Montag, 01. Mai 2017

Zeitungsstreik: fluegel.tv dokumentiert Realitätsverlust bei Redakteuren

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 07. August 2011. Aktualisiert. In Stuttgart gibt es ein Videoportal, das zur Demokratisierung der Gesellschaft beitragen will: fluegel.tv. Unter dem Slogan „Wir zeigen, was im Fernsehen nicht kommt“ hat das bürgerschaftliche Portal einige Aufmerksamkeit bekommen – mit Interviews, die tatsächlich so niemals im „Fernsehen“ gezeigt werden würden. Allein schon wegen der Länge. Aber es lohnt sich, sich diese Videos anzuschauen. Sie machen das, was guter Journalismus leisten sollte: Dokumentation.

"Putte" ist Bürgerreporter. Quelle: fluegel.tv

Von Hardy Prothmann

„Putte“ ist ein sympathischer Typ und häufiger auf Achse für fluegel.tv. Er führt dann Interviews und lässt die Leute ausführlich zu Wort kommen. Und „Putte“ beherrscht etwas, das jedem Reporter sehr gut ansteht: „Putte“ stellt einfache Fragen, hält sich zurück, weiß nichts besser, sondern lässt reden, reden, reden. Und hört zu.

Auch zum Zeitungsstreik hat „Putte“ zwei Redakteure und einen verdi-Funktionär interviewt. Diese Dokumentationen sind nicht nur interessant. Sie sind brisant. Denn die Personen reden sich um Kopf und Kragen. Sie unterstreichen die Kluft zwischen Redakteuren, Gewerkschaften auf der einen und freien Journalisten auf der anderen Seite.

Joe Bauer – Kolumnist der Stuttgarter Zeitung Stuttgarter Nachrichten macht klar, dass er Redakteure insgesamt für gute Journalisten hält. Und jeder, der kein „anständiges Gehalt“ bezieht, macht Billiglohnjournalismus und gehört zur untersten Schicht der Gesellschaft, den man nicht auf „die Leute loslassen kann“. Außerdem meint er, dass „jeder im Internet Zeugs absondern“ könne, was aber nichts mit Journalismus zu tun habe.

Susanne Benda, Kulturredakteuerin der Stuttgarter Nachrichten glaubt, dass es eine „Frage des Berufsethos“ sei, für die jungen Kollegen einzutreten. Denn wenn die Verleger im aktuellen Tarifstreit ihre Forderungen durchsetzen würden, drohe dem Nachwuchs das „journalistische Prekariat“.

Und Gewerkschaftsfunktionär Gerd Manthey von verdi Baden-Württemberg meint, man würde vom Streik wenig mitbekommen, weil man die eigene Betroffenheit im Blatt nicht unterbringen könne. Außerdem nennt er Rupert Murdoch als Vorbild für deutsche Verleger. Qualität braucht seiner Meinung nach gute Tarifverträge.

Aktuell verdienen Berufseinsteiger als Redakteur rund 2.900 Euro brutto. Die Verleger fordern angeblich bis zu 25 Prozent Einbußen, was also zu 2.175 Euro führen würde, bei einer tariflichen Arbeitszeit von 35 Stunden. Ein Skandal aus Sicht der Gewerkschaftler. Mittlerweile sollen die Verleger ihre Forderungen ein wenig zurückgenommen haben.

Nach 15 Jahren verdient ein festangestellter Redakteur etwa 4.500 Euro. Hier werden von den Verlegern minus fünf Prozent verlangt.

Sowohl bei verdi als auch im DJV ist der überwiegende Teil der Mitglieder aber freiberuflich tätig oder scheinselbständig beschäftigt.

Für die Gruppe der freien Zeitungsjournalisten haben Verdi und DJV „gemeinsame Vergütungsregeln“ „ausgehandelt“, an die sich so gut wie keine Zeitung hält. Danach müsste man als Freier Journalist bei den Stuttgarter Nachrichten (150.000 Auflage) rund 90 Cent brutto für eine Druckzeile á 40 Anschläge verdienen.

In einer Untersuchung stellt der DJV in der Broschüre „freien infos 02/2009“ fest, dass freie Mitarbeiter, die Vollzeit arbeiten, im Schnitt 1.838 Euro vor Steuern „erlösen“ – bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 43,9 Stunden. Für arbeitnehmerähnliche „Pauschalisten“ sehen die Zahlen so aus: 2.075 Euro bei 46,9 Wochenstunden.

