Montag, 22. Oktober 2018

Paranoia, myheimat und was der DJV damit zu tun hat

Guten Tag!

„Dass Du nicht paranoid bist, heiĂźt nicht, dass sie nicht trotzdem hinter Dir her sind“, hat mir ein Kollege mal gesagt. Vielleicht habe ich mir das auch falsch gemerkt und mein lieber Kollege hat das Original zitiert:- „Just because you-€™re paranoid doesn-€™t mean they-€™re not after you“ (Nur weil du paranoid bist, heiĂźt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind, Henry Kissinger).

Wie auch immer – es kommt aufs Gleiche raus.

Ist der Prothmann paranoid?

Sie fragen sich jetzt: Was meint der Prothmann?

Durch reinen Zufall bin ich auf einen blog-Kommentar von Christoph von Gallera gestoĂźen, der bei „Kennzeichen Digital“ (http://blog.zdf.de/zdfdasblog/2010/04/blog-mischt-nrw-wahlkampf-auf.html ) schreibt:

es wäre vielleicht ein eigenes reportagethema wert, ĂĽber journalistische blogs als die neue informationsform des jetzt zehn jahre alten 21.jahrhunderts zu berichten. der demnächst am 15. mai auf dem zdf-gelände stattfindende sĂĽddeutsche journalistentag wäre sicherlich eine gute gelegenheit, die entsprechende kontakte herzustellen.“

Ich denke: Moment. SĂĽddeutscher Journalistentag? Da war doch was.

Genau. Konsequente Leser meines kleinen Privatblogs erinnern sich: Die bayerische Sektion des Deutschen Journalistenverbands hatte mich dazu herzlich eingeladen.

Heute ist dieser Tag (den ich längst vergessen hatte), an dem sich viele Journalisten im ZDF treffen, das sich gerade rĂĽhmlich inkompetent bei der NRW-Wahlberichterstattung zeigte – geschenkt, shit happens, sogar in einem Sender der von Nikolaus Brender ĂĽber die vergangenen Jahre geprägt wurde. Der sagte dem Mediummagazin mal: „Unabhängigkeit muss man sich antrainieren“ – kurz darauf war er seinen Job los.

Was Brender und ich gemein haben?

Wir kennen uns.

Er wurde seinen Job los und ich bin ausgeladen worden – ok, der Vergleich hinkt, aber paranoid betrachtet, wird ein Schuh draus.

Meinung: Sagen, haben oder vollstrecken.

Denn der Brender gilt als jemand, der seine Meinung sagt.

Das Recht nehmen ich mir auch raus.

Deswegen habe ich einen Text geschrieben (Das Drama der journalistischen Prostitution)- und kurz darauf wurde ich vom Süddeutschen Journalistentag ausgeladen (Fanpost).

Der bayerische DJV-Chef Dr. Wolfgang Stöckel meinte, ich wolle mir das Recht der freien Meinungsäußerung unterordnen, betriebe aber nur Schmähkritik.

Das hat mich – ehrlich gesagt, nicht verletzt, weil die BegrĂĽndung dazu, zu meinem Bild des DJV passt:

Der DJV musste nämlich darauf „hingewiesen“ werden, was ich fĂĽr ein schlimmer Finger bin. Und die Entscheidung war konsequent: Keine RĂĽckfrage, keine Recherche, keine ĂśberprĂĽfung, keine eigene Meinung – ich wurde ausgeladen.

Verbunden mit einer moralischen Standpauke, die vermeintlich zutiefst religiös, vielleicht sogar katholisch und vielleicht sogar bayerisch geprägt ist: „Angesichts meiner Ausfälle halte man es fĂĽr geboten…“

„Angesichts“? Den Stöckel und seinen Dr. habe ich noch nie gesehen und „Gebote“, oh je.

Zugegeben, mit dem Kommentar über journalistische Prostitution wanderte ich durch ein dunkles Tal. Kein Gott war bei mir und ich habe mächtig Prügel bezogen.

Zur Sache.

Sie fragen sich immer noch: Was meint der Prothmann?

Dann mĂĽssen Sie weiterlesen.

Eine Woche nach der „Ausladung“ vom heiligen Gral der sĂĽddeutschen Moralwächter ging mir eine Unterlassungserklärung durch das angebliche Opfer meiner angeblichen Schmähkritik zu. Und irgendwie argumentierte der Anwalt Braun so wie der DJV-GralshĂĽter Stöckel, also „Schmähkritik“, Verunglimpfung einer Person usw.

Zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht paranoid genug, um zwischen MĂĽnchen, wo Herr Stöckel residiert und Anwalt Braun (der DJV-Volos ab und an in Seminaren was ĂĽber Presserecht vordoziert), irgendwo im Sauerland, wenn ich mich recht erinnere, einen „Link“ zu bilden.

