Freitag, 28. April 2017

Paranoia, myheimat und was der DJV damit zu tun hat

Guten Tag!

„Dass Du nicht paranoid bist, hei√üt nicht, dass sie nicht trotzdem hinter Dir her sind“, hat mir ein Kollege mal gesagt. Vielleicht habe ich mir das auch falsch gemerkt und mein lieber Kollege hat das Original zitiert:-¬†‚ÄěJust because you-‚ā¨‚ĄĘre paranoid doesn-‚ā¨‚ĄĘt mean they-‚ā¨‚ĄĘre not after you‚Äú (Nur weil du paranoid bist, hei√üt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind, Henry Kissinger).

Wie auch immer – es kommt aufs Gleiche raus.

Ist der Prothmann paranoid?

Sie fragen sich jetzt: Was meint der Prothmann?

Durch reinen Zufall bin ich auf einen blog-Kommentar von Christoph von Gallera gesto√üen, der bei „Kennzeichen Digital“ (http://blog.zdf.de/zdfdasblog/2010/04/blog-mischt-nrw-wahlkampf-auf.html ) schreibt:

es w√§re vielleicht ein eigenes reportagethema wert, √ľber journalistische blogs als die neue informationsform des jetzt zehn jahre alten 21.jahrhunderts zu berichten. der demn√§chst am 15. mai auf dem zdf-gel√§nde stattfindende s√ľddeutsche journalistentag w√§re sicherlich eine gute gelegenheit, die entsprechende kontakte herzustellen.“

Ich denke: Moment. S√ľddeutscher Journalistentag? Da war doch was.

Genau. Konsequente Leser meines kleinen Privatblogs erinnern sich: Die bayerische Sektion des Deutschen Journalistenverbands hatte mich dazu herzlich eingeladen.

Heute ist dieser Tag (den ich l√§ngst vergessen hatte), an dem sich viele Journalisten im ZDF treffen, das sich gerade r√ľhmlich inkompetent bei der NRW-Wahlberichterstattung zeigte – geschenkt, shit happens, sogar in einem Sender der von Nikolaus Brender √ľber die vergangenen Jahre gepr√§gt wurde. Der sagte dem Mediummagazin mal: „Unabh√§ngigkeit muss man sich antrainieren“ – kurz darauf war er seinen Job los.

Was Brender und ich gemein haben?

Wir kennen uns.

Er wurde seinen Job los und ich bin ausgeladen worden – ok, der Vergleich hinkt, aber paranoid betrachtet, wird ein Schuh draus.

Meinung: Sagen, haben oder vollstrecken.

Denn der Brender gilt als jemand, der seine Meinung sagt.

Das Recht nehmen ich mir auch raus.

Deswegen habe ich einen Text geschrieben (Das Drama der journalistischen Prostitution)-¬†und kurz darauf wurde ich vom S√ľddeutschen Journalistentag ausgeladen (Fanpost).

Der bayerische DJV-Chef Dr. Wolfgang Stöckel meinte, ich wolle mir das Recht der freien Meinungsäußerung unterordnen, betriebe aber nur Schmähkritik.

Das hat mich – ehrlich gesagt, nicht verletzt, weil die Begr√ľndung dazu, zu meinem Bild des DJV passt:

Der DJV musste n√§mlich darauf „hingewiesen“ werden, was ich f√ľr ein schlimmer Finger bin. Und die Entscheidung war konsequent: Keine R√ľckfrage, keine Recherche, keine √úberpr√ľfung, keine eigene Meinung – ich wurde ausgeladen.

Verbunden mit einer moralischen Standpauke, die vermeintlich zutiefst religi√∂s, vielleicht sogar katholisch und vielleicht sogar bayerisch gepr√§gt ist: „Angesichts meiner Ausf√§lle halte man es f√ľr geboten…“

„Angesichts“? Den St√∂ckel und seinen Dr. habe ich noch nie gesehen und „Gebote“, oh je.

Zugegeben, mit dem Kommentar √ľber journalistische Prostitution wanderte ich durch ein dunkles Tal. Kein Gott war bei mir und ich habe m√§chtig Pr√ľgel bezogen.

Zur Sache.

Sie fragen sich immer noch: Was meint der Prothmann?

Dann m√ľssen Sie weiterlesen.

Eine Woche nach der „Ausladung“ vom heiligen Gral der s√ľddeutschen Moralw√§chter ging mir eine Unterlassungserkl√§rung durch das angebliche Opfer meiner angeblichen Schm√§hkritik zu. Und irgendwie argumentierte der Anwalt Braun so wie der DJV-Gralsh√ľter St√∂ckel, also „Schm√§hkritik“, Verunglimpfung einer Person usw.

Zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht paranoid genug, um zwischen M√ľnchen, wo Herr St√∂ckel residiert und Anwalt Braun (der DJV-Volos ab und an in Seminaren was √ľber Presserecht vordoziert), irgendwo im Sauerland, wenn ich mich recht erinnere, einen „Link“ zu bilden.

Der kam mir dann durch die Lekt√ľre des Kommentars von Gallera und dem nochmaligen Blick ins Programmheft.

