Freitag, 27. Mai 2016

Das Geld ist zusammengekommen - die Zahl der Crowdfunder nicht

Krautreporter: Prinzipiell vor dem Start bereits gescheitert

Mannheim/Berlin, 13. Juni 2014. Das Projekt Crowdfunding f√ľr die Krautreporter wird heute angeblich die notwendige Zahl von 15.000¬†Zeichnern erreichen. Am Vormittag des letzten Kampagnentages fehlen „nur“ noch 600 Unterst√ľtzer – angeblich. Tats√§chlich fehlen tausende. Wie viele, wei√ü die √Ėffentlichkeit nicht.¬†Zuletzt wurde bekannt, dass „Gro√üinvestoren“, pardon, Gro√üunterst√ľtzer das Projekt gepusht haben – ohne diese Hilfe w√§re man gescheitert. Wenn die Krautreporter nun jubeln und sich feiern lassen, man habe es geschafft, ist das die erste journalistische Falschinformation der √Ėffentlichkeit, die den Online-Journalismus ganz sicher nicht rettet.

Von Hardy Prothmann

Nun kommt es also so, wie ich es bereits vermutet habe. Nach einem fulminanten Start ging der Kampagne trotz einer enormen medialen Präsenz fast die Luft aus. Bis vor drei Tagen war klar: Geht es in diesem Tempo weiter, sind die Krautreporter mit einer Kampagne eindeutig gescheitert. Doch, oh Wunder, zum Ende klappt es doch noch.

Zum Endspurt entwickelt die Kampagne eine noch gr√∂√üere Dynamik als zu Beginn. Warum? Weil mit einem Male Gro√üunterst√ľtzer wie die Rudolf-Augstein-Stiftung einfach mal 1.000 „Zeichner-Anteile“ kauft und sie verschenkt. (Kann man das als Werbeausgabe abgsetzen?) Damit passiert genau das, was ich bef√ľrchtet habe: Das Prinzip des Crowdfunding wird nicht anerkannt – man verr√§t das Ziel, 15.000 eigenst√§ndige Unterst√ľtzer zu erreichen, die 60 Euro im Jahr zahlen und durch ihre Vielzahl verhindern, das einzelne Einfluss aus√ľben k√∂nnen.

Die berechtigte Frage ist: „Ist das so?“. Wenn die Rudolf-Augstein-Stiftung 60.000¬†50.000 Euro ausgibt, will sie keinen Einfluss aus√ľben? Wenn andere mehrere hundert oder ebenfalls 1.000 und mehr „Anteile“ „kaufen“ – hat man dann tats√§chlich 15.000 Unterst√ľtzer oder eben nicht viel weniger? Werden Menschen, die einen „Zugang“ geschenkt bekommen, automatisch zu Unterst√ľtzern? Eher nicht.

Die M√∂glichkeit, gro√üe Pakete von einzelnen kaufen zu lassen, hat die Crowdfunding-Idee im Kern manipuliert und damit den Anspruch der Krautreporter, unabh√§ngigen und ehrlichen Journalismus √ľber die Leser finanzieren zu lassen. Wer behauptet, die Krautreporter h√§tten es geschafft, 15.000 und mehr Unterst√ľtzer zu finden, behauptet glatt eine L√ľge.

Die Kampagne h√§tte auch zum Ziel haben k√∂nnen, 900.000 Euro einzusammeln. Hat sie aber nicht – entscheidend war die Zahl 15.000 und die wird nur „formal“, aber nicht in echt erreicht.

Repariert man so den Online-Journalismus, wie die Krautreporter vollmundig behaupten? Ist diese Kampagne tats√§chlich ein Beleg, dass man √ľber „die“ Leser ein journalistisches Projekt finanzieren kann? Wohl kaum.

