Montag, 01. Mai 2017

Hab ich was überlesen? Psychotricks, Verschwörungstheorien und Transparenz

Heddesheim/Hamburg/Berlin, 22. Juni 2011. (aktualisiert) Die Medien fordern gerne Transparenz. Und schreiben wütende Geschichten, wenn es daran mangelt. Das ist gut so. Gleichzeitig mangelt es aber vielen Medien selbst an Transparenz. Das ist schlecht. Denn daraus kann ganz schnell eine „Verschwörungstheorie“ entschehen.

Von Hardy Prothmann

Heute ist mir was passiert, was nicht passieren sollte: Entweder war ich unkonzentriert oder ich werde alt.

Auf zeit.de lese ich einen Text der Wirtschaftsredakteurin Tina Groll und finde, dass zeit.de schon erwähnen sollte, dass die Wirtschaftswoche-Autoren des besprochenen Buches „zum selben Haus“ gehören.

Ich setze also einen Tweet ab:

Kurze Zeit später erhalte ich zwei Antworten:

Und Tatsache, ich gucke in den Text und lese:

Ganz ehrlich? Zunächst habe ich mich echt geschämt – hatte ich doch in Richtung zeit.de einen nicht gerade netten (nicht persönlich, nur beruflich gemeinten) Tweet abgesetzt.

Werde ich alt?

Hatte ich diesen deutlichen Hinweis wirklich überlesen?

Naja – shit happens, denke ich mir und reagiere wenigstens fair und schicke eine Entschuldigung hinterher.

Trotzdem wurmt mich das. Habe ich das überlesen? Tatsächlich?

„…Wirtschaftswoche (die wie Die Zeit im Holtzbrink-Verlag erscheint)…“

Wie die Zeit. Im Holtzbrinck-Verlag. Hm. Ist das der Hinweis, der an dieser Stelle zu erwarten ist? Und dann folgt ein weiterer Tweet:

„Habe extra erwähnt, dass Wiwo auch Holtzbrinck ist.“

Zuvor hatte Tina Groll geschrieben:

„Ich habe ausdrücklich erwähnt, dass Wiwo auch Holtzbrinck ist.“

Warum muss man das „extra“ und „ausdrücklich“ erwähnen? Ist diese Erwähnung nicht selbstverständlich? Warum hatte der Redaktionstwitter das bei der ersten Antwort nicht erwähnt?

Verschwörungen

Und Verschwörungstheorie? Wurde diese Klammer etwa nachträglich eingefügt?

Das möchte ich extra ausdrücklich nicht unterstellen, weil ich dafür überhaupt keinen Beleg habe – leider hatte ich keinen Screenshot gemacht (Alter, Schlampigkeit) und kann auch leider nicht im Google-Cache nachschauen, weil zeit.de das Caching unterdrückt.

Wieso schreibt eine Redakteurin von zeit.de, einem Produkt der ZEIT Online GmbH in Hamburg, dass die Wirtschaftswoche, die von der Handelsblatt GmbH in Düsseldorf herausgegeben wird und DIE ZEIT, die zum Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG in Hamburg gehört, beide zum „Holtzbrinck-Verlag“ gehören.

Holtzbrinck-Verlag? Welcher Holtzbrinck-Verlag?

Gibt es den überhaupt, den „Holtzbrinck-Verlag“? Soweit mir bekannt ist, gibt es eine Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (VGH), welche eine Holding mit Sitz in Stuttgart ist. Und es gibt eine Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DVH), die ihren Sitz in München hat.

Bis 2009 gehörten Die Zeit und alles was da ausgegliedert wurde und das Handelsblatt und die Wirtschaftswoche zum Georg. Der musste aber an den Dieter verkaufen, heißt es, weil der Georg sich mit StudiVZ verhoben haben soll. Offiziell heißt es, Stefan strukturiere um. Die Unternehmen der Halbbrüder sind getrennt, auch wenn sie eng zusammenarbeiten. Die Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG gehört beiden zu gleichen Teilen, wobei Dieter das Sagen hat.

Kann man aber als Mitglied der Wirtschaftsredaktion einfach „Holtzbrinck-Verlag“ schreiben? Nach dem Motto: Ist doch eh eine Familie? Oder überblickt die Redakteurin selbst nicht so ganz, wer oder was der „Holtzbrinck-Verlag“ eigentlich ist und zu wem ihr Arbeitgeber denn nun eigentlich gehört? Wie soll ein Leser das verstehen?

