiel, wo sich diese „über das normale Maß“ hinaus bemühten Redakteure auch nur ein einziges Mal für die eingesetzt haben, die sie für mickriges Geld in der Gegend rumschicken.

      Die Kritik zielt vor allem auf Redakteure in Lokal- und Reginalredaktionen von Tageszeitungen. Jeder, auf den die Kritik nicht zutrifft, muss sich nicht angesprochen fühlen.

      Gruß
      Hardy Prothmann

  • wengenroth

    „Dieser Beitrag ist eine Unverschämtheit gegenüber Redakteuren, die sich tagtäglich weit über das normale Maß um einen guten, wertvollen Journalismus bemühen.“

    Hallo, und welche Journalisten sind das? Beim MM und der RNZ sind – wenn ich mir das Arbeits-Ergebnis ansehe – keine.

    Und: Solidarität mit den Jungredakteuren finde ich schon k. Aber wo ist die Solidariät mit den prekären Freien?? Das sind die armen Schweine im Betrieb. Nicht die Redakteure, die nach einigen Jahren locker 50.000 im Jahr mitnehmen.

    • „Aber wo ist die Solidariät mit den prekären Freien?? Das sind die armen Schweine im Betrieb.“
      Weiß nicht, was das bedeuten soll?
      Ich habe seit 25 Jahren Spaß, lach mich schlapp, schlafe aus, zeige Chefreds den Mittelfinger, komme durch die ganze Welt, die Ausbildung der Kids und das Haus und die Harley sind bezahlt ….
      ähhh…ja….ich bin echt ein armes Schwein!
      Wenn festangestellte Systemjournalisten für ihre Kröten streiken, ist das verständlich. Macht aber nur dann Sinn, wenn es noch ein System der Sicherheit des Arbeitsplatzes gibt! Selber Schuld wer daran glaubt und darauf abnickt.
      „Frei“ oder „freelanced“ ist dagegen die Königsklasse der journalistischen Unabhängigkeit … das Wort „frei“ an sich widerspricht jedweder Organisation, Solidarität, Einordnung oder Verantwortungsübernahme in beide Richtungen.
      Frei = Mut und Eier(stöcke)haben!
      Angestellt = Arbeitsplatz sichern und Schnauze halten!

      • wengenroth

        Hallo,
        ich meinte die „armen Schweine“, die in den Lokalredaktionen frei schuften. Nicht die Luxusklasse, die gegen offenbar üppiges Honorar die Yellowtitel betextet (war mir nicht klar, dass das so profitabel ist, Glückwunsch!)

        • @ wengenroth
          das ging in den falschen Hals! Ich wollte hier keineswegs die „Luxusklasse“ propagieren! Gibt es auch, nach meiner Meinung, im Journalismus nicht! Es gibt nur gute und schlechte Journalisten. Ein guter Journalist ist, nach meiner Meinung, der, der sich weder bei seinem Protagonisten (oder Thema) noch bei seinem „Schafredaktor“ unterordnet.
          „Frei“ ist der, der sich „frei verhält“ … besonders in der aktuellen journalistischen Medienlandschaft! „Frei schuftende Systemlokalredakteure“ sind keine „Journalisten“, sondern „Texter“. Über wen reden wir???
          Ich wollte eher Mut machen … nicht im Streik und der Solidarität liegt die Effizienz! Die „Story“ ist es und sie sollte es auch bleiben. Texter machen keine Stories, sie schreiben sie um und das ist auch nicht mehr wert, finde ich.

  • Bereits Marx sagte, dass die Arbeiterklasse sich zuerst als Klasse bewusst werden muss, bevor sie etwas erreichen kann. was soviel heisst, dass sie sich nicht durch eiversüchteleien oder missgunst auseinander dividieren lassen darf. sie muss sich bewusst werden, dass es ein klares oben und unten gibt und alle arbeitnehmer ihre arbeitskraft verkaufen und im selben boot sitzen und darum zusammen, solidarisch gegen die abzocke von oben kämpfen muss.

