Sonntag, 24. September 2017

Nachrichten aus der Provinz – Briefwechsel mit Herrn Binding

Guten Tag!

Ob sich „Nachrichten aus der Provinz“ als Reihe etablieren lässt, weiß ich noch nicht genau.

Heute starte ich aber die erste Folge.

Die beginnt mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Lothar Binding.

Der hat mir eine nette und vernünftige email geschrieben.

Als Antwort auf eine email, die ich ihm geschrieben habe:

Guten Tag Herr Binding!

anbei finden Sie einen Bericht über den OV AWO-Heddesheim, der Sie sicherlich interessiert, da Sie ja im Kreisvorstand sind.
Wir wollten das 1. Mal über die Arbeit der AWO berichten – wurden aber des Ortes verwiesen.

http://heddesheimblog.de/2010/04/10/awo-will-nicht-jeden/

Beste Grüße
Hardy Prothmann
Redaktion heddesheimblog

Herr Binding ist daran interessiert, sich ein „Gesamtbild“ zu verschaffen.

Ich habe Herrn Binding geantwortet:

(Übrigens kann ich nichts für die nachstehende Formatierung – das hat posterous gemacht – ich wollte ein blockquote… und habe jetzt keine Lust, mich damit zu beschäftigen.)

Sehr geehrter Herr Binding,

besten Dank für Ihre Antwort – ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet.

Wenn Sie gerne beide Seiten hören möchten, um sich ein zutreffendes Bild zu machen, können Sie mich gerne anrufen.

Für Ihren Hintergrund, den Sie kennen sollten, wenn Sie den Zusammenhang verstehen möchten, muss ich leider etwas ausholen.

Vor einem Jahr habe ich das heddesheimblog.de gegründet. Die Geschäftsidee ist entstanden, als ich (private) Recherchen zur geplanten Ansiedlung des Logistikers „Pfenning“ im Internet veröffentlicht habe und das sehr viel Zuspruch fand.

Lokaljournalismus im Internet, aktuell, multimedial, meinungsfreudig und vernetzt ist das, was ich hier anbiete. Im Dezember folgte das hirschbergblog und im Februar 2010 das ladenburgblog. Weitere Gemeinden werden folgen.

Im Dezember wurde ich von der Fachzeitschrift Mediummagazin unter die TOP 100 Journalisten in Deutschland auf Platz 3 in der Kategorie Lokales gewählt. epd medien, sueddeutsche.de, der Bayr. Rundfunk und viele andere Medien haben über mich und mein Projekt berichtet.

Die unabhängige Berichterstattung auf meinen blogs, die investigativen Recherchen und Faktenchecks zu Pfenning und anderen Themen haben mir viele Kritiker eingebracht. Ich wurde mehrfach körperlich angegangen, im September 2009 legte irgendjemand ein Nagelbrett vor den Reifen eines meiner Fahrzeuge – mein Frau fuhr das Auto. Der Staatsanwalt ermittelte.

Mittlerweile greifen aber auch täglich im Schnitt über 3.000 Besucher auf das heddesheimblog zu – in Heddesheim sind wir längst das Leitmedium. Der Ort redet darüber, was bei uns steht.
Darüber hinaus wird meine Arbeit bundesweit von Kollegen verfolgt, die darin die „Zukunft des Lokaljournalismus“ sehen.

Sechs Wochen nach dem Start des heddesheimblogs wurde ich in Heddesheim zum Gemeinderat auf der Liste der FDP gewählt: Parteilos, Platz 11, fünf Jahre in Heddesheim, Büro in Mannheim, nirgendwo Vereinsmitglied. Wenn man mit diesen Voraussetzungen antritt, sind 200 Stimmen ein gutes Ergebnis. Ich habe die Liste mit 1.500 Stimmen gewonnen, 20 Prozent mehr als der örtliche FDP-Chef Hasselbring. Nach kurzen Fraktionsgesprächen habe ich diese verlassen und nehme nun ein freies Mandat wahr.

Ob das blog an diesem Wahlerfolg beteiligt war, kann ich nur vermuten.

Kritiker bemängeln, ich könne nicht beides sein, Gemeinderat und Journalist. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass ich sehr wohl über alles berichten kann, was öffentlich ist.