√úberhaupt – wer sind „die“ Leser, wer „die“ Unterst√ľtzer? Einen erheblichen Teil haben also Gro√üunterst√ľtzer wie die Rudolf-Augstein-Stiftung gezeichnet, dann gibt es viele Journalisten und andere Medienleute – mein Stream ist voll von Kollegen, die sich als Unterst√ľtzer anpreisen. Wie viele „echte“ Leser bleiben am Ende √ľbrig?¬†Gegen 11 Uhr wurden¬†478 Seiten mit¬†je 25 Zeichner aufgelistet. Macht 11.950 Zeichner. Der Z√§hler zeigt 14.234. Differenz 2.284 Zeichner. Wie kommt es dazu? Entweder ist die Listung falsch oder der Z√§hler.

Das Projekt ist von vorne bis hinten konzeptionell schwach – ob Frauenquote, keine Redaktion, keine Inhalte oder vor allem Fragen zur Transparenz.

Ich bin einer von denen, die das Projekt durchg√§ngig kritisiert haben – nicht, weil ich die Idee nicht gut finde und mich nat√ľrlich freuen w√ľrde, wenn es klappt, sondern weil ich die Umsetzung schlecht finde, sie √ľberhaupt keine Anhaltspunkte liefert, wie andere den „Erfolg“ wiederholen k√∂nnten. Zudem habe ich als einziger mal durchgerechnet, was bei den Autoren unten ankommt, wenn sie ihre Arbeit gut machen. Mit viel Gl√ľck schaffen Sie etwas mehr als den Mindestlohn pro Stunde. Das ist kein Vorbild f√ľr die Zukunft des Journalismus – und wenn das so w√§re, dann w√ľrde das hei√üen, dass selbst der ach-so-tolle-Journalismus-der-Journalismusreparierer f√ľr die Journalisten nicht mehr bringt, als einen Appel und ein Ei.

Die mentalen Unterst√ľtzer, die postings abgesetzt haben in Richtung wie: „Man muss doch was riskieren“, „Hauptsache gemault, statt was gemacht“ und „Lasst sie doch mal machen“ usw. sind „moralisch“ alle auf der richtigen Seite. Yes, we can ist die Vorlage, was draus geworden ist, kann man sich ja anschauen. Obama hat versagt.

Die Krautreporter erreichen zwar die Summe – wie das Projekt aber umgesetzt wird, ist noch vollkommen offen. Mal angenommen, sie¬†erfahren was von „Ungereimtheiten“ bei der Rudolf-Augstein-Stiftung – werden sie dar√ľber berichten und wenn ja, wie? Durch die Annahme von Gro√üunterst√ľtzern haben sie die¬†selbst propagierte Unabh√§ngigkeit bereits verraten. Moment – diese „Zeichnungen“ werden doch verschenkt, also kein Einfluss m√∂glich… Ja, bis n√§chstes Jahr, wenn die Unterst√ľtzer erneut das Projekt finanzieren sollen. Fehlen diese und erreicht man nicht genug neue, fehlt Geld, werden Artikel fehlen und es geht bergab.

In meiner Redaktion lernt jeder Mitarbeiter die Regel Nummer 1: Traue keinem! Beim Schlusspurt sah es vor drei Tagen noch schlecht aus. Pl√∂tzlich zogen die Zeichnungen an, dann sprunghaft, dann wurde bekannt, dass die Rudolf-Augstein-Stiftung 60.000 Euro einlegt. Und die Zahlen gingen in Richtung Ziellinie. Bis heute gibt es keine Antwort der Krautreporter, ob der Z√§hler nicht manipuliert werden kann, was mit Sicherheit anzunehmen ist. Und mal ehrlich: Wer w√§re moralisch integer genug, bei ein paar hundert fehlenden Unterst√ľtzern das Projekt scheitern zu lassen, wenn schon weiter √ľber 800.000 der 900.000 Euro zusammengekommen¬†sind? Wer? Nur die, f√ľr die Glaubw√ľrdigkeit alles ist.

Wenn die Krautreporter glaubw√ľrdig starten wollen, m√ľssen Sie nachvollziehbar belegen, dass keine Manipulation stattgefunden hat. Denn wenn nur der leiseste Verdacht bleibt, dass man hier kein journalistisches Projekt macht, um den angeblich kaputten Online-Journalismus zu „reparieren“, sondern sich nur Geld zur Existenzsicherung oder als Extra zum Einkommen verschaffen wollen.

