Dienstag, 23. Oktober 2018

Hauptstadtjournalismus: Kein Stück Ehre im Leib

Guten Tag!

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg informiert „ausgewählte“ Journalisten darüber, dass er seinen „Titel ruhen lässt“, wie verschiedene Medien berichtet haben.

Der ehemalige Journalist mit „ZDF-Rückkehrschein“, Steffen Seibert, der sich eigentlich Regierungssprecher nennt und doch eher ein Regierungsschweiger ist, setzt seine Fernsehmaske auf und tut, als sei das ein ganz gewöhnlicher Vorgang.

Regierungssprecher Seibert hat nichts zu sagen. Quelle: ZDF

Mal abgesehen vom Blödsinn dieser sponierten Meldungen ist für mich der eigentliche Skandal, dass es immer wieder asoziale „Kollegen“ gibt, die sich in ihrer Geilheit auf Exklusivität für nichts zu schade sind.

Anstatt auf einen solchen lausigen Termin zu verzichten und sich solidarisch mit den anderen Journalisten zu erklären, die nicht eingeladen werden, ergreifen diese ehrlosen Gesellen die Chance auf ein Stück „Exklusivität“, die nichts mit journalistischem Können zu tun hat, sondern eher mit der Tatsache, dass sie wohl als unkritische „Hofberichterstatter“ auserkoren wurden.

Schämt Euch.

Und dann gibt es die „Ehrenretter“. Der Auto-Journalist Christoph Ulmer vom SWR beispielsweise.

Ich twittere:
Die Schweinebacken, die zum „exklusiven“ Termin gegangen sind, haben kein Stück Berufsehre im Leib.

Christoph Ulmer antwortet:
@prothmann Ach Gottchen, laut tagesschau haben die einfach vor dem Ministerium gewartet. Nicht alles taugt zur überheblichen Kollegenschelte

Worauf ich antworte:
Ach Gottchen, Herr Ulmer. Und dann hat der KT sie reingelassen, weil sie sonst gefroren hätten und damits noch wärmer wurde, gleich ein parr Fragen beantwortet. Wie naiv sind Sie eigentlich?

Was Herr Ulmer so beantwortet:
@prothmann Naiv ist nur, wer hochmoralisch fordert: Reporter müssten was boykottieren, weil nicht alle anderen Kollegen grad da seien.

Ok, dann bin ich also naiv. Und meinetwegen hochmoralisch.

Und bleibe das auch gerne, bevor ich mir so eine verkommene Haltung aneigne, wie sie offenbar von „ausgewählten Journalisten“ und Auto-Journalisten á la Christoph Ulmer als „normal“ betrachtet wird.

Ich gucke eigentlich täglich noch in den Spiegel – und nicht, um zu schauen, ob die Maske noch in Ordnung ist.

Und auch die Bundespressekonferenz an sich sollte mal darüber nachdenken, inwieweit sie nicht schon selbst Teil des Systems ist – die heutige Behandlung zeigt schließlich, was Minister und Sprecher von ihr denken. Steffen Seibert gab keine Antworten, sondern trug den Terminkalender vor.

Die Mitglieder der BPK räumten daraufhin ihr Zeug zusammen – und hatten wenigstens noch so viel Schamgefühl, dass sie diese Erniedrigung nicht aushalten wollten. Was aber noch nicht unbedingt etwas mit Ehrgefühl zu tun hat.

Hintergrund Bundespressekonferenz, Wikipedia:

„Im Gegensatz zur Praxis in vielen anderen Staaten sind die „Hausherren“ bei den Bundespressekonferenzen die Journalisten selbst und nicht die Regierung, Ministerien, Parteien, Verbände, Kirchen oder einzelnen Politiker. Dadurch kommen auch Journalisten, die für ihre kritischen Fragen bekannt sind, stets zu Wort, während in vergleichbaren Veranstaltungen in anderen Staaten diese Journalisten vielfach keine Möglichkeit haben, ihre Fragen zu stellen. Genau aus diesem Grund verzichten auch einige Gäste darauf, vor der Bundespressekonferenz zu erscheinen. Die Bundeskanzler etwa kommen in der Regel nur einmal im Jahr zur Bundespressekonferenz und veranstalten ansonsten ihre eigenen Pressekonferenzen im Kanzleramt. Auch Joschka Fischer war bekannt dafür, in seiner Zeit als Außenminister die Bundespressekonferenz zu meiden.

Drei Mal wöchentlich (montags, mittwochs und freitags) findet eine sogenannte Regierungspressekonferenz statt. Dazu werden routinemäßig der Pressesprecher der Bundesregierung und der Ministerien eingeladen, die nach ihren kurzen einleitenden Statements auf spontane Fragen der Journalisten antworten.“

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