Müsste es also nicht korrekt heißen: „…Wirtschaftswoche (die wie zeit.de zu DvH Medien – Dieter von Holtzbrinck GmbH München gehört)…“?

Denn die Angabe „Holtzbrinck-Verlag“ ist leider irreführend oder zumindest schlampig, auf keinen Fall aber transparent. Auch fehlt jeder Link, den man eigentlich bei einem Internetmedium erwarten könnte. (Anmerkung, 23.06.11: Der Hinweis wurde mittlerweile korrigiert.)

Aber ich will ja keine Verschwörungstheorie aufbauen, sondern suchte Halt. Gerade die Produkte, auf denen „ZEIT“ steht, waren doch dafür immer ein Garant.

Transparenz? Äh.

Vielleicht habe ich mich geirrt und suche nun Bestätigung. Wenn die Redakteurin so extra und ausrücklich auf die Verbindung von Wirtschaftswoche und „Zeit“ hinweist, wird das ja wohl ein „redaktioneller Standard“ sein. Ich suche also nach Wirtschaftswoche (hätte auch Tagesspiegel suchen können) und finde jede Menge Texte und in diesen Texten viele Zitate aus der Wirtschaftswoche – aber leider keine Hinweise auf eine „Verbindung“ zwischen „Wiwo“ und „Zeit“:

http://www.zeit.de/2011/18/DBM-Energy-Hannemann/komplettansicht

http://www.zeit.de/studium/hochschule/2011-04/hochschule-ehrendoktoren/komplettansicht

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/demonstrationen-atomausstieg

Die Zitation eines verbundenen Medienprodukts ist auf den ersten Blick keine Schleichwerbung – aber kann schon einen Kaufimpuls darstellen, weil der Nutzer vielleicht das zitierte Original nachlesen möchte.

Paragraf 7 des Pressekodex gibt eindeutig vor, dass „Eigeninteressen“ „erkennbar gemacht“ werden – und ein solches liegt wohl vor, wenn in einem Medium, dass zu einem Unternehmen gehört, ein anderes, das zu demselben Unternehmen gehört, dieses zitiert und damit „promotet“ wird.

Tatsächlich findet das nicht oder kaum statt. Offensichlich ist der korrekte Hinweis wie im Text von Tina Groll eben kein Standard-Hinweis, sondern ein „extra“-Hinweis – aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht, weil ich drauf hingewiesen habe? Aber das kann und will ich nicht behaupten.

Auch im Impressum fehlt jeder Hinweis, dass die Wirtschaftswoche und Zeit online zum DvH-Imperium gehören. Auch wenn das Handelsblatt, zu dem wiederum die Wirtschaftswoche gehört, zitiert wird, fehlt jeder Hinweis auf die „Verbundenheit“ von zeit.de und der Zeitung.

Warum ist zeit.de so intransparent? Immerhin 325 Artikel werden angezeigt, wenn man dort nach Transparenz sucht. Und überall wird diese angemahnt oder über die Anmahnung anderer berichtet.

Extra-Hinweise vs. Standard-Hinweise

Und sind DIE ZEIT und zeit.de eigentlich dasselbe oder sind es getrennte Unternehmen und Redaktionen? Wieso gibt es einen „extra“-Hinweis, dass Wiwo und DIE ZEIT zum selben (nicht-existenten) Haus gehören? Wieso ist das kein selbstverständlicher Standard?

Die ZEIT-Medien haben ein hohes Image und sind gut beraten, alles dafür zu tun, dass das auch so bleibt. Sonst kommen die Verschwörungstheorien von ganz alleine. Und wenn die mal im Raum sind, kriegt man sie nur schwer wieder weg.

  • Hallo Herr Prothmann, ich habe diesen Eintrag gerade über meine diversen Alerts gefunden – und habe mich zugegebenermaßen darüber geärgert. Ich frage mich: Was tun Sie hier eigentlich gerade – und warum???

    Mal ganz sachlich: Das Buch erscheint bei dtv. Der Verlag gehört so sehr zu Holtzbrinck wie Dieter Bohlen in die Oper. Insofern stellt sich schon mal die Frage, wer von dieser angeblichen „Schleichwerbung“ überhaupt profitiert?