Phase eins ist beschädigt bestanden, weil nur durch Manipulation das Ziel erreicht werden konnte. Mal schauen, was Phase zwei bringt.

Eine Erkenntnis √ľber „kaputten“ Journalismus hat die Kampagne aber gebracht – und zwar √ľber viele Journalisten, die jegliche Kritik gerne und willig √ľbersehen haben, weil sie wollten, dass die Kampagne erfolgreich wird. Nur wenige haben recherchiert, nachgedacht oder nachgerechnet. Die Erkenntnis ist: Es gibt viel zu viele Journalisten, die einen kaputten Journalismus machen – sie lassen sich f√ľr Kampagnen instrumentalisieren und machen ihren Job nicht.

Das wusste ich allerdings schon vor dem Krautreporter-Projekt.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (49) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.

  • Volle Zustimmung, auch ich rechnete felsenfest damit, dass die Krautreporter zum Finale hin in irgendeiner Form ihre Seele verkaufen w√ľrden.

    Haben Sie eindrucksvoll belegt.

    Ich teile auch deine Einschätzung, dass die Wahrscheinlichkeit, dass nach einem Jahr nix mehr kommt, sehr hoch ist.

    Insofern hat das ganze f√ľr mich mindestens mental betr√ľgerischen Charakter. Sollte sich der Manipulationsverdacht erh√§rten d√ľrfte es potentiell auch juristisch relevant werden.

    • hardyprothmann

      Es gibt keinen Manipulationsverdacht, sehr wohl aber den deutlichen Hinweis auf mangelnde Transparenz – und insbesondere dann, wenn es um viel Geld, sagt mir meine Erfahrung, dass man genau hingucken muss oder genau offenlegen sollte.

      • F√ľr mich pers√∂nlich gibt es schon gewisse Indizien, dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein k√∂nnte. Ob es gar Manipulation m√ľssten bei entsprechendem Verdachtsmoment andere Stelle untersuchen.

        Wie auch immer, das Thema ist durch und die Krautreporter bis auf weiteres in Sachen Online-Reputation realistisch gesehen unten durch. Kein gutes Vorbild f√ľr zuk√ľnftige Crowdfunding-Kampagnen. Leider.

      • Alexander Votteler

        Die Gro√üspenden kann man ja ja offiziell auf der Website ausw√§hlen und die Krautreporter haben es auch √ľber Twitter verbreitet, da kann man sicher noch ein paar Worte dazu sagen aber unter den Umst√§nden das die „Spende“ erst gestern eingegangen ist w√ľrde ich hier noch mangelnde Transparenz vorwerfen.

  • Alexander Votteler

    Warum wird das Projekt nur Aufgrund der k√ľnstlich festgelegten 15000 Grenze als gescheitert gewertet? Wenn sie die Grenze bei 10000 festgelegt h√§tten w√§ren die ca. 13000 Unterst√ľtzer als riesen Erfolg und Hype gewertet worden. Jetzt sieht es ja mit ziemlicher Sicherheit so aus als ob das 15000 „Unterst√ľtzer“ Ziel erreicht wird und die Reporter m√ľssen abliefern. Wenn sie ihren Job ordentlich machen werden sie n√§chstes Jahr genug Unterst√ľtzer finden um ohne eine Stiftung auszukommen, was sie unabh√§ngig macht (wenn nicht braucht man die Krautreporter nicht).

    • hardyprothmann

      Ich bin der erste, der begeistert aufschreibt, wie toll das Projekt ist – wenn das so ist.

      Schaun mer mal.

  • 12.800 zahlende Mitglieder aktuell – das ist doch ein toller Erfolg, und vielleicht werden es bis heute Abend ja noch ein paar mehr. Dass ein kleiner Prozentsatz (15%) aus Gro√üspendern kommt, sehe ich jetzt nicht als ein gro√ües Problem, denn damit hat den L√∂wenanteil immer noch die Crowd gewuppt. Ob das Magazin die Erwartungen erf√ľllt – das wird man in ein paar Monaten bewerten k√∂nnen, vorher nicht!