Eine Unterscheidung für „junge“ Freie oder Freie mit „15-jähriger“ Berufserfahrung gibt es in der Regel nicht.

Im Gegensatz zu den Redakteuren tragen die Freien und Pauschalisten ihre Kosten für Auto, Telekommunikation, Büro, Kranken- und Rentenversicherung, Weiterbildung usw. natürlich zu 100 Prozent selbst. Urlaubs- und Weihnachtsgeld gibt es selbstverständlich nicht. Urlaubs-, Krankheits- oder Weiterbildungstage sind Realhonorarverlusttage.

Freie Journalisten, die für Lokal- und Regionalzeitungen arbeiten sind schon längst journalistisches Prekariat. Billiglohnarbeiter, die die Seiten „voll“ machen – von Seiten der Redakteure oder Gewerkschaften gibt es für diese Unterschicht keine Solidarität. (Siehe Text: „Solidarität? Wieso, weshalb, warum?)

Das weiß „Putte“ vermutlich alles nicht (was ich ihm überhaupt nicht vorwerfe) und fragt deshalb unbelastet freundlich zu Arbeitsbedingungen der Redakteure, zu den Hintergründen des Streiks und warum man davon als Bürger gar nicht so viel mitbekommt.

Die Antworten der beiden Redakteure und des Funktionärs sind mehr als erstaunlich und vertiefen den Graben zwischen festangestellten Redakteuren und freien Mitarbeitern noch mehr.

Susanne Benda wirkt da noch vergleichsweise ehrlich, wenn auch reichlich unbedarft. Joe Bauer kann man dagegen als arrivierten Arrogantling sehen und wenn man die Bewunderung Murdochs durch den verdi-Funktionär Manthey weiterdenkt, darf man nicht überrascht sein, wenn verdi das „RaubritterLeistungsschutzrecht“ der Verlage demnächst unterstützt – sofern für die tariflich gebundenen Redakteure auch was rausspringt.

Interessant ist, wie die beiden Redakteure die Zeitung als Hort des „Qualitätsjournalismus“ hoch halten und sich über falsche oder unzureichende Informationen oder Agenturmeldungen empören. Ausgerechnet zwei Redakteure der Stuttgarter Zeitung, die von vielen Kritikern wegen der schlechten Berichterstattung zu Stuttgart21 für das Chaos mitverantwortlich gemacht wird.

Die Videos zum Zeitungsstreik finden Sie auch auf der Homepage von fluegel.tv.

Joe Bauer – Zeugs-Kolumnist

Joe Bauer, Stuttgarter Nachrichten from fluegel.tv on Vimeo.

Zum Streik

Ich arbeite als angestellter Redakteur seit Anfang der 70-er Jahre und habe sowas noch nie erlebt.

Es geht gegen Gehaltskürzungen und vor allem die Aufrechterhaltung des Journalistenberufs an sich.

Zum Verdienst und Unterschichten

Wenn jemand noch qualitative Arbeit machen soll, wird er dafür nicht qualitativ bezahlt. Das heißt, dass machen nur noch Billiglohnleute, die wahrscheinlich auch mit einem entsprechenden Anspruch schon ankommen. Weil ein guter Mann wird für dieses Geld nicht arbeiten.

Die Löhne waren ja in der Vergangenheit nicht umsonst noch relativ anständig. Man kann ja jemanden mit 1.500 D-Mark netto nicht auf irgendwelche Leute loslassen. Die werden ja nicht mal annähernd ernst genommen. Die müssen halbwegs so situiert sein, dass sie nicht zur untersten Schicht der Gesellschaft gehören, sondern ein halbwegs ordentliches Gehalt beziehen.

Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld hat nichts mit Luxus zu tun – so werden Überstunden und unbequeme Arbeitszeiten ausgeglichen. Das wird oft falsch betrachtet, weil man denkt, die haben ja eigentlich viel Geld. Warum die viel Geld bekommen, wird nicht hinterfragt.

Zum Internet

Natürlich kann jeder im Internet sein Zeugs absondern, was aber mit Journalismus sehr wenig zu tun hat oder meist gar nichts.

