Montag, 01. Mai 2017

Tu prends mon bled comme Etiquette – lass mein Kaff in Ruhe

„Du nimmst mein Dorf als Etiquett“ singen junge ElsĂ€sser in ihrem Rap gegen den Vertreter der Front national (FN).

Die jungen Franzosen stemmen sich damit gegen eine starke rechtsradikale Front im Elsass und sorgen so fĂŒr eine hohe Aufmerksamkeit in Frankreich und im Elsass.

In Deutschland haben bislang Spiegel online und das ARD-Hörfunkstudio Straßburg das Thema aufgenommen. (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,682652,00.html)

Benjamin Ludwig (26) und seine Freunde wehren sich dagegen, dass der FN-Spitzenkandidat Patrick Binder mit einem Foto des beschaulichen Winzerörtchens Ammerwihr durchs Land fĂ€hrt und Wahlkampf fĂŒr sich und seine rechte Partei macht.

„Bled“ heißt Kaff, aber auch „Hinterland“ – in Afrika. Der Song des „collectif 6.8.7.7.0“ (Postleitzahl von Ammerwihr) ist gespickt mit doppeldeutigen Anspielungen, hat aber eine klare Botschaft: „Patrick, hau ab.“

Der Protest dreht die aggressive Polemik Binders gegen ihn selbst:

„DĂ€rfschd ned so dumm redde,
S’Elsass brucht di ned,
Gasch‘ verschwinda,
Loss min’s Dorf in RĂŒh’ei,
Mer sinn scho frei,
Arab, och mini BrĂŒ’a, doch,
Steh uff, S’isch Kri’ei,
Ich nÀhm grads Mikro,
S’isch mini Waffa,
Un ich sing a so,
Bli jetzt stilla
I hab bald d’Nas voll,

I mĂŒast kotza,“

singt ein blonder Aktivist mit „Arafat“-Schal auf dem Kopf auf elsĂ€sser Platt.

Ich kenne einige der Macher – alles nette, politisch interessierte junge Leute, die echte „Patrioten“ sind. Sie lieben ihre Heimat, aber auch ihre Partner. Unter den Partnern sind „SchwarzfĂŒĂŸe“, so nennt man in Frankreich die, die einen afrikanischen Migrationshintergrund haben. Andere sind Deutsche.

Viele der jungen ElsĂ€sser besinnen sich mehr und mehr auf ihre „Wurzeln“, reden wieder mehr „Platt“ (alemanischer Sprachraum) und nehmen den Rechten die Parolen weg: Sie setzen ganz auf die Region und die Liebe zur Heimat – was sie weglassen, ist der Hass und die Diffamierung des „Fremden“.

Ein guter Weg, um Rechtspopulisten die „Argumente“ wegzunehmen.

Das Video ist mittlerweile ĂŒber 130.000 190.000 Mal abgerufen worden.

Mal abgesehen vom politischen Inhalt ist den Machern sogar ein gutes Lied und ein klasse Video gelungen.