  • Fabian

    „Zudem habe ich als einziger mal durchgerechnet, was bei den Autoren unten ankommt, wenn sie ihre Arbeit gut machen.“ … „viele Journalisten, die jegliche Kritik gerne und willig √ľbersehen haben“ Ja nee klar, alle anderen haben keine Ahnung, sind zu bl√∂d zum Rechnen, und Kollegen, die zwar auch Kritik √ľbten und trotzdem das Projekt unterst√ľtzten ‚Äď die kommen gar nicht vor. Noch so ein Gro√ümaul wie jene, die „Wir kriegen das wieder hin“ geschrieben haben.

    • hardyprothmann

      Ich habe niemanden rechnen sehen und tatsächlich haben damit viele Journalisten ein Problem.

      Haben Sie einen Link zu einem Text, der au√üer „das muss man doch versuchen“ auch tats√§chliche Pro-Argumente bringt?

      F√ľhlen Sie sich nach der Beleidigung besser, Sie Hohlkopf?

      • Ulf-Jochen Froitzheim

        Lieber Hardy, auch ich habe gerechnet (mir nur nicht bei den Details zusehen lassen) und bin damals sinngem√§√ü zum gleichen Resultat gekommen wie Du ‚Äď dass es Selbstausbeutung sei und ein gefundenes Fressen f√ľr Tarifdr√ľcker im Verlegerlager. Man muss kein Gro√ümaul sein, um das klar zu sagen.

  • „Damit passiert genau das, was ich bef√ľrchtet habe: Das Prinzip des Crowdfunding wird nicht anerkannt [‚Ķ]“

    Moment mal. Bei praktisch allen Crowdfunding-Kampagnen gibt es unterschiedliche „tiers“, also unterschiedliche teure Unterst√ľtzer-Niveaus. Die meisten sehr gro√üen Crowdfunding-Kampagnen (zu denen Krautreporter ja ohne Zweifel geh√∂rt) haben mindestens eine Handvoll abgefahren teure tiers im Programm, die sich an institutionelle Kunden (wie etwa Stiftungen) richten. Das war von Anfang an ein Kerngedanke des Crowdfundings.

    Die Unterst√ľtzung durch die Rudolf-Augstein-Stiftung, ebenso wie ein fr√ľhes gr√∂√üeres Funding einer anderen gemeinn√ľtzigen Stiftung, wurden im √úbrigen transparent von den Krautreportern auf Twitter kommuniziert (mit Screenshot der Finanzierungseintr√§ge auf der Homepage). Genauso wie die M√∂glichkeit, als Einzelperson auch mehrere Abos zu kaufen. Unter diesen Umst√§nden von „Manipulation“ zu sprechen, das grenzt an Verleumdung und ist mit journalistischer Sorgfaltspflicht nicht vereinbar.

    Onehin nimmt der Krautreporter-Hass absurde Z√ľge an. Kein Fan? Kein Problem, gib halt kein Geld. Valide Kritikpunkte gibt es sicher genug, aber auf immer abenteurlichere Weise eines der interessantesten journalistischen Projekte der letzten Jahre runterzuputzen, dass wirkt irgendwann nur noch borniert. Wie w√§rs stattdessen mal mit ein wenig „wait and see“?