    Es ist ein Verlag, der mit Holtzbrinck in keinster Weise verwandt ist – und es sind zwei Berufskollegen, die zwar über die Holding (!) in derselben Verlagsgruppe arbeiten, jedoch nicht einmal in derselben Redaktion (und diese sind obendrein auch noch als Profitcenter, also unabhängig von einander, geführt). Und ja, wir (Tina und ich) kennen uns natürlich untereinander. Aber ich kenne auch Kollegen beim Managermagazin, bei der FTD, bei Capital und anderen Redaktionen. Die Branche ist überschaubar und ich bin lange dabei. So wie in der Bloggerszene auch.

    Deshalb mal anders gefragt: Wenn Sie also zufällig mal ein Buch eines bekannten Bloggers besprechen würden, den Sie persönlich kennen, vielleicht sogar mögen, muss ich Ihnen dann sofort unterstellen, dass Sie das ja nur tun, weil es sich um einen besseren Bekannten oder gar Freund handelt? Oder darf ich Ihnen so viel Selbstständigkeit im Denken und Handeln zutrauen, weil Sie das Buch vielleicht gelesen haben und wirklich gut finden?

    Was ich sagen will: Sie konstruieren hier eine Verschwörungsgeschichte von der Relevanz eines kippenden Maissacks in Mexiko. Ja, ich kenne Tina Groll, weil wir dieselben Themen behandeln. Sie hat unser Buch gelesen und mir gemailt, dass sie es einfach nur gut fand. Und weil es in ihr Ressort passt, hat sie es rezensiert. Punkt. That’s it. Big story? Ich glaube nicht…

    Sollte das Buch ein Bestseller werden (was ich natürlich hoffe), so profitiern davon zunächst mal dtv (der mit Holtzbrick so verwandt ist, wie Sie und ich) und ich sowie mein Co-Autor persönlich. Aber bis dahin müssen noch viele Bücher gedruckt und verkauft werden.

    Und jetzt frage ich mich: Wo ist da jetzt die Riesenenthüllungsstory???

    Was ich aber umgekehrt sehe, ist ein sehr reisserischer, konstruierter und aufmerksamkeitsheischender Artikel, der einen Sturm im Wasserglas erzeugt und dabei die Reputation einer Kollegin auf sehr manipulative Weise in Zweifel zieht ohne jede faktische Grundlage. Sie selbst schreiben, Sie hätte für eine Ihrer Spekulationen keinerlei Beweise – deuten aber dennoch subtil an, dass es so sein könnte. Das ist unseriös. Und ich würde mal behaupten, mit derselben Chuzpe, mit der Sie hier spekulieren, würden Sie jeden anderen Artikel der ZEIT (oder einer anderen Publikation) als hochgradig spekulativ und schlecht recherchiert zerreißen. Fair ist irgendwie anders.

    Deshalb bin ich gespannt, ob Sie auch soviel Ehre besitzen, derlei Spekulationen richtig zu stellen, wenn Sie etwas mehr Fakten kennen als nur Vermutungen.

  • pro

    Guten Tag Herr Mai,

    ich bin zugegebenermaßen erstaunt, dass Sie sich über diesen Text „ärgern“ – bis auf den Screenshot des zeit.de-Artikels und dem Ausdruck „Wirtschaftswoche-Autoren“ sind Sie doch gar nicht erwähnt worden und namentlich so auswechselbar wie Hinz oder Kunz.

    Verwundert bin ich ebenso über Ihre Frage, was ich „hier eigentlich gerade“ tue und „warum“. Die Antwort auf das Was und Warum ist einfach: Ich habe einen Text geschrieben. Das machen Autoren und Journalisten ständig. Das Phänomen sollte Ihnen bekannt sein.

    Zur Sachlichkeit: Der Anspruch dieses Artikels ist keine „Riesenenthüllungsstory“, sondern eine Dokumentation, wie schludrig und gegen die Selbstverpflichtung des Pressekodex ein Angebot wie zeit.de Informationen (nicht) veröffentlicht.

    Nach meiner Auffassung – die Sie nicht teilen müssen – sollte es ein Standard sein, auf „Verbindungen“ hinzuweisen. In der Wirtschaftsberichterstattung, so habe ich das mal gelernt, sind das wesentliche Informationen und ich nehme zur Kenntnis, dass Sie als Wirtschaftswoche-Autor dies offensichtlich nicht als Standard verstehen.