  • gordongecko

    Ich sehe dem Niedergang der lokalen Zeitungen und ihrer Redakteure jetzt schon seit Jahren zu und sage mir inzwischen: Lasst sie verrecken. Sie haben rund 10 Jahre Zeit gehabt, die neue Welt zu verstehen, Schlüsse zu ziehen, qualitativ besser zu werden oder neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

    Abe sie haben nichts verstanden. Und jezt streiken sie, mit „7 Thesen“, die ein Grundschüler besser formulieren könnte. Liebe Leute, für euch ist kein Platz mehr in der neuen Medienwelt, ihr hattet eure Chance. Und niemand hat Mitleid. Also lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

    Meine Meinung – Ausnahmen bei einzelnen Redakteuren bestätigen die Regel!

  • Werter Herr Hardy Prothmann!
    Ich zitiere Sie:
    „Wusste nicht, dass Yellow so gut zahlt – ist mir aber egal, weil ich den Müll nicht bediene.“
    Genau dieses ist es, was mich stört! Auch wenn ich jetzt das Thema philosophisch erweitere (und vermutlich gegen die Meinung handelüblicher deutscher Blogwarte verstoße) ….aaaaber….ich lese kleingeistig Gärtnerisches (scrollen Sie hoch!) über Solidarität, Zeilenhonorar, Redakteursverhalten usw.
    WO bitte bleibt der „Journalismus“ ???
    Es ist doch völlig latte, ob ich Gonzo-Journalist (googlen!), Yellow-Tratscher, Politfreak, Kriegsberichterstatter oder Investigator bin! Journalismus ist ein Lebenszustand und kein Beamtenberuf!!! Man kann über ALLES berichten, überall auf der Welt und man kann ALLES an Redakteure (bzw. Blätter) verkaufen. Die Höhe des Verkaufs hängt davon ab, ob ich eine Martlücke finde, den Mainstream bedienen möchte, mein Birne in die Frontline halte ….und „last not least“: ob ich ein guter Verkäufer bin und meinen Beitrag interessant präsentiere!
    Mitnixen möchte ich hier Kollegen kritisieren … aber wer sich hier über Zeilenhonorar und Inkompetenz erigiert, der muss sich an die eigene Nase fassen, warum er als „Journalist“ keinen Erfolg hat.
    Face the fact, Altah: Du bist so gut wie Deine Story und das macht Dich und Dein Geld aus!

  • jwo

    Vom ersten Wort bis zum letzten kann ich Prothmanns Motzbrief unterschreiben. Solidarität? Mit denen, die nur dann, wenn es um den eigenen Hintern geht, überhaupt wissen, wie dieses Wort geschrieben wird? Nicht im Traum.

    • gordongecko

      Tja da gibts nur eins: Abo kündigen bzw. die Schrottblätter nicht mehr kaufen solange es nicht besser bzw. solidarischer wird! Dann wachen die Herren Redakteure vielleicht auch mal auf …

  • nbo

    es bringt überhaupt nichts, freie gegen redakteure auszuspielen. dass redaktionen schrumpfen und mit immer weniger leuten noch mehr texte stemmen sollen, und dass freie in den letzten zehn jahren im besten fall stagnierende honorare (absolut gesehen – real fallend, da kein inflationsausgleich), meistens aber sinkende honorare bekommen, sind zwei seiten einer medaille: es geht kontinuierlich bergab. meine solidarität haben die streikenden redakteure.

    • Fotoreporter

      Es geht nicht um das Gegeneinanderausspielen, sondern um die berechtigte Frage, ob jene, die keine Solidarität kennen, berechtigt sind, diese einzufordern. Und da kann es nur eine sinnvolle Antwort geben.

  • Fotoreporter

    Punktgenau, Hardy. Gratuliere. Die meisten Redakteure sind fett und faul geworden in Jahren der Vollversorgung. Seit Jahren werden sie immer mehr zu Marketingsklaven der Verlage, verlieren völlig jegliche kritische Distanz und verlassen ihren Bilschirmarbeitsplatz nur noch, wenn es unedingt sein muss und nicht regnet. Von der realen Welt bekommen sie kaum noch etwas mit. Und Freie werden eh behandelt wie Sklaven. Abends, am Wochenende Termine sind Standard für die. Na und? Das ist der Redakteurskaste doch egal. Die hat jeden Samstag, mindestens jeden 2. Sonntag und ca. 350 Abende im Jahr frei. Urlaubsgeld, Altervorsorge usw. inklusive.