Forum Lokal – journalismusfrei.

Das Podium, auf das ich erst herzlich eingeladen und voll des Ekels wieder ausgeladen wurde, besetzen jetzt nur noch Michael Wagner, der geniale junge Mann, der Fu√üball-Passau (Fupa) erfunden hat und Dr. Martin Huber. Der hatte die geniale Idee, kostenlos „Inhalte abzusch√∂pfen“, um damit Geld zu verdienen.

Wie passen die ins Spiel?

Ganz einfach. Herr Wagner und ich kennen uns aus einem Telefonat und ein paar emails – sympathischer Typ. Tolle Leistung – ich w√ľnsche ihm alles Gute mit seinem Projekt.

Den Herrn Dr. Huber kenne ich nicht, aber der hat auch ein Projekt erfunden: myheimat.de.

myHeimat = myIncome.

Und der wird 2008 (http://www.taz.de/1/netz/artikel/1/wwwheile-weltde/ ) in der taz zitiert:

Auf die Frage, warum myheimat kritische Berichterstattung nicht f√∂rdert, antwortet Huber: „Das liest niemand.“ Zu einem sp√§teren Zeitpunkt, wenn das Projekt gereift sei, k√∂nne er sich jedoch vorstellen, dass durch die Moderatoren „Themenimpulse“ in die Community gegeben w√ľrden, die dann auch kritische Inhalte nach sich z√∂gen.“

Wenn Sie noch ein wenig weiterlesen, kommen Sie in den Genuss meiner Paranoia.

Einen Monat vor meinem schlimmen Text √ľber journalistische Prostitution, habe ich ebenfalls meine (kritische) Meinung ge√§u√üert (die niemand liest). In einem Interview, das Marian Semm mit mir gef√ľhrt hat (http://www.marian-semm.de/2010/01/die-meisten-verlage-haben-vergessen-wo-sie-… ). Darin hei√üt es:

Marian Semm:- Was halten Sie von Mitmachportalen wie- myheimat?

Hardy Prothmann:–¬†Nichts. Das ist doch unanst√§ndig, einerseits wettern die Verlage gegen Google, andererseits sammeln sie hier kostenlos Content ein und entbinden sich der journalistischer Sorgfaltspflicht. Damit schaden sie der eigenen Produktgattung. Das ist die alte Denke ‚Äúwie bekomme ich etwas gedruckt-‚ā¨¬Ě. Das mag eine Zeit funktionieren, weil die Menschen erstmal neugierig drauf gucken, aber das nutzt sich schnell ab.

Da war sie also einen Monat zuvor schon da, die „Unanst√§ndigkeit“. Meine Unanst√§ndigkeit, weil ich „renommierten“ Verlagen, wie Madsack und anderen, die kostenlos Inhalte von „B√ľrgerreportern“ heben und die daraus erwirtschafteten Erl√∂se in die eigene Tasche stecken, einfach mal so nebenbei angeprangert habe.

Eine „unbedachte“ Bemerkung, die Folgen haben sollte?

Marian Semm hat auch Michael Wagner interviewt, der von sich √ľberzeugend sagt, dass er kein Journalist sei, sondern Fu√üballfreund. (http://www.marian-semm.de/2010/03/das-kommerzielle-denken-geht-mir-ab-ueber-d… )

Nat√ľrlich ist Herr Wagner Journalist durch das, was er macht – ob er das so sieht oder nicht – und sympathisch, weil er sich nichts drauf einbildet.

Anders als andere. Beispielsweise Funktionäre aus Bayern.

Die gehen nie wie Herr Wagner auf den Sportplatz, sondern warten auf zugeschickte Spielberichte, die sie 1:1 abbilden. Zg – zugeschickt – samt Analyse, Kommentar und Meinung.

Wie eklig ist das denn?

Beim „Forum Lokal“ zum S√ľddeutschen Journalistentag-¬†werden also ein-¬†bekennender Nicht-Journalist und ein bekennender „Das (kritische Berichte) liest niemand“ √ľber lokalen Journalismus sprechen.

Der Nicht-Journalist macht ein eher nicht-kommerzielles Projekt, der andere ein extrem-kommerzielles.

Ganz ehrlich – wer da nicht paranoid wird, muss irgendwas anderes an der Waffel haben.

Was der Prothmann letztlich meint?

Alles Zufall?

Das sind schon sehr viele komische Zufälle und Verbindungen, die hier irgendwie zusammenkommen.

Ehrlich gesagt, kapier ist das auch nicht richtig, aber irgendwie habe ich das Gef√ľhl, dass myheimat, Herr Dr. St√∂ckel, Herr Braun, Frau G√∂rlitz, der Mannheimer Morgen, der DJV, Madsack und andere Zeitungen irgendwie zusammenh√§ngen k√∂nnten und irgendwie hinter mir her sein k√∂nnten.

Mich kann jeder f√ľr paranoid halten – na und? Das hei√üt nicht, dass sie nicht hinter mir her sind.

Ich bin auf jeden Fall hinter ihnen her.

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