Susanne Benda – Berufsethikerin

Susanne Benda, Kulturredakteurin der Stuttgarter Nachrichten from fluegel.tv on Vimeo.

Warum bemerkt man vom Streik so wenig?

Das man das nicht sieht, hängt damit zusammen, dass nicht alle rausgehen, sondern die Ressortleiter drin bleiben und dafür sorgen, dass das Blatt weiter so erscheint.

Allerdings sieht man, dass mehr Agenturtexte dort erscheinen. Man sieht im Lokalteil, dass kaum lokale Termine besetzt werden.

Was ist das Problem der Zeitungen?

Die aktuellen Nachrichten nehmen sich die Leute aus dem Internet.

Welche Rolle haben die Redakteure?

Wir sorgen für das Renommee dieser Holding mit.

Warum ist der Streik notwendig?

Was das allerschlimmste aber an der ganzen Sache ist, dass die jungen Redakteure, die nachwachsen, in einen so genannten Gehaltstarif 2 kommen sollen und der bedeutet nichts anderes als eine unglaubliche Herabstufung, die bis zu 25 Prozent am Reallohn an Verlust bedeuten kann, geben über dem, was Jungredakteure jetzt schon verdienen.

Wer wird denn vorher noch studieren und hinterher Journalist werden?

Da wird ein journalistisches Prekariat entstehen, die dann auch eher bereit wären, die auch eher bereit wären, Pressemitteilungen zu übernehmen. Die nicht mehr nachrecherchieren, was ihnen geboten wird.

Qualtität von Berichterstattung

Tatsächlich ist es so, rechercherieren immer weniger zulässt und das eine Qualität die auch gar nicht so geschätzt wird.

Da standen auch sehr unhinterfragte Dinge in der Zeitung, das ist sehr schade.

Die dpa kann gar nicht allem hinterher recherchieren.

Eigentlich ist das Agenturmodell so gedacht gewesen, dass man die Dinge weiterträgt, die man gesagt bekommt und dass die Zeitungen dann nachrecherchieren, dass heutzutage einfach so Agenturtexte übernommen werden, ist Ausdruck der Personalnot und einer gewissen Haltung vielleicht.

Man betrachtet immer noch die Meldungen der Agentur als ein bisschen sowas wie heilige Kühe. Die sind da. Die haben den Anschein von Solidem. Die liefern einen Bericht. Das ist fertig. Da fallen die Journalisten auf ihre eigenen Kollegen rein.

Journalistisches Selbstverständnis

Unsere Forderung ist vor allem die, dass den jungen Journalisten nichts schlechteres geboten wird. Da geht es um sowas wie Berufsethos. Was wollen wir sein? Was möchten wir mit unserem Journalismus bewirken. Das ist eine Sache des Selbstverständnisses.

Was wir jetzt haben ist eh nicht das beste, was man haben kann.

Gerd Manthey – der Funktionär

Gerd Manthey, Verdi-Landesverband from fluegel.tv on Vimeo.

Warum erfährt man so wenig über den Streik?

Weil die Printmedien den Verlegern gehören und es sehr schwierig ist, die eigene Betroffenheit und Lage in den Blättern unterzubringen.

Wer ist schuld? Was ist die Lösung?

Murdoch hat als erster mit seinem Rechenkünstlerverstand erkannt, man darf das Internet nicht kostenlos abgeben. Man muss das Internet gegen Geld für die Leserinnen und Leser abgeben. Wenn sich das die deutschen Verleger schon vor zehn Jahren gesagt hätten, dann würden sie heute nicht so tief in einer Strukturkrise sitzen.

Zur Nutzung von Agenturberichten

Da bleibt nicht die Qualität im Allgemeinen, aber im Besonderen stecken.

 

Gegen-Check:
Auch die streikenden Redakteure der Stuttgarter Zeitung haben über fluegel.tv berichtet – allerdings liest sich der Artikel dann doch etwas anders: fluegel.tv – Wie „Old Media“ und Gegenöffentlichkeit zusammenkommen

Links:
DJV – Freie Journalisten: Wie ihr Alltag aussieht und wie sie die Branche verändern
Indiskretion Ehrensache: Haste mal ne Mark für den Journalisten?
DJV – Vergütungsregeln Aufstehen für die Freien
Ruhrbarone: Ahlener Tageblatt II: Aufstehen lohnt sich!