  • Max

    Diese „Unterst√ľtzer“-Geschichte ist nat√ľrlich eine Farce. Aber was ich mich auch frage ist, wieso immer √ľber gut bezahlte Recherche gesprochen wird – das wurde bei Krautreporter nie wirklich hinterfragt. Laut dem Konzept soll ja jeder Reporter 2000 bis 2500 Euro „Monatsgehalt“ bekommen. Da das vermutlich kein Gehalt ist, die Reporter keine Angestellten sein werden, sondern (weiterhin) Freiberufler, kann man da ja schon mal mindestens 1000 Euro f√ľr Betriebskosten (Krankenversicherung, Beitr√§ge f. Mitgliedschaften, Haftpflichtversicherung usw.) abziehen, eher mehr (sofern das die einzige Einnahmequelle ist). Wie soll dann ein Reporter f√ľr 1000 bis 1500 Euro 4 bis 5 Geschichten schreiben, am besten noch ein Filmchen drehen und Fotos machen?! Dem Journalismus geht es schlecht, aber zum Gl√ľck nicht so schlecht. Welcher Reporter bei einer Online-Zeitung wie SPON, ZEIT ONLINE, S√ľddeutsche.de usw. muss denn f√ľr so einen Hungerlohn vier, f√ľnf Stories monatlich bringen? Und ich bin auch mal sehr gespannt, wenn der erste halbwegs investigative Beitrag kommt. Mit Investigativbeitr√§gen tritt man ja meistens jemandem auf den Schlips, was ist denn wenn dieser dann klagt, einstweilige Verf√ľgungen durchsetzt usw.? Was machen dann die Krautreporter ohne Verlag. Sind dann die 900000 Euros schon nach einem Monat aufgebraucht, weil es zu einem Rechtsstreit gekommen ist? Allein die Berufshaftpflichtversicherung (Sch√§den durch Ver√∂ffentlichung gegen√ľber Unternehmen/Personen) f√ľr einen Freelancer √ľberschreitet ja schon das Monatshonorar der Krautreporter. Und wie ist das eigentlich mit Spesen, Reisekosten usw.? Sind die auch mit den 900000 Euro abgedeckt?
    25 Reporter x 2250 Euro = 675000 Euro. Da bleiben, sofern es NULL Verwaltungskosten usw. gibt, gerade einmal gut 200000 Euro f√ľr 25 Reporter an Spesen, Reisekosten…

    Das ganze Projekt ist pure Selbstausbeutung, wenn die Krautreporter ausschlie√ülich f√ľr Krautreporter arbeiten. Wenn sie auch/haupts√§chlich f√ľr andere Auftraggeber arbeiten, dann wird Krautreporter im besten Falle eine Zweitverwertungszeitung (erst die Story an sich einem Magazin verkaufen, dann eine detailliertere Fassung f√ľr Krautreporter schreiben) oder im schlechtesten Falle eine Plattform, deren Geschichten jeweils in 1 bis 2 Tagen recherchiert UND geschrieben sind.

    Nebenbei: Das Medium Internet l√§dt doch geradezu dazu ein, multimedial zu arbeiten. Zumindest Fotografen h√§tten da doch ins Boot geholt werden m√ľssen. Aber f√ľr 1000 Euro netto √ľberlegen sich gute Bildjournalisten nat√ľrlich nicht einmal, einen Monat zu arbeiten (was ja auch bei einer 35-Std.-Woche einen „Lohn“ von gerade einmal ~ 7,10 Euro macht, wobei davon noch keine Ausr√ľstung gekauft ist usw.

    Der erste Krautreporter hat schon angek√ľndigt, eine Recherchereise in den Nahen Osten zu machen. Bin mal gespannt, wann die Reporter merken, dass dieses Krautreporter sie nicht ausreichend bezahlt.

    [Sorry, hatte den Artikel von Prothmann nicht komplett gelesen, er weist ja auch darauf hin, dass das wohl nicht richtig durchgerechnet ist, laut meiner Rechnung kommt man deutlich unter dem Mindestlohn raus ;-)]

    • Rainer Battefeld

      Ich bin mir sicher, da√ü niemand – auch Hardy Prothmann nicht – grunds√§tzlich die „Krautreporter“ ablehnt. Weil es unsinnig w√§re, diesen Versuch abzulehnen. Auch ein Scheitern w√§re immerhin etwas, wovon man lernen k√∂nnte.

      ABER: Hier diskutieren Nicht-Journalisten (Crowd) mit Profis. Die Crowd findet alleine schon die Idee toll, kann aber nicht rechnen, wei√ü auch nichts √ľber die Arbeit (und Betriebskosten) von Journalisten, au√üer, da√ü sie gerne deren Geschichten lesen m√∂chte.

