Sonntag, 24. September 2017

Über echte und unechte Freunde und echtes und unechtes Verständnis von social networks

Guten Tag!

 

Vor kurzem wurde ich von einer geschätzen Kollegin darüber informiert, dass sie meine Facebook-Freundschaftsanfrage nicht bestätigen werde.

Aha.

In der email begründete die Kollegin das ungefähr so: „Ich pflege hier nicht alle Kontakte, die ich kenne. Nehmen Sie das nicht persönlich! Aber ich lege hier nur Kontakte an von Menschen, die ich öfter im richtigen Leben sehe.“

Ich habe mich artig für die Information bedankt.

Und sehr gewundert. Wer „soziale Netzwerke“ in dieser Form pflegt, hat ein eigentümliches Verständnis davon.

Ich habe mal durchgeguckt, wie viele meiner Kontakte unter dieses Kriterium fallen würden – rund zehn Prozent. Von den verbliebenen 90 Prozent müsste ich 20-30 gänzlich streichen, weil ich diese Menschen noch nie außerhalb von Facebook, wkw und so weiter getroffen habe.

Manche meiner Kontakte werde ich wahrscheinlich nie kennenlernen – sie sitzen irgendwo auf der Welt. Aber ich bin trotzdem daran interessiert, was sie in den socialen Netzwerken posten.

Beim einen mag ich den Musikgeschmack, andere liefern mir immer wieder interessante oder sogar wertvolle Hinweise auf Fundstellen im Internet. Andere sind einfach „funny“ und ich freue mich immer wieder über den speziellen Humor.

Wieder andere liefern mir Berufsinfos oder geben mir Einblick in andere Branchen und was so passiert vor Ort, auf der Welt, in einem Unternehmen in einem bestimmten „sozialen Netzwerk“.

Und natürlich gibt es die Freundesammler oder die „hippen“ Kontakte. Beispielsweise Sascha Lobo mit seinen tausenden Kontakten. Oder Stars und Sternchen. Da bin ich nur einer unter vielen für diese Personen unbekannten Freunden, die sich einfach über Aktivitäten oder Konzerte oder was auch immer informieren lassen.

Oder über den gemeinsamen „Geschmack“ mit anderen Leuten in Kontakt kommen, die man im „real life“ nie kennenlernen würde.

„Freundschaft“ ist da tatsächlich nur eine unechte Beschreibung der „Beziehung“.

Und wer Minderwertigkeitskomplexe hat, weil er „nur“ ein paar Dutzend oder ein paar hundert „Freunde“ hat, hat auch etwas falsch verstanden. Natürlich ist die Zahl der social network-Kontakte kein Maß- oder Messstab für den eigenen Wert.

Irgendwie kann ich der von mir geschätzen Kollegin in ihrem Verständnis nicht folgen, wie man soziale Netzwerke nutzt. Sie will keine „unechten“ Freunde haben – da hoffe ich mal, dass die echten Freunde oder alle solche sind.

Ich will nicht unendlich viele „Freunde“ haben, aber doch möglichst viele aus welchen Gründen auch immer für mich interessanten Kontakte. Und darunter sind auch „echte Freunde“.

Die Kollegin darf natürlich die sozialen Netzwerke verstehen, wie sie will – ob sie diese damit aber optimal nutzt, bezweifle ich doch sehr.

 

 

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  • Harry Ille

    Naja, man kann ja auch mehrere SNs zu unterschiedlichen Zwecken mit unterschiedlichen „Kontaktgruppen“ nutzen – womit man dann Deine Vorstellung und die Deiner Kollegin wunderbar unter einen gemeinsamen, wenngleich etwas buntscheckigen Hut bringen könnte. Das ist ja das Tolle am „Netz-Werk“ (blöder Begriff btw), dass diverse individuelle Teil-Netze zusammen ein großes Ganzes bilden. Aber bevor dieser comment allzu banal wird, muss ich noch schnell ein paar Kontakte aus der untergehenden GoogleWave retten…