Freitag, 28. April 2017

Warum dieredaktion.de eine blöde Idee ist

Heddesheim/Bonn, 08. März 2011. Die Deutsche Post AG will nun auch Journalismus verkaufen und hat dieredaktion.de gegründet. Ich will gar nicht wissen, wer sich das ausgedacht hat, und auch nicht, was das gekostet hat. Eins weiß ich sicher: Es wird nicht funktionieren.

Von Hardy Prothmann

Soweit im Impressum erkennbar, ist kein Journalist zuständig, dafür aber viele Vorstände der Post.

Was wissen die von Journalismus? Vermutlich wenig.

Ob sie viel von der Post verstehen, will ich gar nicht beurteilen.

Diese Überlegung ist sicher richtig: Wenn man auf einen Brief eine Marke klebt, macht man den Brief zur „Post“.

Klebt man aber auf einen beliegigen Text die „Marke“ Journalismus, macht man aus dem Text dann Journalismus?

Glaubt ihr ernsthaft, dass sich alte Texte einfach so für hunderte von Euros verkaufen lassen? Habt ihr mal nachgeschaut, für welche Hungerlöhne heute „Journalismus“ gemacht wird?

Glaubt ihr ernsthaft, dass gute Journalisten über solch eine „Börse“ ihre Texte wie Gebrauchtwaren verkaufen wollen?

Vielleicht denkt ihr bei „dieredaktion.de“ darüber nochmal nach.

Und vor allem solltet ihr sofort die Werbeagentur feuern, die diesen Spruch erdacht hat.

Warum? Guckt Euch einfach mal die Kombination der Bild-Text-Aussage und dann den Namen dazu an – peinlicher geht’s nimmer.

Übersetzt heißt „Bisher habe ich Jobs gesucht“ etwa soviel wie: „Bisher bin ich meine Texte nicht los geworden“. „Jetzt finden sie mich“, soviel wie – „Jetzt mache ich alles“ – sogar sinnlos grinsen.

Was ist das für ein Journalismus, der seine „Auftragnehmer“ findet? Richtig: PR. Und leider ist das keine gute „PR“ für den Journalismus.

Vielleicht ist es doch eine großartige Idee und ich bin blöd. Bis zum Beweis des Gegenteils halte ich dieredaktion.de für eine blöde Idee.

Dass Herr Hansel bislang Jobs gesucht hat, mag man ja noch glauben. Aber dass die Jobs jetzt ihn finden, darf man ruhig bezweifeln. Quelle: dieredaktion.de