Mittwoch, 16. August 2017

PR und Journalismus gehören nicht in einen Verband

Warum ich den Freischreibern gekündigt habe

Mannheim, 02. Mai 2017. (red) Ich bin seit ein paar Jahren Mitglied bei den „Freischreibern“ (kostet 120 Euro, dafür bekommt man den Presseausweis). Zunächst fand ich den noch jungen Verband freier Journalisten gut – bis ich feststellen musste, dass hier ganz wesentlich „PR“-Leute tätig sind, die mehr gelten als Journalisten. Damit ist es für mich aus mit den „Freischreibern“.

Von Hardy Prothmann

Am Wochenden hatten die Freischreiber Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen und so. Eigentlich wollte ich hin und meine Meinung geigen. Dann habe ich entschieden – nö, vergebliche Liebesmüh. Die Zeit kann ich mir sparen.

Warum? Ganz einfach. Ich denke, dass bei den Freischreibern in erheblichem Maße sogenannte „PR“-Journalisten aktive Mitglieder sind. „PR“-Journalist ist ein schreckliches Wort. Entweder macht man Public Relations (PR), also auftragsbezahlte, interessengeleitete Kommunikation oder unabhängigen Journalismus, aber beides zusammen geht nicht.

Das haben sich auch die Freischreiber in die Leitlinien geschrieben. Als ich gegenüber dem Vorstand Benno Stieber vor einiger Zeit anmahnte, dass ich nicht verstehe, wie die Regionalgruppe Rhein-Neckar von einer PR-Schreiberin organisiert werden könnte, erlebte ich mein blaues Wunder.

Der als freier Korrespondent für die taz tätige Stieber überzog mich unflätig und drohte mir Konsequenzen an – die PR-KOLLEGEN seien toll und ich ein Arschloch. Hat er so nicht geschrieben, aber übersetzt kam es so bei mir an. Wem die stieberische Solidarität galt, war eindeutig.

Hä? Geht es noch? Was ist Freischreiber nochmal? Ein Verein für PR-Huren oder einer für arme, hart kämpfende freie Journalisten. Sorry – PR-Huren ist nicht nett und auch nicht so gemeint. PR geht vollkommen ok. Jeder darf PR machen und sich als Lohnschreiber verkaufen und ich hab da nix dagegen.

Aber ich finde es widerlich, wenn sich Leute, die PR machen, als Journalisten bezeichnen. DENN DAS SIND SIE NICHT – SIE MACHEN PR. Und PR und Journalismus sind nicht dasselbe, auch, wenn Herr Stieber, Vorstand der Freischreiber, also einem Verband freier Journalisten, dass für sich so entschieden hat.

Ich war mal DJU-Mitglied (verdi) – da wimmelt es auch von PR-Leuten. Nicht nur deswegen, aber auch, bin ich da raus. Ich bin Journalist. Für PR gibt es genug eigene Verbände.

Warum reagiere ich so angeätzt? Weil diese ständige Vermischung dem Journalismus schadet. Deswegen kritisiere ich auch Reporter ohne Grenzen – die machen politische Aktivisten zu „Journalisten“. Siehe Türkei. Geht gar nicht und gefährdet und beschädigt ernsthafte Journalisten.

Was mich weiter stört an Freischreiber? Das Gepumpe ohne Ergebnisse – eines der wichtigste Bedürfnisse ist Rechtsschutz, weil kritische Journalisten immer öfter massiver verklagt werden. Da kommt der Verband seit Jahren nicht voran – warum auch? PR-Leute, die auftragsbezogen schön schreiben, haben diese sorgen nicht.

Freischreiber – es war eine gute Idee, die ist allerdings eingegangen. Auch wegen Leuten wie Benno Stieber, die lieber PR-Auftragsschreibern den Rücken stärken, als Journalisten. Möge er in der Hölle schmoren – vom Himmel ist er weit entfernt.

Ich hab nen anderen Verband gefunden, den ich sehr schätze. Mitgliedschaft kostet doppelt so viel. Aber da werde ich mich gut aufgehoben fühlen.

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.