Spenden-Seite von fluegel.tv
Bürgersender braucht vier Ansteckmikros

  • gordongecko

    Witzig ist ja tatsächlich: Die Redakteure streiken – und als Leser merkt man fast nix, jedenfalls nix an der Qualität. Man fragt sich: Was machen diese relativ gut verdienenden Leute eigentlich den ganzen Tag?

    Dieser Streik könnte ganz übel nach hinten losgehen! Weil am Ende alle Beteiligten merken: Die Karawane zieht weiter, die streikenden Redakteure braucht niemand mehr. Und die Leser vermissen sie am wenigsten.

  • Lieber Hardy Prothmann,

    es könnte sein, dass Du einiges in dem Interview falsch verstanden hast bzw. dass ich mich falsch ausgedrückt habe. Wie Fehler beim Schreiben (und Lesen) entstehen, merkt man vielleicht daran: Ich bin nicht Kolumnist der Stuttgarter Zeitung, wie Du schreibst, sondern der Stuttgarter Nachrichten. Aber wurscht, spielt keine Rolle.
    Das fluegel-tv-Interview wurde kurz vor einer Streik-Aktion gemacht, es war nicht vorbereitet, nichts abgesprochen – ich habe schnell und eher aus dem Bauch geantwortet, weil ich zurück zu unserer kleinen Streik-Show auf dem Stuttgarter Schlossplatz musste; ich hatte sie organisiert, es traten mehrere Musiker, ein Schriftsteller, eine Redakteurin und ein Verdi-Funktionär auf, auch ich, es pisste ununterbrochen, deshalb die Eile.
    Es wäre Humbug zu sagen, wer schlecht bezahlt wird, leistet automatisch schlechte Arbeit. Auch viele Schriftsteller, Musiker, bildende Künstler usw. werden miserabel bezahlt-€¦ das sagt (zunächst) nichts über die Qualität. Mich als “arrivierten Arroganzling-€ zu bezeichnen halte ich bei meinem Lebenswandel und bei den Dingen, die ich tue, für etwas merkwürdig.
    Wenn ich sage, im Internet steht viel “Zeugs-€, das für Journalismus gehalten wird und keiner ist, heißt das noch lange nicht, dass im Internet nicht auch großartige Texte zu finden sind-€¦ Was ich sagen wollte: Wenn ich eine Kamera besitze, bin ich noch kein Regisseur. Und ich habe gesagt: Die Online-Schnelligkeit trägt nicht unbedingt zur Vielfalt bei. Z. B. haben nach den Ereignissen vom 20. Juni (an diesem Tag war ich Demo-Redner) am Stuttgarter Bahnhof (Krawall)alle großen Medien (auch in Hamburg) dieselbe dpa-/Polizei-Meldung als Grundlage zum Kommentieren verwendet-€¦
    Was das Geld angeht: Die früheren Verleger (heute gibt es in großen Verlagen keine Verleger mehr, sondern Manager) haben darauf geachtet, dass ihre Redakteure halbwegs ordentlich verdienten, damit sie in ihrer sozialen Situation einigermaßen vorzeigbar waren-€¦ das sind alte Geschichten, die etwas mit gesellschaftlichem Status zu tun hatten -€¦ die alten Verleger haben sich einst für Weihnachts- und Urlaubsgeld für Redakteure ausgesprochen, um Ausgleich für Überstunden, seltsame Arbeitszeiten etc. zu schaffen-€¦
    Ich bin bei Gott nicht der Meinung, dass Zeitungen und angestellte Redakteure Qualitätsjournalismus automatische machen. Und selbstverständlich müssen freie Journalisten würdig bezahlt werden. Ich wollte sagen: Wenn heute jemand eine Studium abschließen und danach eine Ausbildung machen muss, um Redakteur zu werden, sollte man einen gewissen Anreiz übers Gehalt schaffen-€¦ sonst machen die guten Leute was anderes. Ich habe ausdrücklich gesagt: Egal, wo Texte erscheinen, ob auf Papier oder im Internet, man muss das Handwerk des Schreibens irgendwo lernen (und darüber weiß ich ein wenig, weil ich mich viel privat damit beschäftigt habe)-€¦
    Ich wollte mit keinem Wort die Arbeit anderer Leute herabstufen, sondern darauf aufmerksam machen, dass es die Verlagsmanager nicht unbedingt interessiert, welche Qualität in Zukunft ein Text hat – zumal sie das oft so wenig beurteilen können wie gewisse Chefredakteure (dass man neulich den Text eines “Spiegel-€-Redakteurs bei einer Preisverleihung nicht als Porträt erkannte, sondern als Reportage einstufte, sagt einiges)-€¦
    Mir das Thema Stuttgart 21 unter die Nase zu halten, ist auch nicht unbedingt fair – vielleicht erkundigst Du Dich mal, welche Position ich da als angestellter Schreiber einnehme und wie ich mich (auch als Demo-Redner oder in meiner kleinen Leseshow) gegen das Projekt ausspreche-€¦
    Dass ich mich selbstkritisch mit dem Thema Journalismus befasse, kannst Du vielleicht meiner u. a. in der “Streikzeitung-€ und in “Kontext-€ abgedruckten Rede entnehmen: http://joebauer.de/de/depeschen.php?sel=20110728
    Nix für ungut und viele Grüße
    joe