Der kam mir dann durch die LektĂĽre des Kommentars von Gallera und dem nochmaligen Blick ins Programmheft.

Forum Lokal – journalismusfrei.

Das Podium, auf das ich erst herzlich eingeladen und voll des Ekels wieder ausgeladen wurde, besetzen jetzt nur noch Michael Wagner, der geniale junge Mann, der FuĂźball-Passau (Fupa) erfunden hat und Dr. Martin Huber. Der hatte die geniale Idee, kostenlos „Inhalte abzuschöpfen“, um damit Geld zu verdienen.

Wie passen die ins Spiel?

Ganz einfach. Herr Wagner und ich kennen uns aus einem Telefonat und ein paar emails – sympathischer Typ. Tolle Leistung – ich wĂĽnsche ihm alles Gute mit seinem Projekt.

Den Herrn Dr. Huber kenne ich nicht, aber der hat auch ein Projekt erfunden: myheimat.de.

myHeimat = myIncome.

Und der wird 2008 (http://www.taz.de/1/netz/artikel/1/wwwheile-weltde/ ) in der taz zitiert:

Auf die Frage, warum myheimat kritische Berichterstattung nicht fördert, antwortet Huber: „Das liest niemand.“ Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn das Projekt gereift sei, könne er sich jedoch vorstellen, dass durch die Moderatoren „Themenimpulse“ in die Community gegeben wĂĽrden, die dann auch kritische Inhalte nach sich zögen.“

Wenn Sie noch ein wenig weiterlesen, kommen Sie in den Genuss meiner Paranoia.

Einen Monat vor meinem schlimmen Text ĂĽber journalistische Prostitution, habe ich ebenfalls meine (kritische) Meinung geäuĂźert (die niemand liest). In einem Interview, das Marian Semm mit mir gefĂĽhrt hat (http://www.marian-semm.de/2010/01/die-meisten-verlage-haben-vergessen-wo-sie-… ). Darin heiĂźt es:

Marian Semm:- Was halten Sie von Mitmachportalen wie- myheimat?

Hardy Prothmann:– Nichts. Das ist doch unanständig, einerseits wettern die Verlage gegen Google, andererseits sammeln sie hier kostenlos Content ein und entbinden sich der journalistischer Sorgfaltspflicht. Damit schaden sie der eigenen Produktgattung. Das ist die alte Denke “wie bekomme ich etwas gedruckt-€. Das mag eine Zeit funktionieren, weil die Menschen erstmal neugierig drauf gucken, aber das nutzt sich schnell ab.

Da war sie also einen Monat zuvor schon da, die „Unanständigkeit“. Meine Unanständigkeit, weil ich „renommierten“ Verlagen, wie Madsack und anderen, die kostenlos Inhalte von „BĂĽrgerreportern“ heben und die daraus erwirtschafteten Erlöse in die eigene Tasche stecken, einfach mal so nebenbei angeprangert habe.

Eine „unbedachte“ Bemerkung, die Folgen haben sollte?

Marian Semm hat auch Michael Wagner interviewt, der von sich ĂĽberzeugend sagt, dass er kein Journalist sei, sondern FuĂźballfreund. (http://www.marian-semm.de/2010/03/das-kommerzielle-denken-geht-mir-ab-ueber-d… )

NatĂĽrlich ist Herr Wagner Journalist durch das, was er macht – ob er das so sieht oder nicht – und sympathisch, weil er sich nichts drauf einbildet.

Anders als andere. Beispielsweise Funktionäre aus Bayern.

Die gehen nie wie Herr Wagner auf den Sportplatz, sondern warten auf zugeschickte Spielberichte, die sie 1:1 abbilden. Zg – zugeschickt – samt Analyse, Kommentar und Meinung.

Wie eklig ist das denn?

Beim „Forum Lokal“ zum SĂĽddeutschen Journalistentag- werden also ein- bekennender Nicht-Journalist und ein bekennender „Das (kritische Berichte) liest niemand“ ĂĽber lokalen Journalismus sprechen.

Der Nicht-Journalist macht ein eher nicht-kommerzielles Projekt, der andere ein extrem-kommerzielles.

Ganz ehrlich – wer da nicht paranoid wird, muss irgendwas anderes an der Waffel haben.

Was der Prothmann letztlich meint?

Alles Zufall?

Das sind schon sehr viele komische Zufälle und Verbindungen, die hier irgendwie zusammenkommen.

Ehrlich gesagt, kapier ist das auch nicht richtig, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass myheimat, Herr Dr. Stöckel, Herr Braun, Frau Görlitz, der Mannheimer Morgen, der DJV, Madsack und andere Zeitungen irgendwie zusammenhängen könnten und irgendwie hinter mir her sein könnten.

Mich kann jeder fĂĽr paranoid halten – na und? Das heiĂźt nicht, dass sie nicht hinter mir her sind.

Ich bin auf jeden Fall hinter ihnen her.

🙂

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