Sonntag, 24. September 2017

Freakshow: Mainpost präsentiert die Nachrichten von heute für morgen also von gestern im Video

Heddesheim/Würzburg, 09. März 2011. Kennen Sie den Extraklassesuper-Service der Mainpost schon? Nein? Ist auch nicht wirklich schlimm. Wirklich schlimm ist die Umsetzung.

Von Hardy Prothmann

Die Mainpost bietet den Lesern im Internet einen neuen Service an. Redakteur Joachim Staab liest in der Mittagszeit die Themen vor, die am nächsten Tag in der Zeitung stehen werden. Das ganz wird per Video aufgenommen.

Nochmal: Ein Zeitungsredakteur liest den Zeitungslesern die Themen des nächsten Tages vor. Per Video. Im Internet.

Das ist, naja, erstaunlich.

Service der Mainpost: Langweiliger geht's nimmer. Quelle: Mainpost

Noch erstaunlicher ist, wie schmerzfrei der Kollege das macht.

Die Stimme hat keinerlei Dramaturgie, der Blick heftet sich aufs Blatt, die Versprecher werden alle dokumentiert, er sitzt wie festgeschraubt auf seinem Bürostuhl.

Dramaturige entsteht durch „Kopfwackeln“.

Im Hintergrund zwei Bildschirme und Störgeräusche – das Telefon klingelt, aber der Herr Staab kann grad nicht, er ist ja in einer Studiosituation und die Aufnahme läuft. Und dann wackelt er auch noch mit dem Kopf.

Mal ganz ehrlich? Geht’s peinlicher?

Liebe Redaktion der Mainpost. Es ist super, sich immer wieder mal was als Extraklass-Service auszudenken.

Dafür sollte man aber nicht die eigenen Leute der Lächerlichkeit preis geben.

Das fängt bei der Kleidung an. Man zieht keine gestreiften Hemden an. Das ist ein No-Go.

Grauslige Betonung.

Und dann die Sprache. Als Zeitungsredakteur ist man eben kein Sprecher, schon gar nicht im Video. Die Betonungen sind entweder nicht vorhanden, falsch oder sogar regelrecht „grauslig“.

Gebt dem Mann doch bitte ein paar Stunden Sprecherziehung. Und wenn’s nur unter dem Aspekt erfolgt: „Immer an die Leser denken“, die zwar hier Zuschauer sind, aber das ist Euch ja eh egal. Hauptsache Kundenbindung.

Und dann die Texte. Bitte, bitte, bitte macht die doch ein wenig interessanter: „Und morgen lesen Sie…“, „Das lesen Sie morgen…“ ist so langweilig wie es langweiliger überhaupt gar nicht geht.

Staabs Freakshow.

Sicher macht Herr Staab diese Freakshow, weil Ihr denkt, dass man den kennt.

Das mag sein, aber wäre es nicht ein wenig sinnvoller, einen jungen Kollegen das machen zu lassen? Oder sogar eine Kollegin mit toller Ausstrahlung, frisch und sympathisch, die einfach „Lust“ auf die Zeitung macht?

Oder wollt Ihr ganz bewusst diese dröge Form der Darstellung? Wollt Ihr, dass es „weh“ tut? Quält Ihr Eure Leser gerne?

Falls Euch das jetzt vollkommen überfordert hat – nicht meine Kritik macht Euer Superextraklasse-Angebot zum Gähner des Tages.

Das erledigt Ihr in der Form selbst.

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