    • pro

      Guten Tag!

      Der Arbeitgeber ist korrigiert – halber Fehler, da „derselbe Laden“.

      Aha – Interview war also „nicht abgesprochen oder vorbereitet“. Ist das sonst gängige Praxis?

      „Arrivierter Arroganzling“ war mein „erster Eindruck“ – vielleicht solltest Du keine spontanen Interviews mehr geben.

      Kein Mensch behauptet, dass im Internet nur stehen darf, was „journalistisch“ geprüft ist. Behauptet auch niemand von der Briefpost, von Geschäftsunterlagen, von wissenschaftlicher Literatur oder Büchern oder sonstwas. Es gibt aber Redakteure, die sagen, im Internet stehe „Zeugs“.

      Du erliegst einem erstaunlichen Wahrnehmungsfehler: Die Agenturen sind sehr viel älter als das Internet. Die Übermittlung via elektronischen Trägern auch. Die Meldungen werden von den Agenturen nicht viel schneller geschrieben als früher, sie werden höchstens über den Kanal Internet früher veröffentlicht. Viele Redakteure nutzen aber zusätzliche Quellen wie Social Media, Blogs, Twitter usw. nicht, um sich auf einen besseren Kenntnisstand zu bringen, sondern kommentieren wie FRÜHER brav nach Agenturvorlage. Mit dem Internet hat das gerade im Gegenteil mal gar nichts zu tun. Übrigens vermute ich, dass die Stuttgarter Medien entsprechend kommentiert haben – liege ich falsch?

      Und die fluegel.tv-Leute sind keine ausgebildeten Journalisten, haben ne Kamera, nen Mikro und zeigen vielen „Redakteuren“ eine lange Nase durch hervorragende Arbeit. Auch die Aufmerksamkeit, die sie erhalten, ist immens – das würde mir an Deiner Stelle zu denken geben.

      Schade, dass Du noch nie frei gearbeitet hast. Dann wüsstest Du, dass man da mehr schaffen muss, jeder Urlaub, jede Krankheit nicht bezahlt wird, Fortbildung schon gar nicht. Und eine „gute Figur“ müssen gerade die Freien besonders machen, weil sie nicht vom „Nimbus“ als Redakteur oder Vertreter eines Verlagshauses zehren können.

      Ich stimme mit Dir nicht überein, dass nur Redakteur werden können sollte, der studiert hat. Gesunder Menschenverstand, eine hohe Allgemeinbildung (statt Fachbildung), Kontaktfreudigkeit und grenzenlose Neugier sind die grundsätzlichen Fähigkeiten, die Journalsiten brauchen und nicht Seminarscheine. Im Studium bekommt man das eher aberzogen.

      Einverstanden – man lernt am besten bei fähigen Kollegen. Geht mir bis heute so – trotz Studium.

      Einverstanden – die Verlagsmanager interessiert „Qualität“ meist überhaupt nicht – und ebenso einverstanden, dass in vielen „Preiskomitees“ eher Amtshäufer denn verständige Leute sitzen.