    Und wenn eine Seite mit Leserfotos und PR-Texten mal wieder besonders billig war, wird zu Ehren des Verlegers gefeiert. Denn man hat ja noch Karrierepläne in dem Laden. Also immer schön die Fresse halten, nach oben bücken und nach unten treten.

    Solidarität? Mit Euch? Niemals.

    Ihr wisst doch gar nicht, was das ist!

  • pro

    Guten Tag!

    In Mannheim kämpfen nicht nur streikende MM-Redakteure gegen die Dr.Haas-Gruppe, sondern auch verdi (dju) gegen DJV.

    Ist das Solidarität, Herr Langscheid?

    http://www.taz.de/Streik-der-Journalisten/Kommentare/!c75606/

    Beste Grüße
    Hardy Prothmann

  • Boandlgramer

    Ich hab‘ fast zwei Jahrzehnte im Fachjournalismus zugebracht (wo’s meistens besser war als bei den Zeitungen) – sowohl als Freier, als auch als angestellter Redakteur. Ich sage: Der Mann schäumt mit jedem Wort zu Recht.

    Die Lösung? Das Verlagswesen muss durch eine noch viel tiefere und schlimmere Krise – und diese Krise wird es nicht überleben. Es gibt ohnehin Segmente die jetzt schon klinisch tot sind – die Herz-Lungen-Maschine pumpt halt noch, solange die „Print wirkt“-Propaganda bei den Anzeigenkunden noch zieht. Aber Hoffnung ist keine: Ich kann jedem (Ex-)Kollegen nur raten, sich schleunigst einen (ganz) anderen Beruf zu suchen.

    Vielleicht muss man noch dazu sagen, dass IGMedien/Verdi schon in den 90ern tief geschlafen haben, als die Verselbständigung in Fahrt kam. Warum sollte es mich jetzt kümmern, wenn Dornröschen doch noch wach wird? Sie können die Verlage nicht retten und schon gar nicht deren Angestellte.

  • Leider alles der Realität entsprechend!

  • Wolfgang Stieler

    Die Kritik des Kollegen Prothmann ist sowohl richtig, als auch falsch: Richtig ist, die teilweise ignorante Haltung der festangestellten Kollegen zu kritisieren. Falsch ist, daraus zu schließen, dass die Streikenden keine Solidarität verdienen. Denn dann ändert sich nie etwas. Ganz abgesehen davon, dass es nach meiner Erfahrung unendlich mühsam ist, Freie zu organisieren, damit sie sich – vielleicht mal – gemeinsam gegen Honorardumpumping wehren. In der Regel musste ich in solchen Situationen erst mal unendlich lange Diskussionen um das so genannte „unternehmerische Selbstverständnis“ der freien Kollegen führen.

    Vollends absurd finde ich aber, das in der gesamten Diskussion die Vergütungsrichtlinien für Tageszeitungen (http://www.faire-zeitungshonorare.de/) keine Rolle spielen (die übrigens DJV und ver.di in langen, zähen Verhandlungen mit durchgesetzt haben).
    Grüße,
    Wolfgang Stieler

  • dromm

    Dass da was faul ist im Verhältnis zwischen angestelltem Redakteur und freiem Autor, ist ja keine Neuigkeit – und bleibt doch immer berichtens- und beklagenswert. Hier ein schönes Stück von Tucholsky zum Thema:

    http://www.textlog.de/tucholsky-redakteur-freier.html

    Ich jedenfalls kenne beide Seiten der „Front“ seit 25 Jahren – als Angestellter, als langjähriger Scheinselbständiger eines der großen deutschen Medienhäuser und auch als Freier. Mein Resumee: Ja, es stimmt, viele angestellte Kollegen verdienen diese Bezeichnung nicht, weil sie sich den Freien gegenüber nicht kollegial verhalten – aus Bequemlichkeit, Ignoranz und manchmal sogar, weil sie sich als Büttel der Medienunternehmen gerieren und sich die Hände reiben, wenn es gelungen ist, das Honorar eines Freien zu drücken. Doch so sehr ich die Verbitterung über solch schäbiges Verhalten verstehe, bleibt es bei der Plattitüde: Es sind nicht alle so, bei weitem nicht alle.