    Die Wirtschaftswoche (und andere verbundene Medien) wiederum wird häufiger als Quelle bei zeit.de zitiert oder es werden komplette Texte übernommen. Das nennt sich wohl „Content-Syndication“.

    Für die Leser ist nicht erkennbar, dass das berichterstattende und das zitierte Medium wirtschaftlich miteinander über eine Holding verbunden sind. Sie scheinen das als eine „Lappalie“ zu betrachten – Spekulationen über Ihre (naive) Berufsauffassung und Ihre wirtschaftsjournalistischen Kompetenzen erspare ich mir an dieser Stelle.

    Um Ihre Frage konkret zu beantworten: Wenn ich über Personen oder Unternehmen berichte, mit denen ich „verbunden“ bin, weise ich die Leser selbstverständlich darauf hin. Das ist eine Frage des journalistischen Anstands – die jeder für sich selbst beantworten muss.

    Das mag eine „Old-School“-Einstellung sein, die heute von vielen als „überholt“ angesehen werden mag. Ich halte das für wichtig und werde es für meine Arbeiten und die, die ich verantwortlich betreue, weiter so halten. Denn wäre es anders, gleitet der „Journalismus“ in journalistische PR ab, was heute leider eher der „Standard“ als ein „Versehen“ ist. Genau das ist meine generelle Kritik an der Art, wie bei zeit.de mit „Verbindungen“ umgegangen wird.

    Aus Sicht der Autorin ist der Hinweis auf „Wirtschaftswoche-Autoren“ wesentlich – man nennt das, glaube ich, Image-Dropping. Und selbstverständlich profitieren Sie und Ihr Co-Autor vom wirtschaftlichen Erfolg des Buches, so er eintritt, wie Sie ja selbst richtig geschrieben haben.

    Vielen Dank für Ihren Hinweis, dass die zeit.de-Redakteurin und Sie sich persönlich kennen. Das aber war überhaupt nicht Gegenstand meines Artikels. Es gibt auch keine derartige „Unterstellung“ im Text. Insofern wundert mich, dass Sie diese Sichtweise aufwerfen. Wie man diese Information nun einordnen sollte, kann jeder selbst spekulieren.

    Erstaunlich finde ich, dass Sie mir „Ehrlosigkeit“, „Unseriosität“ und „Manipulation“ unterstellen und mich zur „Richtigstellung“ auffordern. Haben Sie den Text nicht gelesen? Der Ablauf des Kontakts zur Autorin ist dort exakt wiedergegeben, die Gedanken zur Recherche sind beschrieben, die Zusammenhänge sind aufgeführt, das Thema „fehlende Transparenz“ ist umfassend dargestellt, Quellen und Verlinkungen sind dokumentiert. Ebenso habe ich eine Entschuldigung in Richtung der Autorin geschickt und nochmals im Text dokumentiert.

    Mit der Autorin hatte ich übrigens heute das erste Mal telefonisch Kontakt – die junge Dame war sehr emotional und ich erspare mir die Wiedergabe der Äußerungen dieses „Gesprächs“. Im Anschluss habe ich (trotz einiger Äußerungen) kleine Veränderungen am Text vorgenommen, denn die Kritik richtig sich erstens vordergründig nicht persönlich gegen die Autorin und zweitens nur untergeordnet gegen den konkreten Text.

    Es ist mir überhaupt nicht daran gelegen, die Reputation der Kollegin „manipulativ in Zweifel zu ziehen“. Ihre Äußerung dazu betrachte ich als „manipulative Unterstellung“.

    Und wenn Sie Luft holen und nochmals (komplex) nachdenken, wird umgekehrt „ein Schuh draus“: Die Autorin, die ganz im Gegensatz zu den sonstigen „Gepflogenheiten“ bei zeit.de in ihrem Text einen entsprechenden Hinweis auf die „Verbindung“ eingefügt hat, zeigt damit doch eine verantwortungsbewusste journalistische Haltung, wie sie standardmäßig bei einem Qualitätsmedium zu erwarten sein sollte.

    Thematisiert habe ich meinen Zweifel über meine eigene Wahrnehmung und dass der Hinweis (der mittlerweile korrigiert worden ist) inhaltlich unzureichend war.