      Du hättest im Interview Zeit und Gelegenheit gehabt, die gnadenlos schlechte Leistung der Stuttgarter Zeitungen in Sachen S21 zu kritisieren. Dabei geht es überhaupt nicht darum, „ob man dafür oder dagegen“ ist, sondern einzig um eine solide, unabhängige Berichterstattung. Die war eindeutugi nicht gegeben – die Gründe sind bekannt.

      Deinen Text bei „Kontext“ habe ich gelesen und fand ihn 2-. Texte, die Ihre Argumentation aus Schriftstellerzitaten beziehen, sind mir meist suspekt. Es fehlt der Wille, selbst eindeutig mitzuteilen, was man denkt und/oder belegen kann.

      Meine These: Ich verstehe jeden Streikbrecher, der sich erstens für die Streikzeit mehr Einnahmen verspricht und zweitens vielleicht das Wohlwollen eines künftigen Arbeitsgebers. Und drittens: Da Solidarität der Redkakteure fehlt, braucht man selbst auch nicht solidarisch zu sein. Ersetze im Jack London-Zitat das Wort „Streikbrecher“ durch „Redakteur“ – dann hast Du auch eine Aussage, der die Streikbrecher vielleicht zustimmen?

      Bester Satz in Deinem Text:

      „Andererseits ist dieser Streik eine große Chance, uns mal selbst zu hinterfragen, uns Gedanken zu machen, ob wir die richtigen Gedanken haben und ob wir sie richtig ausdrücken.“

      In diesem Sinne
      Gruß
      Hardy Prothmann

      P.S.
      Wann hast Du Dich das letzte Mal aktiv für bessere Honorare für Freie eingesetzt, bzw. kannst Du eine gelungene Aktion/Verhandlung der Gewerkschaften benennen? Ich frag das ständig, bekomme aber nie Antworten.

  • Wieder hast Du nichts begriffen. Wie kommst Du auf die Idee, ich sei für ein Studium? Ich habe selbst keines, nicht mal Abitur. Die Verlagsleute, die andere einstellen, fordern das. Und woher weißt Du, dass ich nie frei gearbeitet habe? Die Probleme nicht kenne? Nichts weißt Du. Was soll Deine naive Internet-Belehrung? Du bist voll von Hass und arbeitest Deine Aggression am Falschen ab. Mannheim-Performance. Mit den wahren, den gefährlichen Gegnern wäre es etwas risikoreicher.
    Wirfst mir vor, ich hätte zu S 21 nicht Stellung genommen. Hat mich Putte gefragt? Ich bin ständig damit konfrontiert, es gibt genügend Leute, die deshalb fordern, mich aus dem Verkehr zu ziehen. Es war ein Interview zwischen Tür und Angel, ich musste Putte auf die Schnelle einen Gefallen tun. Warum sollte mit der fluegel.tv-Erfolg zu denken geben? Ich bin froh darüber, wir sind Freunde. Wozu hackst Du dauernd auf meiner Bemerkung über das „Zeugs“ im Internet rum? In jedem Forum findet sich Schwachsinn, auch auf einer Scheißhaustür. Ich wollte lediglich sagen: Es ist technisch einfacher, im Internet etwas abzusondern, als auf Papier etwas zu verbreiten. Mit Realitätsverlust vorzuwerfen ist billig. Hast Du irgendeine Ahnung von meinem Leben? Wozu. Du lebst von Deinen Floskeln.
    Deine Bemerkung zu den Schriftsteller-Zitaten ist typisch. Bei einer Rede kommt es darauf an, vor welchem Publikum sie gehalten wird, mit welchen Mitteln man Wirkung erzielt. Man müsste Porthmann zitieren. Der weiß was über Bratwürste und schlechten Lokaljournalismus – das ist eine Kunst. Allerweltsweisheiten. Respekt ist Dir fremd. Das hältst Du für Haltung. Wie kommst Du darauf, ich hielte Freie für Streikbrecher? Passt eben gut.
    Hättest Du nicht so viel Hass und dafür Charakter, hätten wir einen E-Mail-Dialog beginnen können. Womöglich wären wir gar nicht weit auseinander. Dir aber geht es ums Rechthaben, um Feindbilder (der „arrivierte“ Redakteur bei einer Regionalzeitung, was für ein dummes, provinzielles Geschwätz), es geht Dir um Klischees (Redakteur = Redakteur), im Grunde nur um Deinen großkotzigen Blog-Auftritt. Das ist Deine Bühne. Deine Realität ist die Realität. Mehr brauchst Du nicht. Du hast ja Dich.
    Mach’s gut
    joe

    • pro

      Guten Tag!