    • pro

      Guten Tag!

      Na klasse – kannte ich nicht und mit ein paar Veränderungen lässt sich das Stück 1:1 auf heute anwenden. Danke für den Hinweis.

      Gruß
      Hardy Prothmann

  • pro

    Guten Tag!

    Hier noch eine Meinung von den Freischreibern – Eva-Maria Schnurr über die schleichende Enteignung von Freien Journalisten.

    http://irights.info/?q=node/2084

    Soweit ich das sehe, gibt es in Deutschland nicht einen festangestellten Redakteur, der dies kommentiert hätte. Vermutlich gibt es kaum welche, die überhaupt darüber nachdenken.

    Gruß
    Hardy Prothmann

  • Ich verstehe ja den wütenden aber alles in allem ausgewogenen Beitrag von Herrn Prothmann zumindestens in Teilen, ich habe mich selbst in meinen Zeiten als Freier oft genug über Redakteure aufgeregt. Wenn ich mir hier die Aussagen der Mitdiskutierenden durchlese, gehe ich aber an die Decke. Wenn „Fotoreporter“ da schreibt: „Freie werden eh behandelt wie Sklaven. Abends, am Wochenende Termine sind Standard für die. Na und? Das ist der Redakteurskaste doch egal. Die hat jeden Samstag, mindestens jeden 2. Sonntag und ca. 350 Abende im Jahr frei. Urlaubsgeld, Altervorsorge usw. inklusive“, dann frage ich mich schon: Gehts noch? Hat der Herr auch nur den Hauch einer Ahnung, wie Redakteursalltag abläuft? Klar, Redakteure hängen nine to five in der Redaktion rum, drehen Däumchen und beschweren sich, wenn der arme Freie nicht auf die Minute seinen (natürlich keinerlei Redigatur benötigenden) Text abliefert. Um am Ende des Jahres 50000 Euro fürs Nichtstun abzuholen.

    Mal ehrlich: Wo lebt ihr eigentlich?

    • Fotoreporter

      Lieber Zahnwart.
      Ja, ich kenne den Redakteursalltag aus hautnaher Selbsterfahrung. Und den des Freien auch.

      Ich weiß nicht, wo Sie leben, ich lebe leider in der Realität des Lokaljournalismus.

  • Schnoerch

    Auch wenn es hier um die regionale Berichterstattung geht: Mitarbeiter von Zeitungen, die es seit Jahrzehnten für richtig halten dem dummen Leser zu erzählen es sei richtig, daß verlangt wird den Gürtel enger zu schnallen, die ihnen vorwerfen über ihren Verhäktnissen gelebt zu haben, die ohne nachzudenken die neoliberalen Positionen verteidigen, die haben bei Gott keine Solidaridät verdient. Ist es nur bei anderen richtig, wenn sie ausgebeutet werden und es nur bei ihnen verwerflich?

  • Hagetaka

    Vielen Dank Herr Prothmann,

    dieser Artikel schildert genau das, was ich bisher (mit-)erlebt habe: Freie und Praktikanten (und Volontäre) werden ausgebeutet. Sie alle lockt die Aussicht auf eine Festanstellung, die irgendwann finanzielle Sicherheit verspricht. Aber nur die wenigsten erreichen jemals dieses Ziel. Wer sich weigert hat seine Chance vertan.

    Der Gedanke, dass Informationen kostenlos sind, ist inzwischen in der Bevölkerung stark verwurzelt. So, als würde es keinen Aufwand machen zu Recherchieren, zu Forschen oder auch nur die gefundenen Informationen in eine ansprechende Form zu gießen. Der Gedanke, dass Experten bezahlt werden wollen, wenn sie ihr Wissen teilen sollen, scheint den Meisten völlig abwegig.

    Ist ja auch alles kostenlos im Internet zu lesen.

    Dass dann der Inhalt möglichst billig produziert werden muss, ist doch klar.

