Mittwoch, 22. August 2018

Nachrichten aus der Provinz – Briefwechsel mit Herrn Binding

Guten Tag!

Ob sich „Nachrichten aus der Provinz“ als Reihe etablieren l├Ąsst, wei├č ich noch nicht genau.

Heute starte ich aber die erste Folge.

Die beginnt mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Lothar Binding.

Der hat mir eine nette und vern├╝nftige email geschrieben.

Als Antwort auf eine email, die ich ihm geschrieben habe:

Guten Tag Herr Binding!

anbei finden Sie einen Bericht ├╝ber den OV AWO-Heddesheim, der Sie sicherlich interessiert, da Sie ja im Kreisvorstand sind.
Wir wollten das 1. Mal ├╝ber die Arbeit der AWO berichten – wurden aber des Ortes verwiesen.

http://heddesheimblog.de/2010/04/10/awo-will-nicht-jeden/

Beste Gr├╝├če
Hardy Prothmann
Redaktion heddesheimblog

Herr Binding ist daran interessiert, sich ein „Gesamtbild“ zu verschaffen.

Ich habe Herrn Binding geantwortet:

(├ťbrigens kann ich nichts f├╝r die nachstehende Formatierung – das hat posterous gemacht – ich wollte ein blockquote… und habe jetzt keine Lust, mich damit zu besch├Ąftigen.)

Sehr geehrter Herr Binding,

besten Dank f├╝r Ihre Antwort – ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet.

Wenn Sie gerne beide Seiten h├Âren m├Âchten, um sich ein zutreffendes Bild zu machen, k├Ânnen Sie mich gerne anrufen.

F├╝r Ihren Hintergrund, den Sie kennen sollten, wenn Sie den Zusammenhang verstehen m├Âchten, muss ich leider etwas ausholen.

Vor einem Jahr habe ich das heddesheimblog.de gegr├╝ndet. Die Gesch├Ąftsidee ist entstanden, als ich (private) Recherchen zur geplanten Ansiedlung des Logistikers „Pfenning“ im Internet ver├Âffentlicht habe und das sehr viel Zuspruch fand.

Lokaljournalismus im Internet, aktuell, multimedial, meinungsfreudig und vernetzt ist das, was ich hier anbiete. Im Dezember folgte das hirschbergblog und im Februar 2010 das ladenburgblog. Weitere Gemeinden werden folgen.

Im Dezember wurde ich von der Fachzeitschrift Mediummagazin unter die TOP 100 Journalisten in Deutschland auf Platz 3 in der Kategorie Lokales gew├Ąhlt. epd medien, sueddeutsche.de, der Bayr. Rundfunk und viele andere Medien haben ├╝ber mich und mein Projekt berichtet.

Die unabh├Ąngige Berichterstattung auf meinen blogs, die investigativen Recherchen und Faktenchecks zu Pfenning und anderen Themen haben mir viele Kritiker eingebracht. Ich wurde mehrfach k├Ârperlich angegangen, im September 2009 legte irgendjemand ein Nagelbrett vor den Reifen eines meiner Fahrzeuge – mein Frau fuhr das Auto. Der Staatsanwalt ermittelte.

Mittlerweile greifen aber auch t├Ąglich im Schnitt ├╝ber 3.000 Besucher auf das heddesheimblog zu – in Heddesheim sind wir l├Ąngst das Leitmedium. Der Ort redet dar├╝ber, was bei uns steht.
Dar├╝ber hinaus wird meine Arbeit bundesweit von Kollegen verfolgt, die darin die „Zukunft des Lokaljournalismus“ sehen.

Sechs Wochen nach dem Start des heddesheimblogs wurde ich in Heddesheim zum Gemeinderat auf der Liste der FDP gew├Ąhlt: Parteilos, Platz 11, f├╝nf Jahre in Heddesheim, B├╝ro in Mannheim, nirgendwo Vereinsmitglied. Wenn man mit diesen Voraussetzungen antritt, sind 200 Stimmen ein gutes Ergebnis. Ich habe die Liste mit 1.500 Stimmen gewonnen, 20 Prozent mehr als der ├Ârtliche FDP-Chef Hasselbring. Nach kurzen Fraktionsgespr├Ąchen habe ich diese verlassen und nehme nun ein freies Mandat wahr.

Ob das blog an diesem Wahlerfolg beteiligt war, kann ich nur vermuten.

Kritiker bem├Ąngeln, ich k├Ânne nicht beides sein, Gemeinderat und Journalist. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass ich sehr wohl ├╝ber alles berichten kann, was ├Âffentlich ist.