      Aha. Das Zeugs musste, so scheints, mal abgesondert werden.

      Gruß
      Hardy Prothmann

    • der hirsch

      Was aus meiner Sicht zunehmend das Problem von Herrn Prothmann ist und auch hier wieder deutlich wird: Er bläht seine guten und richtigen Punkte auf, bis mans nicht mehr lesen kann. Deshalb bin ich auch nur noch seltener Gast auf dem heddesheimblog (selber Hirschberger). Und nun schon wieder – manisch die immer selben (gleichwohl sicher nicht falschen) Thesen.

      Damit sägt der deutsche Journalist, der das anstehende Ende von Print vielleicht bislang am konsequentesten durchdacht hat, am Ast, auf dem er sitzt: am Interesse der Leser, die manches nicht mehr hören bzw. lesen können.

      • pro

        Guten Tag!

        Der eine nennt es „manisch“, der andere „konsequent“.

        Wieder einer erkennt ein „Problem“ beim Prothmann, ein anderer ein Problem, dass der „Prothmann“ benennt.

        Dem einen wirds zu viel, der andere kann gar nicht genug bekommen.

        Wieder einer schließt von sich auf andere – der andere schließt von anderen eventuell auf sich.

        Fest steht: Man kann es nie allen recht machen.

        Schönen Gruß
        Hardy Prothmann

        P.S. Das Interesse der anderen war gigantisch. Tut mir leid, dass ich Sie enttäuscht habe. Sie können mir aber gerne Ideen vorschlagen, was Sie besonders interessiert. Das nehme ich ernst.

        P.S.S. Mindestens jeder zweite Journalist weiß nicht, was „zg“ bedeutet. Darüber habe ich ungefähr drei bis vier Mal in den Lokalblogs berichtet. Sie wissen es vielleicht jetzt – viele „Normalbürger“ wissen es nicht, viele Kollegen auch nicht. Es braucht manchmal einen langen Atem 😉 – nicht nur für solche „Banalitäten“.

  • Müsste ich was absondern, bräuchte ich dazu nicht Deinen Blog. Oder rülpst und furzt es sich im Mannheimer Luftraum besser? Ich verstehe nicht, warum ein bisschen Lokaljournalismus – da ohnehin Scheiße – eine solche Wichtigkeit bei Dir einnimmt. Schlage vor, alles Weitere auf diesem Weg fortzusetzen: joe.bauer@gmx.net

    • pro

      Guten Tag!

      Keine Ahnung, ob Luther je in Mannheim war, würde er heute leben, würde er vielleicht ein Thesenpapier einem MM-Redakteur auf den Tisch knallen oder an den Arsch tackern – um in Deinem Sprachduktus zu bleiben.

      Lokaljournalismus ist alles, nur nicht Scheiße. Er ist wichtig. Der wichtigste auf der Welt. Deswegen nehme ich ihn wichtig.

      http://www.onlinejournalismus.de/2009/07/23/heddesheimblog-seinen-job-lieben-und-die-leser-ernst-nehmen/

      Habe Dir ein Angebot geschickt und freue mich drauf, falls Du es annimmst.

      Gruß
      Hardy

  • D. Weber

    Interessant, wie sich die Herren Journalisten gegenseitig vorwerfen „nichts verstanden“ zu haben. Wie soll da der Leser den aktuellen Tarifkonflikt, die Qualitätsfrage und das „Redakteure gegen Freie“ Spiel verstehen?

    • pro

      Guten Tag!

      Indem sich der Leser beide Positionen anschaut und sich seine Meinung bildet – es können auch Fragen gestellt werden 😉

      Gruß
      Hardy Prothmann

    • Streikblog0711

      Hier kann man vor allem was anderes sehen und verstehen.
      Wer sich für den Tarifkonflikt interessiert, bitte sehr: http://www.streikblog0711.wordpress.com