Montag, 01. Mai 2017

Deutschlands bekanntester Medienjournalist verabschiedet sich - auch von Kritik

Ein Jahr Krautreporter und keiner stellt Fragen

Mannheim/Berlin, 17. Juni 2015. Der Stefan Niggemeier macht oft ne echt gute Arbeit. Nur in eigener Sache nicht so wirklich. Das nennt man einen blinden Fleck. Den hat man, wenn man part of the story ist. Aktuell bloggt er, dass er kein Krautreporter mehr ist, dabei war er einer der besten. Der Verlust ist also krass – geht Jens Weinreich auch noch, wird es rar mit bekannten Namen. Da muss sich schon ein Naiver selbst in den R√ľcken treten, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Ist der Teaser „innovativ“ genug, um Interesse zu wecken? Egal, hier sind die Fragen.

Krautreporter sollte ein Reporter-Projekt sein und hat ne runde Million Euro eingesammelt. Dabei ist den Machern Sebastian Esser und Philipp Schw√∂rbel irgendwann aufgefallen, dass es 19 Prozent weniger sind, weil sie die Umsatzsteuer abf√ľhren m√ľssen. Egal, bleibt ja noch ne Menge Kohle.

Rund 30 Autoren sollten mindestens ein Geschichte pro Woche liefern und daf√ľr ordentlich bezahlt werden. Schlie√ülich galt es, den kaputten Online-Journalismus zu reparieren, was die Krautreporter schaffen w√ľrden, dessen waren sie sich sicher.

  • Wie viel Geld wurde tats√§chlich zum Ende der Kampagne eingesammelt?
  • Wie viel Geld wurde f√ľr die „Software“ ausgegeben?
  • Wie viel Geld kosten Herausgeber, Gesch√§ftsf√ľhrer und Chefredakteur monatlich?
  • Wie viel Zeit hat der Chefredakteur Alexander von Streit f√ľr seine Aufgabe verwendet? Was ist sein Konzept?
  • Wie viele der 30 Autoren haben w√∂chentlich eine Geschichte geliefert?
  • Wie viel Geld gab es f√ľr die Arbeit? Wurden alle gleich bezahlt oder manche gleicher?
  • Wie viel Geld wurde sonst f√ľr die Verwaltung aufgewendet?
  • Wie viel Geld floss in Honorare, wie viel woanders hin?
  • Wie viele „Unterst√ľtzer“ bleiben?
  • Wie transparent ist Krautreporter?
  • Hat Krautreporter auch aus anderen Quellen Geld erhalten? Wenn ja, von wem?
  • Gibt es mal ein paar sonstige Zahlen zu Reichweite, Lesern usw. oder ist das egal, weil nicht werberelevant?

Mit diesen Fragen könnte man mal anfangen Рauch ein @niggi. Oder auch nicht, denn er war part of the system.

Ich hab keine Zeit daf√ľr, ich k√ľmmer mich um mein http://rheinneckarblog.de

 

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.