Im Gegenteil ist das Ehrenamt als Gemeinderat sogar hinderlich f├╝r die journalistische Arbeit. Alles, was ich nicht-├Âffentlich wei├č, kann ich nicht verwenden. Als Journalist k├Ânnte ich nicht-├Âffentliche, aber recherchierte Informationen verwenden.

F├╝r den B├╝rgermeister Michael Kessler ist meine Arbeit ein rotes Tuch, weil er keine journalistische Kritik gewohnt ist. Dasselbe gilt f├╝r die Mehrheit im Gemeinderat (12:9, zwei sind befangen).

Die erste Partei, ├╝ber die ich kritisch berichtet habe, waren die Gr├╝nen, weil diese ganz ungr├╝n dem Pfenning-Projekt zugestimmt haben. Heute sind wir wieder im Gespr├Ąch. Die Gr├╝nen haben im Zuge der Pfenning-Auseinandersetzung ├╝brigens drei Sitze oder 100 Prozent gewonnen, die SPD einen verloren, die CDU zwei, die FDP einen.

Ein Wort zu „Pfenning“: Der Ansiedlungswunsch ist nachvollziehbar und legitim. Meine Position als Journalist ist: Ich informiere die ├ľffentlichkeit, was im Zuge der geplanten Ansiedlung passiert, wer Pfenning ist, wer sich wie verh├Ąlt. Ich bin kein Aktivist, nicht Mitglied der ├Ârtlichen IG neinzupfenning. Ich bin Mitglied in zwei Vereinen: Presseclub Frankfurt und netzwerk recherche (Gr├╝ndungsmitglied).

Bis heute lehnen die SPD, CDU, FDP in Heddesheim jeglichen Kontakt mit der Redaktion ab – trotz mehrmaliger m├╝ndlicher Aufforderung und Anfragen per email.

├ťber die AWO Hauptversammlung wollte ich wie ├╝ber jede Vereinssitzung berichten. Berichte, Kasse, Wahl, was halt so anf├Ąllt bei einer solchen Sitzung. Die Arbeit von gemeinn├╝tzigen Vereinen finde ich wichtig und n├╝tzlich, ich schreibe aber auch auf, wenn die Vereine Mitglieder verlieren und stelle Fragen, was das mit der Vereinsleitung zu tun haben k├Ânnte. Die AWO Heddesheim hat sehr viele Mitglieder verloren in den vergangenen Jahren. Wenn etwas positiv verlaufen ist, schreibe ich das auch so auf.

Da ich ├╝ber die AWO-Heddesheim zuvor noch nicht direkt berichtet habe, also auch kein „Negativerlebnis“ als Argument in den Raum gef├╝hrt werden kann, war ich doch sehr erstaunt ob des Verhaltens von Herrn Schwarz.

Da ich mich f├╝r Transparenz einsetze, habe ich entsprechend und zutreffend berichtet.

Am Donnerstag verk├╝ndete B├╝rgermeister Kessler, dass die AWO vier Rollst├╝hle an die Gemeinde gespendet hat und er selbst vor einigen Tagen Mitglied beim Ortsverein Heddesheim geworden sei.

Absurd? Nein, es ist, wie es ist.

Ich werde also weiter in der Sache berichten – ├╝ber ein provinzielles Netzwerk aus verbohrten Sturk├Âppen, die die Welt nicht mehr verstehen, weil Fragen gestellt und Meinungen ge├Ąu├čert werden. Solange die AWO, die SPD und andere sich verhalten, wie sie es tun, werde ich dar├╝ber berichten. Wenn sie sich anders verhalten, dann dar├╝ber.

Um gleich vorweg Klarheit zu schaffen: Ich bin nicht bereit, mich mit Herrn Schwarz in irgendeiner Form auszusprechen. Daf├╝r ist mir die Zeit zu schade. Herr Schwarz kann allerdings in Zukunft unsere Redaktion auf AWO-Termine einladen und uns ordentlich informieren, Antworten auf Fragen geben und sich darauf verlassen, dass wir ordentlich berichten.

Umgekehrt berichten wir auch weiter ├╝ber pressefeindliches und undemokratisches Verhalten.

Das ist ein Angebot an die AWO-Heddesheim. Dort liegt die Entscheidung.

In der AWO-Sache habe ich ├╝brigens noch Christel Gerold, Manfred Weisskopf und die Pressestelle des Bundesverbands mit wortgleicher email an Sie angeschrieben.

Sie haben als einziger geantwortet.

Beste Gr├╝├če

Ihr Hardy Prothmann

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Jetzt warte ich auf die Antwort von Herrn Binding.
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