Sonntag, 24. September 2017

„Mer kenne uns, mer helfe uns.“

Heddesheim/Köln, 11. November 2011. Hinter den Kulissen zur heutigen Netzwerk-Recherche-Mitgliederversammlung geht es rund. In der Branche wird wild diskutiert und spekuliert. Es wirkt wie ein NarrenstĂĽck verrĂĽckt gewordener HĂĽhner. Dabei sollte es es LehrstĂĽck der Aufklärung werden. Was von beidem wird eintreten? Der Soziologe Hersch Fischler hat mit einem Leserbrief auf meinen Beitrag zu „verkommenen Austern“ reagiert. Die geneigten Leserinnen und Leser entscheiden selbst, was davon sie als Tragödie, Komödie oder Satire verstehen wollen.

Leserbrief: Hersch Fischler

Heute , am 11.11.2011 , hat das Vereinswesen in Köln Hochkonjunktur, denn zu Karnevalsbeginn ist wirklich was los. Sogar der Journalistenverein Netzwerk Recherche e. V., zuweilen „Europas Bester“ genannt, hat seine Mitglieder aufgerufen sich um 18 Uhr im Zentrum Kölns, beim WDR zu versammeln.

Die Stars unter seinen Mitgliedern wollen in die Bütt steigen und ein Aufklärungsstück zum Besten geben.

Aufgeklärt werden sollen die Vorgänge, die seit der letzten Versammlung seiner Mitglieder im trockeneren Hamburg beim NDR noch im schummrigen Dämmerlicht verblieben.

Die Versammlung in Hamburg hat inzwischen schon Kultstatus erreicht. Ausgerechnet zum zehnjährigen Jubiläum des Sauberkeitsvereins, der den strengsten aller Medienkodizes in die restriktivste Regelung für die Annahme von Drittmitteln entwickelt hatte, wurde bekannt, dass der Verein es mit Fördermittelabrechnungen der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) nicht so genau genommen und einfach zu viel Geld in der Kasse hatte.

Was wohl hinter den Masken fĂĽr Gesichter stecken? Quelle: wikipedia/Muu-karhu

 

Erster Akt:
Nachdem sich der zweite Vorsitzende Hans Leyendecker, „ob des Malheurs“, mit einer nicht enden wollenden Trauerrede versuchte, brach Unruhe unter den Mitgliedern aus und es kam zu einem „Tohuwabohu“.

Der erste Vorsitzende, Prof. Thomas Leif ergriff bĂĽhnenreif, fast wie Dorfrichter Adam im zerbrochenen Krug, die Flucht nicht ohne etwas von Putsch zu rufen.

Er wurde von Hans Leyendecker und dem restlichen Vorstand damit bestraft, dass er trotz seiner großen Verdienste um den Verein, als aus dem „Vorstand ausgeschieden“ erklärt wurde.

Es ist nicht leicht, das zahlende Publikum nach derart unkonventionell aufgefĂĽhrten tragikomischen Lustspielen im Zaum zu halten, wie viele historische Theaterskandale beweisen.

Aber Hans Leyendecker gelang es. Er versprach mit dem verbliebenen Vorstand höchst transparente Aufklärung auf der nächstmöglichen außerordentlichen Mitgliederversammlung.

Er versicherte, der Vorstand habe alles „vielleicht“ zu Unrecht erhaltene Geld bereits zurückgezahlt und beste Wirtschaftsprüfer mit der Untersuchung beauftragt.

So erhielt er von der Versammlung, die nach der ungewohnten Aufregung und einem langem Konferenztag, der für den gleichen Abend angesetzten feuchtfröhlichen 10-Jahres-Jubiläumsfeier „entgegendürstete“, mit größter Mehrheit den Auftrag, im Amt zu bleiben und aufzuklären.

Journalistenvereine feiern nach anstrengenden Versammlungen gern, können aber nicht immer feucht fröhliche Feiern ansetzen. So gesehen verrät die Wahl von Datum und Ort der “Aufklärungsveranstaltung der Aufklärer-€ fast schon geniales Geschick und lässt einiges erwarten.

Zweiter Akt:

Nach den gewohnten einleitenden Formalitäten müsste die Kassenprüferin des Vereins auftreten und mit den Details der Ergebnisse der Wirtschaftsprüfungsberichte die Mitglieder davon überzeugen, dass alles aufgeklärt und bewältigt ist.

Aber am 11.11. wird es natĂĽrlich unterhaltsamer. Das Netzwerk braucht, nach dem Motto eines im Karneval besonders beliebten Schlages, eine neue Braut. Die Alte wurde ihm zwar nicht von einem anderen Verein geklaut, aber sie fehlt, weil sie sich vom Acker gemacht hat.