      Journalisten selbst sind aus guten Gr√ľnden erstmal vorsichtig, bevor sie Beifallsst√ľrme klatschen. Da gibt es viele Unw√§gbarkeiten, und exakt die haben Sie oben benannt.

  • Sebastian von Deissel

    „Krautreporter“ ist zweifellos ein interessantes Experiment. Der Hype darum kommt mir jedoch seltsam vor. Insbesondere in den letzten 24 Stunden schien die halbe, deutsche twitter-Gemeinschaft kaum Besseres zu tun zu haben, als f√ľr das Projekt zu werben. Soviel Begeisterung ist sch√∂n! Macht jedoch auch Angst davor was passiert, wenn „Krautreporter“ irgendwann in den n√§chsten Monaten startet und die hochgesteckten Erwartungen nicht erf√ľllen kann. Denn klar ist doch, da√ü die Unterst√ľtzer eine andere Herangehensweise an Themen verlangen, vielleicht sogar ganz andere Themen, die man halt nicht bei den bisherigen Online-Angeboten findet. Und wie soll das gehen? Denkt wirklich jemand, ein Reporter hat mit umgerechnet 1.700 Euro monatlich die gro√üen M√∂glichkeiten, ganz viel Hintergrundrecherche zu betreiben? So v√∂llig losgel√∂st vom finanziellen Alltag? Mit 1.700 Euro??? Und soll trotzdem alle drei oder vier Tage eine atemberaubende Geschichte zustande bekommen? M√∂glichst noch mit Fotos und Videos? Bisschen viel verlangt…

  • Die M√∂glichkeit, Abo-Pakete zu kaufen, war von Anfang an auf der Krautreporter-Webseite vorhanden.

    Ich finde es etwas bedenklich wenn Sie hier so tun als wäre das nicht der Fall gewesen.

  • des Direktors Gehilfe

    1. Du hast nicht einmal richtig recherchiert. die 60.000‚ā¨ sind in Wahrheit 50.000‚ā¨

    2. Die Funktion 1000 Mitgliedschaften zu kaufen war ganz offen angeboten worden. Der Unterst√ľtzer wurde auch wie alle in der Unterst√ľtzungsliste angezeigt. Gemauschelt wurde also genau NICHTS

    3. 50.000‚ā¨ von mehr als 900.000‚ā¨ sind weniger als 5,56%
    Also wo ist jetzt die Unabhängigkeit verloren gegangen? Die Finanzierung ist in Ordnung.

    4. Wenn das Projekt läuft werden immer neue Mitglieder hinzukommen.

    Es hat schon einen Grund, warum es hier so schwer ist, etwas Neues auf die Beine zu stellen. Es gibt einfach viel zu viele Berufs-Meckerer und wenn es nichts richtiges zu kritisieren gibt, wird schon was gefunden werden.

  • Guest

    Manchmal ist es besser erstmal in Ruhe zu recherchieren. Am Ende gab es 14328 Einzelspenden, bei deutlich √ľber 16000 verkauften „Anteilen“. Sprich die Gro√üspende ist schon mal v√∂llig egal. Ob die Zahl bei 14328 geblieben w√§re ohne die Gro√üspende ist auch reine Spekulation, niemand kann es mit Sicherheit sagen. Bez√ľglich des Manipulationsvorwurfs 1) Unschuldsvermutung und so .. 2) 10 Sekunden mehr Recherche h√§tten dir gezeigt das Leute einfach mehr als 60 EUR gegeben haben, da man den Betrag selber festlegen konnte.
    Vielleicht einfach ein wenig neidischer sein oder zumindest in Zukunft besser recherchieren, um schwere Vorw√ľrfe belegen zu k√∂nnen.

