Sonntag, 24. September 2017

Wenn Ahnungslose über Ahnunglose berichten, nennt man das heutzutage „Thema des Tages“

Heddesheim/Frankfurt/Tokio, 17. März 2011. „Hui, ich bin Thema das Tages“, freut sich Daniel Bouhs, der für die Frankfurter Rundschau schreibt. Er freut sich, weil der DJV ihn lobt. Für einen Bericht über Berichterstatter, die über Berichte anderer Berichte erstatten, worüber Herr Bouhs bericht erstattet, was vom DJV bericht wird und dann „Hui, Thema des Tages“ sein soll.

Von Hardy Prothmann

Daniel Bouhs freut sich mal so richtig - endlich ist er auch mal Thema des Tages, wenn auch nur für den DJV.

Mit Robert Hetkämper hat sich Daniel Bouhs, der „Hui, ich bin Thema des Tages“-Journalist (und das für 84 Euro im Quartal, die sich „gelohnt“ haben) ungefähr den ahnungsfreisten Korrespondeten der ARD ausgesucht, der auch im Jahr 2011 mit der neuesten Trenchcoat-Mode aus dem Jahr 1976 live vor dem Puschel erklärt, warum Japaner Uniform tragen. (Siehe dazu Robert Hetkämper über „Rettermode“)

Unter der Überschrift „Raus aus der Gefahrenzone“ beschreibt Herr Bouhs vollständig kenntnisfrei, ganz „Hui“, wie es vor Ort in Japan für die Berichterstatter zugeht.

Der mopsbackige „Hui, ich bin Thema des Tages“-Journalist weiß, dass „Angelsächsische Journalisten freilich auch stets wesentlich waghalsiger als deutsche Reporter“ sind. Aha.

Und:

„Falls es erforderlich würde, wäre auch die Möglichkeit, das Land vorübergehend komplett zu verlassen, eine Handlungsoption“, hieß es in Hamburg. Wie aber wollen die Sender dann, bei einer Komplett-Abreise ihrer Leute, das deutsche Publikum fortlaufend informieren?“

Die Lösung liefert der „Hui“-Journalist gleich mit:

Es bleiben Möglichkeiten, sich über das zu informieren, was in Japan geschieht. Etwa beim japanischen Kanal NHK, der wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland ebenfalls mit Gebühren finanziert wird. NHK zeigt sein englisches Programm unter anderem auf nhk.or.jp sowie in dem kostenfreien Miniprogramm (App) „NHK World TV Live“ auf modernen Mobiltelefonen wie dem iPhone.

Der DJV, der übersetzt Deutscher Journalisten-Verband heißt, weil noch niemand den Antrag gestellt hat, ihn in Deutscher Presse- und PR-Sprecher Verband umzubenennen, meint:

„Nun muss man die Berichterstattung über Japan nicht mögen, aber die Einschaltquoten der öffentlich-rechtlichen Sender zeigen, dass die Zuschauer nach Informationen gieren. Und dieses Argument zählt mehr als nörgelnde Medienkritik.“

„Nörgelnde Medienkritik“? Aha, dieses Softschreibstück ist also aus Sicht des DJV „Kritik“.

Da bleibt nur die Erkenntnis: „Hui – Thema des Tages.“

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