Sonntag, 24. September 2017

Frau Görlitz und ich

Guten Tag!

Auf meinem Tisch stapeln sich die Themen und die zu schreibenden Artikel.

Dann mache ich die Post auf und finde die anwaltliche Aufforderung, etwas zu unterlassen.

Konkret: Äußerungen wie in diesem Artikel Das Drama der journalistischen Prostitution.

Dabei war ich schon froh, dass die Geschichte „Geschichte war“ und fest entschlossen, Geschichten dieser Art zu unterlassen.

Warum? Ganz einfach. Die Umsetzung des Kommentars war stilistisch Mist.

Warum? Auch ganz einfach. Ich habe mein Ziel nicht erreicht.

Der Kommentar sollte durchaus provokant auf einen ärgerlichen Missstand aufmerksam machen: Und zwar den meiner Ansicht nach minderwertigen Journalismus, der alltäglich in deutschen Lokalzeitungen geboten wird – ganz konkret von Frau Görlitz im Mannheimer Morgen über die Gemeinde Heddesheim.

Stattdessen habe ich mir jede Menge Kritik eingefangen – von LeserInnen und KollegInnen, die meinten, ich hätte zu arg aufgetragen.

Da ich nicht kritikresistent bin, habe ich mein Haupt gesenkt – den Ärger über mich selbst runtergeschluckt und mir vorgenommen, es künftig besser zu machen.

Das nehme ich mir übrigens jeden Tag vor und machmal gelingt es auch 😉

Was Frau Görlitz sich jeden Tag vornimmt, weiß ich nicht.

Jetzt ist das Thema wieder da und geht vielleicht vor Gericht.

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass ich mein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen habe – „künstlerisch“ spitz und provokant, von der äußeren Form her nicht gelungen, aber inhaltlich stehe ich unerschütterlich zu meiner Meinung, dass kritischer Journalismus essentiell ist – für eine stabile Demokratie.

Und ich kritisiere weiterhin die unkritische Berichterstattung der Frau Görlitz, beispielsweise hier:

Ballspiele – Amt, Eheleute, Partei, Bürgermeister und der MM

Jetzt habe ich mich mit diesem Anwaltsbrief befassen müssen und dafür wertvolle Zeit für die wartenden Artikel verloren.

Auch der Heddesheimer Bürgermeister Michael Kessler wollte mich schon einmal verklagen. Auch das hat viel Zeit gekostet:

Bürgermeister Kessler droht heddesheimblog mit Klage und fordert Unterlassung: Streitwert 15.000 Euro

Wahrscheinlich haben die Anwälte dem Bürgermeister geraten, die Sache fallen zu lassen – denn eine Schlagzeile: „Bürgermeister versucht kritischen Journalisten juristisch mundtot zu machen“, konnte er zu dieser Zeit nicht brauchen.

Und auch der Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Pfenning hat mir mit seinen Anwälten gedroht. Wegen dieser investigativen Geschichte:

Für Pfenning gibt es keinen ergebnisoffenen Dialog – Hallenvermarktung angelaufen

Angeblich hätte ich die Persönlichkeitsrechte der Marketing-Angestellten verletzt – Nitzinger hat nicht geklagt, obwohl ich ihn vor Zeugen förmlich darum gebeten haben: „Herr Nitzinger, lassen Sie Ihre Anwälte von der Leine, bitte!“

Wahrscheinlich haben seine Anwälte ihm gesagt: „Vielleicht kriegen wir ein Urteil gegen den Schmierfink, aber auf jeden Fall viel negative Presse. Diese Aufmerksamkeit können wir nicht brauchen.“ Doch das ist nur eine Vermutung.

Jetzt versucht also die MM-Redakteurin Anja Görlitz, der Konkurrenz juristisch beizukommen.

MM-Redakteurin Anja Görlitz droht dem heddesheimblog mit Klage

Soll sie – journalistisch fehlen ihr dazu anscheinend die Mittel.

Das ist sehr schade und äußerst bedauerlich.

Im Mai 2009 habe ich Frau Görlitz eine Zusammenarbeit vorgeschlagen – für eine journalistische Recherche.

Daran hatte sie kein Interesse.

Das habe ich akzeptiert – jeder, wie er will und kann.

Frau Görlitz hält sich ans Bewährte und nimmt Termine wahr und berichtet darüber, wie sie will und kann.

Interessant ist, dass gegen diesen Text Was Meinungsfreiheit bedeutet oder wie der MM die Meinung manipuliert keine Unterlassungserklärung erging – aber vielleicht kommt die ja noch, ihr Anwalt ist schließlich nicht der schnellste.

Unabhängig davon werde ich Frau Görlitz auch weiterhin loben. Das passiert zwar nicht sehr oft und manchmal weiß Frau Görlitz wahrscheinlich auch nicht, warum ich sie lobe, aber ich tue es:

“Verwaltung will nicht spekulieren”… doch genau das tut sie

Mein Kommentator Helle Sema hat Frau Görlitz auch schon gelobt:

Respekt, Frau Görlitz!

Manchmal wusste er nicht, ob er loben oder kritisieren sollte:

Von Äpfeln und Birnen

Helle Sema kann aber auch anders:

Wider einer verantwortlichen Berichterstattung

Und manchmal kommentiert er auch die Texte von Kollegen von Frau Görlitz, in diesem Fall Ulrich Roth:

Hält der Mannheimer Morgen seine Leser für vollkommen verblödet?

Gar nicht ok ist es, wenn nicht nur nicht recherchiert, sondern sogar erfunden wird:

Mannheimer Morgen erfindet “Pfenning-Investorengesellschaft”

Ganz streng wurde meine Kritik in diesem Text, der belegt, wie Frau Görlitz „recherchiert“ und was von den Ergebnissen zu halten ist.

“Fakten” als “Auftrag”? Die Berichterstattung des MM

Ich bin dann mal gespannt, ob gegen alle diese Texte eine „Unterlassungserklärung“ beansprucht wird.

Unabhängig davon habe ich noch diesen Stapel von Informationen vor mir.

Alle wollen geprüft und berichtet werden.

Und für viele Themen gilt: Bleib wachsam und überlege genau, ob Herr Kessler, Herr Nitzinger, Frau Görlitz oder sonstwer vielleicht versucht sein könnte, einen Anwalt zu beauftragen, einen Brief mit der Forderung auf Unterlassung zu schreiben.

Und ich bin mal gespannt, ob Herr Braun, der Anwalt von Frau Görlitz eine Urheberrechtsklage gegen mich anstrengt.

Immerhin hat er darauf hingewiesen, dass das Zitieren seines anwaltlichen Schreibens auch in Teilen „nicht zulässig“ sei.

Klingt absurd? Vielleicht wird es so verständlich: Herr Braun ist neben seiner anwaltlichen Tätigkeit auch „freier Journalist“. Und vielleicht hält er deswegen seine anwaltlichen Schreiben für „urheberrechtlich geschützte Werke“.

Und, achja, Herr Braun arbeitet manchmal für den Deutschen Journalistenverband, der größten Journalisten-„Gewerkschaft“ des Landes, die aber auch gerne PR-Leute als Mitglieder aufnimmt. Und Herr Braun schult Anzeigenverkäufer – ein Tausendsassa also.

Wird das alles zu kompliziert? Irgendwie schon – deswegen widme ich mich jetzt wieder einfacheren Aufgaben und arbeite weiter an meinen Artikeln.

Einen schönen Tag wünscht

Hardy Prothmann

 

 

 

 

 

 

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