  • Fritz

    Manchmal ist es besser erstmal in Ruhe zu recherchieren. Am Ende gab es 14328 Einzelspenden, bei deutlich √ľber 16000 verkauften „Anteilen“. Sprich die Gro√üspende ist schon mal v√∂llig egal. Ob die Zahl bei 14328 geblieben w√§re ohne die Gro√üspende ist auch reine Spekulation, niemand kann es mit Sicherheit sagen. Bez√ľglich des Manipulationsvorwurfs 1) Unschuldsvermutung und so .. 2) 10 Sekunden mehr Recherche h√§tten dir gezeigt das Leute einfach mehr als 60 EUR gegeben haben, da man den Betrag selber festlegen konnte.

    • hardyprothmann

      Danke f√ľr die „Recherche“ – der Betrag war nie das Kriterium, sondern die Zahl der Zeichner.

      Stand 14. Juni, 12:39 Uhr: 14.436 Unterst√ľtzer und damit ist Krautreporter klar gescheitert, weil das Ziel von 15.000 Zeichnern nicht erreicht werden konnte.

      Und wer zieht nun angesichts des Geldes den Stecker?

      • hardyprothmann

        Ups Рund eine Stunde später sind es 14.459. Die Kampagne ist doch eigentlich zu Ende?

      • Fritz

        War keine Recherche, ich bin kein Journalist. Ich finde nur bevor man jemanden Manipulation vorwirft, was ja eigenlich nichts anderes ist als Betrug und sich emp√∂rt, darf man kurz √ľber alternative Erkl√§rungen nachdenken. Zumal es ganz sch√∂n kleinlich ist, wenn sowohl Ziel als auch Zeitraum mehr oder weniger „Zuf√§llig“ sind. Selbst wenn 600 Personen von 15.000 fehlen w√ľrden, von klar gescheitert zu sprechen, spricht nicht unbedingt f√ľr eine objektive Einstellung.
        Warum sollte man den aufhören Geld anzunehmen, dass war ja nur die Startsumme, aber es geht ja um eine dauerhafte Finanzierung.

        • hardyprothmann

          Dann ist halt alles egal.

  • Starkstromliesel

    Dann geh doch zum Prothmann, wurde mir in einem anderen Blog nahegelegt, in dem ich mich mehrmals kritisch √ľber die Krautreporter ge√§u√üert habe. Nun denn, hier bin ich.

    F√ľr mich ist das Vorgehen der Krautreporter eine Schweinerei, wie ich es in der
    Form nur von korrupten Bananenrepubliken vor fingierten Präsidentschaftswahlen
    kenne. Aber zu den Fakten. Was ist passiert?

    Die integren Krauter haben der Gemeinde (Wir sind die Reporter, ihr seid die Crowd) folgendes Angebot gemacht: Wir machen ein Online-Magazin. Dazu brauchen wir 900.000 Euro. Wenn jeder einzelne interessierte Leser 60 Euro vorab gibt, werden wir das Projekt realisieren, wenn so binnen vier Wochen 15.000
    Unterst√ľtzer zusammenkommen. Falls nicht, dann halt nicht. Das waren die
    Bedingungen, die bei Projektstart festgelegt und verk√ľndet wurden. Dies Art der
    Angebots-Ausgestaltung lehnt sich im Prinzip an das genossenschaftliche Modell
    der TAZ an. Noch einmal im Klartext: Es ging darum, 900.000 Euro von 15.000
    Unterst√ľtzern einzusammeln. Dazu auch Stefan Niggemeier in seinem Blog zu
    Projektstart: ‚ÄúWir brauchen daf√ľr 15.000 Menschen, die 60 Euro geben. Das
    reicht f√ľr ein Jahr, entspricht also 5 Euro im Monat. Wir haben vier Wochen
    Zeit, diese Menschen zu gewinnen. Wenn wir es schaffen, gibt es ab Herbst
    Krautreporter. Wenn nicht, nicht.‚ÄĚ

    Nun, die Resonanz auf das Angebot der Krauter war gelinde gesagt bescheiden. Nach drei Wochen waren etwas mehr als die H√§lfte der Unterst√ľtzerstimmen beisammen. Statt nun die Gr√∂√üe zu haben, das Modell auslaufen zu lassen und ehrenvoll abzutreten, wurden ‚Äď als man die Felle davonschwimmen sah ‚Äď pl√∂tzlich in der 80 Minute die Regeln ge√§ndert. Pl√∂tzlich galt nicht mehr ‚ÄěOne man, One Vote‚Äú, sondern one man, one thousand Votes. Wenn der Geldbeutel gro√ü genug war.