    Die generelle Kritik meines Artikels richtet sich gegen die „redaktionelle Richtlinie“ (oder das (bewusste) Fehlen einer solchen), wie welche zusätzlichen, wesentlichen Informationen über Verbindungen von zeit.de zu anderen Medien transparent veröffentlicht werden oder eben nicht. Generell verantwortlich dafür zeichnen der Chefredakteur Wolfgang Blau und seine Stellvertreter, die ich übrigens alle nicht persönlich kenne.

    Mit besten Grüßen
    Hardy Prothmann

    P.S. Herr Mai -vielleicht sollte ich Ihnen beim wirtschaftlichen Erfolg des Buches helfen, es kaufen und sogar lesen – irgendwie scheint der Titel „Ich denke, also spinn ich“ ja zu meiner Auffassungsgabe und meiner Arbeit zu passen. Vielleicht verstehe ich dann auch gewisse „Psychotrick“-Sachen (vulgo Manipulationen) besser und schaffe es, nach einem langen, langen Anlauf, endlich Karriere zu machen. Was meinen Sie? Wird mir das Buch helfen? Woran soll ich glauben, an die „Dokumentation der „wissenschaftlichen Erkenntnisse“ oder an die ebenfalls dokumentierten „Einschränkungen“ derselben?“, wie es in der Buchbesprechung am Ende heißt?

  • Sascha Stoltenow

    Angesichts der Konsolidierung in der deutschen Mediemlandschaft finde ich die Hinweiseritis übertrieben, zumal sie die Steuerungsmöglichkeiten der Verleger über- und die Selbstverantwortung der Autoren unterschätzt. Aber das ist meine Meinung. Viel aufschlussreicher finde ich, dass Herr Mai zu den Nutzern des Deppensuperlativ „keinster“ gehört. Ein weiterer Grund das Buch nicht zu kaufen, und
    die Frage zu stellen, wie sich die Zitier- und Vermarktungsnetzwerke deutscher Publizisten tatsächlich konfigurieren. Qualität scheint
    nicht der wesentliche Grund zu sein.

  • Sehr geehrter Herr Prothmann,

    offenbar habe ich da einen Nerv bei Ihnen getroffen. Schön. Immerhin unterstellen Sie mir sogleich eine naive Berufsauffassung, eindimensionales Nachdenken und Kurzatmigkeit. Hab ich noch was vergessen? Falls ja, holen Sie das bitte nach! Am besten hier, auf Twitter und allen weiteren Plattformen, die Sie so bespielen, damit endlich mal jemand mitkriegt, wie viel Sie für den Journalismus leisten. Mindestens.

    Leider haben Sie in Ihrer gefühlt zwoundtrölfzigfach vertwitterten Replik übersehen, dass die Autorin ja auf die Verbindung hingewiesen hat – Sie ihr aber subtil unterstellen, das erst nachträglich eingefügt zu haben, jedoch ohne jeden Beweis dafür zu haben, was Sie aber sogleich eingeräumt haben.

    Das ist natürlich vorbildlicher Journalismus: Ich vermute was, nehme es aber gleich wieder zurück, weil ich es ja nicht beweisen kann, was ich auch zugebe, aber im Raum stehen lasse ich es eben doch, damit der Leser sich (Achtung: Service!) selbst ein Bild machen kann, aber natürlich nur das, was ich ihm damit subtil vermittele.

    Mit Verlaub, das halte ich, nunja auch nach tiefem Luftholen, angestrengtem Komlexdenken und dem Studieren des Bandes „Journalistische Berufsethik 2.0 nach Prothmann“ (inzwischen leider vergriffen) immer noch für tendenziös, unseriös bis böswillig. Sorry.

    Da kommen wir wohl nicht mehr zusammen. Macht aber nix. Mein Buch möchte ich Ihnen (Service! Sie erinnern sich?) aber nicht empfehlen. Es setzt beim Leser nämlich so etwas wie Selbstreflexion und Veränderungsbereitschaft voraus.

  • Jochen Mai

    PS: @Stoltenow
    Hahahaha – ein ganzes Buch wegen der Verwendung eines einzigen angeblichen Deppensuperlativs in einem Kommentar (sic!) in Zweifel zu ziehen, spricht natürlich für die intellektuelle Weitsicht und Urteilsfähigkeit eines, sagen wir, Kleinstgeistes.