Wie die Kassenwärtin Tina Groll in einer Email von Anfang November mitteilte, ist sie seit Wochen aus dem Vorstand ausgeschieden und auch kein „NR-Mitglied“ mehr.

Darüber hat der Verein noch nicht informiert. Und soll David Schraven die Rolle der Kassenwärtin übernehmen. Männer in Frauenrollen sind ja in Köln nichts besonderes, sondern sogar ausgesprochen beliebt, wie es jeder von der Jungfrau im Kölner Dreigestirn her weiß.

Und im Karneval ist es natürlich ausgeschlossen, dass „genderbewusste“ MitgliederInnen auf eine investigative Recherche bestehen und wissen wollen, wie die Geschlechtsumwandlung hinter dem transparenten, aber trotzdem undurchsichtigen Vorhang des Netzwerkvorstandes vor sich gegangen ist.

Und am Karneval liegt es sicher auch, dass den Mitgliedern die komplizierten Erläuterungen unterhaltsamer dargeboten werden, statt mit einem schriftlichen Bericht des Vorstandes. Wie sich gezeigt hat , verkompliziert „Schriftverkehr“ die Aufklärung.

Hat doch ein Mitglied, Professor Haller, mit einem Schreiben an den Vorstand, Zweifel an der Unvoreingenommenheit der Wahl der Wirtschaftsprüfer und an deren angeblich zu großzügigen Honorierung geäußert und die Öffentlichkeit zusätzlich mit im Vorstand unerhörten Fragen zusätzlich verwirrt.

Im mĂĽndlichen Verfahren, erst recht im Kölner Karneval haben solche Quertreibereien keine Chance. „Ist da nicht mit wenigen Worten alles klar?“ Hat nicht Hans Leyendecker erklärt, da er „auf Dienstreise war, habe Herr Grill auf “Empfehlung eines Spiegel-Kollegen die WirtschaftsprĂĽfer ausgesucht“ und: „Die Wahl fiel auf diese Kanzlei, weil sie in der Nähe der damaligen Geschäftsstelle ihren Sitz hat und weil die Leute sauber und gewissenhaft arbeiten.“

Hat auch Markus Grill dies nicht genauso so bestätigt, wie in der taz zu lesen war:

„Er habe die Kanzlei ausgewählt, weil sie ihm von einem Kollegen im Wirtschaftsressort empfohlen wurde. Ausschlaggebend sei gewesen, dass die PrĂĽfer von Mainz aus arbeiten – nahe dem Vereinssitz Wiesbaden. Die Kosten fĂĽr die Kanzlei von etwa 250 Euro pro Stunde seien „ein ĂĽbliches Honorar“.

Was können da Argumente ausrichten, dass die Wirtschaftsprüfer gar nicht von Wiesbaden aus arbeiteten, sondern vom entfernten Saarbrücken?

Markus Grill erinnert sich der Weisheit des Bild-Kollegen Wagner, dass schwierige Fragen nur von Gott und Hans Leyendecker recherchiert und beantwortet werden können.

Während des Karnevals, im Schatten des Kölner Doms, schlucken das auch die „investigativsten“ „NR-Mitglieder“.

Dritter Akt:

Auf der heutigen Mitgliederversammlung erwarten Hans Leyendecker und der Vorstand nicht nur darum bitten, wie bei Büttenreden in Köln üblich, ehrenhaft und mit Applaus entlassen,, sondern auch als Vorstandsmitglieder entlastet zu werden.

Hans Leyendecker will sich nicht noch einmal, wie die meisten anderen Vorstandsmitglieder als Vorstand wählen lassen, aber er hat wohl Chancen, nach “geglückter Aufklärung und Entlastung-€, Ehrenvorsitzender zu werden.

Was Vorstandsvorsitzende skandalgeplagter GroĂźunternehmen fertigbringen, wird ein investigativer Journalist seiner Klasse doch wohl auch noch hinkriegen.

Christian Jakubetz schrieb neulich, als die Bild-Zeitung die peinliche vorstandsinterne Mail Leyendeckers, über das Austricksen der Staatsanwaltschaft publizierte, über die ausbleibende Kritik unter „NR-Mitgliedern“ unter dem Titel „Das „NR“ und die Langschläfer“.

Die NR-Mitgliederversammlung zu Karnevalsbeginn in Köln wird zeigen, ob er richtig getitelt hat oder ob doch „einige Schläfer“ aufgewacht sind und andere aufrĂĽtteln. Oder wird es nach dem Motto gehen: „Mer kenne uns, mer helfe uns.“

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