Montag, 01. Mai 2017

Wenn Journalisten offensiv den Pressekodex benennen

Neueste Dimension der Empörung

Mannheim/Berlin, 09. Januar 2016. Wir machen alle Fehler. Doof ist das nur bei Texten, die auf Fehler anderer hinweisen und „Kritik“ üben wollen.

dimension der empörung taz

In seinem Text empört sich der taz-Journalist Daniel Bax über rechte Hetzer, die Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer, Ex-Familienministerin Kristina Schröder (CDU). Politisch korrekt eben. Und er bemüht den Pressekodex:

Im Pressekodex, den sich die im Deutschen Presserat zusammen geschlossenen Medien einmal freiwillig und aus gutem Grund auferlegt haben, heißt es dazu, die Nennung der Religion oder Herkunft der Täter sei nur dann erwähnenswert, wenn es einen unmittelbaren Zusammenhang mit der Tat gebe. Zu beachten sei, „dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte“.

Im Pressekodex heißt es auch:

Die Berichterstattung über Ermittlungsverfahren, Strafverfahren und sonstige förmliche Verfahren muss frei von Vorurteilen erfolgen. Der Grundsatz der Unschuldsvermutung gilt auch für die Presse.

Und jetzt lesen wir noch einmal gemeinsam den Satz oben aus dem Teaser:

In Berichten über die sexuellen Übergriffe während der Silvesternacht in Köln wird die Herkunft der Straftäter offensiv benannt.

Herr Bax kennt also sowohl die Herkunft und weiß bereits, dass die mutmaßlichen Tatverdächtigen auch die Straftäter sind.

Sauber.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.