    Sorry, ich muss hier raus. Zu viele Superlative anwesend…

    • Sascha Stoltenow

      @Mai: Ja!

  • pro

    Guten Tag Herr Mai,

    nochmal – das schwarze ist die Schrift. Wie Sie dem Text entnehmen können, habe ich erst Selbstzweifel geäußert (zu alt, schlampig).

    Ich habe den Vorgang transparent beschrieben und nicht in Zweifel gestellt, dass es einen Hinweis im Text gibt. Darüber hinaus habe ich offen gelassen, ob ich mich getäuscht habe oder ob der Hinweis später hineingeschrieben worden ist.

    „Klammheimliche Korrekturen“ werden immer wieder vorgenommen. Da ich nicht wissen kann, ob dem so war oder nicht, habe ich keine andere Möglichkeit, als dies offen zu lassen.

    Der Hinweis im zeit.de-Artikel war leider nicht zutreffend, was ebenfalls ganz offensichtlich korrigiert worden ist – nach der aufklärenden Lektüre meines Artikels hier.

    Leider muss ich bei Ihnen einen Tunnelblick feststellen oder so eine Art Wahrnehmungs-Amnesie. Wenn Sie meinen Kommentar vorher tatsächlich gelesen hätten, wäre Ihnen aufgefallen, dass ich der Autorin explizit eine vorbildliche Haltung „unterstellt“ habe (mal abgesehen von dem zunächst fehlerbehafteten Hinweis).

    Leider sind Sie komplett humorfrei und haben meine Ironie nicht verstanden. Ich habe kein Interesse das Buch zu lesen, wie ich auch keine anderen Psycho-Ratgeber lese, also son Zeugs wie Endlich glücklich sein, Erfolg macht frei, Entdecke Dich selbst.

    Wer sich gerne ein Bild machen möchte, wie Sie sich und Ihre Produkte präsentieren, kann das gerne bei Facebook tun:
    http://www.facebook.com/profile.php?id=1418280567#!/karrierebibel

    oder hier:

    http://karrierebibel.de

    Mit ähnlichem Marketing-Geschwurbel („Jeden Tag mehr Erfolg“) werden auch Waschmittel (weißer als weiß) oder Stoppt-garantiert-den-Haarausfall-„Produkte“ (mit der xy-Formel) ganz „seriös“ beschrieben.

    Sie können ganz sicher sein, dass wir nicht zusammenkommen, weil Ihre Denkwelt und meine garantiert nicht auf einen Nenner zu bringen sind – ich gehöre nicht zu den karrieregeilen Psychotikern, die auf der Suche nach einem attraktiven Arbeitgeber oder einem „Traumjob“ sind. Und schon gar nicht möchte ich zu einer „Leserfamilie“ gehören oder „ein laufend informierter Fan“ sein.

    Mein Vorschlag: Sie bibeln weiter vor sich hin, beschäftigen die Leute mit irgendwelchem Zeugs und ich mach den Ketzer – ist doch ne schöne Rollenverteilung.

    Und zum guten Schluss: Ich weiß gar nicht, warum Sie mir so blöd kommen, immerhin beherzige ich doch Ihre Tipps zu „erprobten Wegen, wie man sich aus der Masse hervorhebt“:

    „Polarisieren. Wenn Sie mutig genug sind, dann beziehen Sie eine stark zugespitzte, pointierte Position – ohne extremistisch oder fanatisch zu werden. Die Leute werden Sie dafür lieben oder hassen. Beides besser als ignoriert zu werden.“

    http://karrierebibel.de/drei-erprobte-wege-wie-sie-sich-von-der-masse-abheben/

    Was ich mir aber nicht antue, ist auch nur einen Gedanken auf Ihre „Karriere“-Frage: „Avatar – Wer hat den größten?“ zu verschwenden oder einen „Personal-Branding-Plan als Flussdiagramm“ zu entwickeln.
    http://www.facebook.com/karrierebibel?v=app_6009294086&ref=ts

    Beste Grüße
    Hardy Prothmann

    P.S. Meine Rolle gefällt mir übrigens besser, weil ich dann ganz böswillig behaupten kann, dass ich Sie und Ihren dreifaltigen, „checkgelisteten“ „Drei-Wege-Ratgeber-Blödsinn“ für scheinheilig halte.