Im Gegenteil ist das Ehrenamt als Gemeinderat sogar hinderlich für die journalistische Arbeit. Alles, was ich nicht-öffentlich weiß, kann ich nicht verwenden. Als Journalist könnte ich nicht-öffentliche, aber recherchierte Informationen verwenden.

Für den Bürgermeister Michael Kessler ist meine Arbeit ein rotes Tuch, weil er keine journalistische Kritik gewohnt ist. Dasselbe gilt für die Mehrheit im Gemeinderat (12:9, zwei sind befangen).

Die erste Partei, über die ich kritisch berichtet habe, waren die Grünen, weil diese ganz ungrün dem Pfenning-Projekt zugestimmt haben. Heute sind wir wieder im Gespräch. Die Grünen haben im Zuge der Pfenning-Auseinandersetzung übrigens drei Sitze oder 100 Prozent gewonnen, die SPD einen verloren, die CDU zwei, die FDP einen.

Ein Wort zu „Pfenning“: Der Ansiedlungswunsch ist nachvollziehbar und legitim. Meine Position als Journalist ist: Ich informiere die Öffentlichkeit, was im Zuge der geplanten Ansiedlung passiert, wer Pfenning ist, wer sich wie verhält. Ich bin kein Aktivist, nicht Mitglied der örtlichen IG neinzupfenning. Ich bin Mitglied in zwei Vereinen: Presseclub Frankfurt und netzwerk recherche (Gründungsmitglied).

Bis heute lehnen die SPD, CDU, FDP in Heddesheim jeglichen Kontakt mit der Redaktion ab – trotz mehrmaliger mündlicher Aufforderung und Anfragen per email.

Über die AWO Hauptversammlung wollte ich wie über jede Vereinssitzung berichten. Berichte, Kasse, Wahl, was halt so anfällt bei einer solchen Sitzung. Die Arbeit von gemeinnützigen Vereinen finde ich wichtig und nützlich, ich schreibe aber auch auf, wenn die Vereine Mitglieder verlieren und stelle Fragen, was das mit der Vereinsleitung zu tun haben könnte. Die AWO Heddesheim hat sehr viele Mitglieder verloren in den vergangenen Jahren. Wenn etwas positiv verlaufen ist, schreibe ich das auch so auf.

Da ich über die AWO-Heddesheim zuvor noch nicht direkt berichtet habe, also auch kein „Negativerlebnis“ als Argument in den Raum geführt werden kann, war ich doch sehr erstaunt ob des Verhaltens von Herrn Schwarz.

Da ich mich für Transparenz einsetze, habe ich entsprechend und zutreffend berichtet.

Am Donnerstag verkündete Bürgermeister Kessler, dass die AWO vier Rollstühle an die Gemeinde gespendet hat und er selbst vor einigen Tagen Mitglied beim Ortsverein Heddesheim geworden sei.

Absurd? Nein, es ist, wie es ist.

Ich werde also weiter in der Sache berichten – über ein provinzielles Netzwerk aus verbohrten Sturköppen, die die Welt nicht mehr verstehen, weil Fragen gestellt und Meinungen geäußert werden. Solange die AWO, die SPD und andere sich verhalten, wie sie es tun, werde ich darüber berichten. Wenn sie sich anders verhalten, dann darüber.

Um gleich vorweg Klarheit zu schaffen: Ich bin nicht bereit, mich mit Herrn Schwarz in irgendeiner Form auszusprechen. Dafür ist mir die Zeit zu schade. Herr Schwarz kann allerdings in Zukunft unsere Redaktion auf AWO-Termine einladen und uns ordentlich informieren, Antworten auf Fragen geben und sich darauf verlassen, dass wir ordentlich berichten.

Umgekehrt berichten wir auch weiter über pressefeindliches und undemokratisches Verhalten.

Das ist ein Angebot an die AWO-Heddesheim. Dort liegt die Entscheidung.

In der AWO-Sache habe ich übrigens noch Christel Gerold, Manfred Weisskopf und die Pressestelle des Bundesverbands mit wortgleicher email an Sie angeschrieben.

Sie haben als einziger geantwortet.

Beste Grüße

Ihr Hardy Prothmann

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Jetzt warte ich auf die Antwort von Herrn Binding.
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