    Mit besten Grüßen

    Hagetaka

  • Lieber Herr Prothmann,

    es ist wichtig, immer wieder auf die katastrophale Honorarsituation freier Journalisten hinzuweisen.
    Deswegen verlinke ich in meinem Blog http://simoncolin.blogage.de auf Ihren Beitrag.

    Grüße, Simon Colin

  • pro

    Guten Tag!

    Ok – betrifft nicht nur Lokalredakteure, trotzdem lustig:

    http://www.bildblog.de/32395/wer-hat-die-duemmsten-redakteure/

    Gruß
    Hardy Prothmann

  • Martin Krehl

    Boah, irgendwann ist es auch mal gut – was seid ihr für Journalisten? Könnt ihr nicht lesen? Nirgends streikt ein Redakteur, eine Redakteurin in Deutschland für mehr Geld. Wir haben auch noch nie – jedenfalls solange ich denken kann – für mehr Geld gestreikt, vielleicht sollten wir das mal tun, dann bekämen wir auch was. Wir haben einst für eine vernünftige Ausbildung gestreikt, wir haben auch schon für vernünftige Arbeitszeiten gestreikt, wir streiken gerade gegen die Einführung von Billigjournalismus und gegen das Renditestreben und die Profitgeilheit der Verleger. Und dagegen, dass die Kapitalisten in den Medienhäusern auch noch tendenzgeschützt sind. Darum geht es. Das ist beweisbar und nachlesbar. Jeden Tag bei den Aktionen, die wir auf offener Straße machen, um öffentlich darzulegen, wie es mit der Pressefreiheit, der Medienvielfalt und der Demokratie in unserem Lande so aussieht.
    Und das kann keiner von euch Freien nachvollziehen, da könnt ihr nicht mitmachen?
    Ich weiß mal gerade nix von einem Luxusgehalt – von meinem kann ich meine Familie grad ganz gut durchbringen. Mehr aber auch nicht. Dafür arbeite ich hart. Ich weiß, dass ich völlig unter Wert bezahlt werde für die Arbeit, die ich liefere. Ich weiß, dass ich seit fast 20 Jahren keine wirkliche Gehaltserhöhung mehr bekommen habe. Ich bin weder satt noch faul, ich verarsche keine Freien und ich mache keine Zeilenhonorare oder Bildhonorare. Ich bestimme mal nicht über die Höhe der Honoraretats. Ich zwinge übrigens auch niemanden, für meinen profit- und renditeorientierten Verleger zu arbeiten.
    Ich bin seit 30 Jahren im Beruf und genau so lange solidarisch mit Freien, ich organisierte als Gewerkschafter nachweislich über Jahre zig Veranstaltungen auf euren Wunsch für euch und durfte erleben, dass niemand kam. Und dass niemand aus den Reihen der Freien diese Arbeit für Freie weitermachte. Dass aber viele Freie ständig klagten, die Gewerkschaft tue ja nichts für sie.
    Wenn ich daran denke, dass weit über zwei Drittel der dju- und grob geschätzt deutlich mehr als die Hälfte der DJV-Mitglieder Freie sind – und ihr es nicht gebacken bekommt, mit diesen euren Gewerkschaften, in denen ihr die Mehrheit habt und sogar in den Vorständen und Gremien oft in der Mehrzahl seid, für eure Belange zu kämpfen und stattdessen die Festangestellten anpöbelt, sie sollten doch mal was für euch tun, dann werde ich – sagen wir mal – ärgerlich.
    Wenn ihr als Qualitätsjournalisten nicht recherchiert habt und begreift, dass nicht der Festangestellte euer Gegner ist, sondern der ausbeuterische Verleger – dann tut ihr mir leid.
    Und: Packt euch mal an eure Nase – wann seid ihr zuletzt auf einer Veranstaltung eurer Gewerkschaft gewesen? Wieso lasst ihr, die ihr doch die Mehrheit seid, kommentarlos zu, dass die angeblich so wenig für euch tun? Und wann habt ihr euch mal untereinander zusammengetan und konkret was verabredet, konkret was getan, statt euch untereinander selbst bemitleidet? Ich sehe, wie ihr euch förmlich überbietet mit eurem Leidensdruck, wie ihr wetteifert, wer für das nun wirklich mieseste Honorar arbeitet. Und was genau tut ihr dagegen? Ich meine jetzt wirklich außer darüber zu lamentieren. Was konkret? Wie sieht eure Taktik aus, aus der Nummer mal rauszukommen? Seid gewiss, ich steh‘ fest an eurer Seite, ich mache mit. Ich bin sofort bei euch. Und ich freue mich über jeden Freien, der während meines Arbeitskampfes bei mir ist.