    Sechs Tage vor Auslaufen der Frist gab es auf einmal die M√∂glichkeit ‚ÄěStimmpakete‚Äú in gro√üem Stil (100, 200 oder gar 1000) einzukaufen. Pl√∂tzlich war auch nicht mehr von Unterst√ľtzern die Rede, sondern von Mitgliedschaften. Entsprechend wurde auch der prominente Z√§hlbalken auf der website umbenannt. Wurde vorher ein gr√∂√üerer gespendeter Betrag oder ein Zehner-Abo dennoch nur als ein Unterst√ľtzer gez√§hlt, wurde auch diese Z√§hlweise √ľber den Haufen geworfen.

    Man verabschiedete sich also innerhalb der Frist vom genossenschaftlichen Modell ‚Äď was einen wesentlichen Bestandteil des Angebots ausmachte ‚Äď und √∂ffnete die T√ľr einzelnen Gro√üinvestoren, die sich nun nach Belieben Stimmen / Abos kaufen
    konnten. Wenn hier nicht von Manipulation gesprochen werden kann, wie wollen
    wir es dann nennen?

    Wer nur um des Mammon willens innerhalb k√ľrzester Zeit seine in der √Ėffentlichkeit definierten Spielregeln √ľber den Haufen wirft und neue verk√ľndet , handelt niedertr√§chtig und unseri√∂s. Und das wollen integre, der Wahrheit verpflichtete, ‚Äěsaubere‚Äú Journalisten sein? Nie im Leben.

    H√§tten die ersten 7000 Abonnenten auch ein Abonnent abgeschlossen wenn sie gewusst h√§tten, dass das genossenschaftliche Modell √ľber Bord geworfen wird und auch Gro√üinvestoren einsteigen d√ľrfen? Wie sieht es mit Abh√§ngigkeiten gegen√ľber Gro√üinvestoren aus? Wer mir schon zu Beginn derma√üen den Arsch rettet, den werde ich sp√§ter doch nicht noch hart angehen. Ich bin kein Anwalt, aber stelle mir die Frage, ob dieses √Ąndern der Bedingungen mitten im Prozess √ľberhaupt juristisch korrekt ist, da ich als User die Ware ja unter ganz anderen
    Voraussetzungen in Treu und Glauben gekauft habe, als sie später produziert
    wurde.

    Seriös wäre gewesen, dass Modell auslaufen zu lassen, die Niederlage einzugestehen und dann hätte man immer noch mit einem anderen Geschäftsmodell das Magazin auf die Beine stellen
    können. Aber so war das von vorne bis hinten eine große Verar…

    Und die Falschbehauptungen fangen ja jetzt schon an. So z.B. von Herrn Esser bei tagessschau.de: So sieht es auch ‚ÄúKrautreporter‚ÄĚ-Gr√ľnder Esser: ‚Äú15.000 Menschen wollten, dass es klappt‚ÄĚ, jubelte er kurz nach Erreichen der Zielmarke. Es waren eben nicht 15.000 Menschen, die wollten, dass es klappt.

    Dazu ein kurzer Auszug aus Wikipedia √ľber Journalismus: Die Sorgfaltspflicht z√§hlt ebenso zu den journalistischen Aufgaben. Die Journalisten sind verpflichtet, vor der
    Verbreitung ihrer Nachrichten diese auf Inhalt, Herkunft und Wahrheitsgehalt zu
    kontrollieren.

    Wenn der Gr√ľnder der Krautreporter eine Nachricht deren Wahrheitsgehalt gegen null geht, in den Medien verbreitet, ist er definitiv seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen. Nix is mit Qualit√§tsjournalismus bei den Krauts.

  • hardyprothmann

    Hass? Come on.