    • pro

      Hallo Herr Krehl,

      sind Sie als Betriebsrat noch als Redakteur tätig oder nur Gewerkschaftsfunktionär?

      Können Sie belegen, dass Ihre Gewerkschaft dju für die Freien einen Honorarkampf vorbereitet hat? Wenn ja, wann?

      Können Sie belegen, dass in vielen Gremien die Freien die Mehrheit haben? Wenn ja, wo?

      Können Sie sich vorstellen, dass man keine Zeit hat, um auf Konferenzen rumzuhängen, wenn man als Freier Hungerlöhne bezieht und einfach so von heute auf morgen ohne Beschäftigung sein kann, weil man keinen Arbeitsschutz hat?

      Könnte es sein, dass angestellte Redakteure einfach mehr Zeit haben, um sich in Runden abzusprechen, als Freie, die sich so gut wie nie treffen, im Gegensatz zu Redakteuren?

      Was sind Sie für ein Journalist, dass Ihnen solche Fragen in all den 30 Jahren nicht eingefallen sind?

      Beste Grüße
      Hardy Prothmann

      P.S. Was ist nochmal das Zeilenhonorar bei der Westfälischen Rundschau?

      • Ich glaube, gegenseitige Beschimpfung führt zu nichts.
        Aber wahr ist: Zuerst müssen einmal die Betroffenen für ihre Ziele eintreten, der Stellvertreter-Kampf ist keine Lösung. Die 12-Tarifverträge für arbeitnehmerähnliche Freie werden ja immer parallel zu den Festangestellten verhandelt – da gibt es also ganz praktische Berührungspunkte, auch wenn dieser TV leider nur für einen Bruchteil der Verlage gilt.
        Dass sich Freie schwierig organisieren lassen, ist richtig.
        Aber was soll die Alternative sein? Die Redakteure streiken für höhere Honorare und die Freien warten ab, was passiert? Die Angst ist mir auch bewusst, sich etwa für die Mindesthonorare (Vergütungsregeln) vor Gericht zu wagen – die übrigens die hier so geschmähten Gewerkschaften erstritten haben.
        Ja, diese Mindesthonorare sind nicht üppig und sie werden häufig nicht bezahlt. Aber die könnte man jederzeit einklagen – ohne auf jemand warten zu müssen. Aber auch das tut keiner, weil er um die (miesen) Aufträge fürchtet.
        Am Ende kann ich kein Patent-Rezept anbieten, aber eine Lösung liegt nur in der Aktivität und Aufklärung (siehe Link) – aber nicht im Runtermachen.

        • pro

          Guten Tag!

          Der erste Schritt sollte sein, mit seinem Namen einzustehen: Ich kommentiere beispielsweise immer unter Klarnamen und bin mir bewusst darüber, dass ich sehr vielen Zeitungsredakteuren nichts mehr anbieten muss, weil die in bezug auf mich die Hasskappe aufhaben.

          Wenn Gewerkschaften und Redakteure gemeinsam mit den Freien streiken würden, wäre das schon mal ein erster Schritt. Tatsächlich ist es sehr viel schwerer, Freie zu organisieren. Man kennt sich nicht, trifft sich nie – anders als die Redakteure. Dafür müsste man Gelegenheiten einrichten und zwar von Seiten der Redakteure und Gewerkschaften. Das passiert aber nicht und ich glaube auch nicht, dass dort der Wille dazu vorhanden ist.

          Ansonsten hier ein kleiner Hinweis, wie es in der Realität aussieht, wenn man sein klägliches Mindesthonorar einfordert:

          Ruhrbarone: Ahlener Tageblatt II: Aufstehen lohnt sich!

          Schönen Tag
          Hardy Prothmann

          • Hagetaka

            mit den Kommunikationswegen, die heutzutage zur Verfügung stehen, sollte es jeder Interessensgemeinschaft gelingen sich zu koordinieren. Das haben in Nordafrika Menschen geschafft, denen es wesentlich schwerer gemacht wurde sich abzusprechen.

            Ich denke, das eigentliche Problem ist, dass die Freien Journalisten keine geschlossenen Front bilden wollen. Wenn einer sich vorwagt, muss er fürchten, dass ihm von seinen „KollegInnen“ ein Dolch in den Rücken gerammt wird. Einer weniger, mit dem man sich die Aufträge teilen muss oder der vor einem in der Warteschlange auf eine Festeinstellung steht.

            Aber „Fahrrad fahren“ liegt wohl in der Natur des Menschen und ist nicht auf freie Journalisten beschränkt.

            Mit besten Grüßen

            Hagetaka

  • Zeitungs-Leser

    http://www.textlog.de/tucholsky-redakteur-freier.html
    habe ich heute über BildBlogs 6vor9 gesehen.
    Der Text ist 89 Jahre alt und beschreibt beide Seiten erschreckend übereinstimmend.

    Er erwähnt halt aber auch die Seite der Festen die sich auch mit schlechtem Material Freier herumplagen müssen.

  • Martin Krehl

    Hallo Herr Prothmann!

    Sie lenken ab. Nicht ich muss hier steile Thesen beweisen, sondern Sie.
    Übrigens: Ich bin gelernter Lokalredakteur und nach fünf Jahren Elternzeit auch wieder aktiv und seit einem Jahr auch wieder Betriebsratsmitglied, aber schon lange kein Gewerkschaftsfunktionär mehr. Ich habe tatsächlich keine Ahnung, welche Honorarsätze meine Zeitung den Freien zahlt, die nicht ich ausbeute, sondern mein Arbeitgeber. Ich beauftrage keine Freien, weil ich weiß, dass sie in der Regel beschissen werden. Ich ruhe mich auch nicht darauf aus, dass Freie für mich arbeiten. In den Redaktionen der Zeitung, für die ich arbeite, tut dies auch sonst niemand – hoffe ich.
    In allen Gewerkschaftsgremien, die ich kenne, sitzen mehr Freie als Festangestellte – in meinem Bezirksvorstand, in meinem Landesvorstand und im Bundesvorstand der dju. Beim DJV weiß ich es in der Tat nicht ganz genau – aber Sie sind ja Vollblut-Rechercheur, das kriegen Sie auch alleine raus.
    Nein, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemand keine Zeit aufbringen will, sich um seine Belange zu kümmern, sich Gleichgesinnte zu suchen und gemeinsam solidarisch was gegen unhaltbare Situationen zu tun. Aber, bitte: Warum soll ich als Festangestellter diese Zeit aufbringen, um für Freie auf deren Bitten was zu organisieren und dann zu erleben, dass sie nicht kommen? Diese und ähnliche Fragen habe ich mir nach zehn Jahren ehrenamtlicher Gewerkschaftsarbeit zuletzt immer öfter gestellt. Ich mach-€™s nicht mehr.
    Dass Freie sich nicht untereinander treffen, das ist in der Tat wohl ein Problem – aber das der Freien, nicht der Festangestellten (die kriegen in Sachen Gewerkschaft ihren Allerwertesten übrigens genauso wenig hoch wie die Freien).
    Ich glaube, ich habe mich mit der Situation von Freien schon beschäftigt, da sind Sie noch mit der Trommel vorm Bauch um den Weihnachtsbaum gelaufen – nee, stimmt vielleicht nicht so ganz, aber – mit Verlaub, da habe ich weder Nachholbedarf noch schlechtes Gewissen.
    So. Jetzt werden Sie mal konkret: Was haben Sie konkret vor um Ihre und die Situation anderer Freier zu ändern? Ich bin dabei, wenn Sie mich gebrauchen können.

  • Robert Schmitt

    Prothmann hat recht. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

  • pro

    Guten Tag!

    Sowas – da macht man mal Betriesferien und kriegt erst später mit, was andere schreiben. 😉

    http://meedia.de/details-topstory/article/streik-streit–der-frust-vieler-freier-ist-gro_100036265.html