Freitag, 28. April 2017

Die Logik der Verhöhnung

Von Hardy Prothmann

Bei Anne Will diskutieren sehr gut verdienende Menschen darüber, ob fünf Euro mehr pro Monat für Hartz-IV-Empfänger genug sind.

Nicht für Alkohol, nicht für Zigaretten. Für den „Lebensunterhalt“.

Bundesministerin Ursula von der Leyen sagt sinngemäß, dass 359 Euro plus die zusätzlichen fünf Euro, also 364 Euro, genau der Betrag vom Lohn sei, mit dem arbeitende Menschen, wie die Frisöse, die Bäckereiverkäuferin und viele andere Berufstätige statistisch gerechnet im Monat auskommen müssen – um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

Sie folgert logisch, dass jemand, der nicht arbeitet, nicht besser gestellt sein könnte, weil sonst die, die arbeiten, verhöhnt werden. Das sagt ja auch das Bundesverfassungsgericht so irgendwie.

Über die Tatsache, dass die Menschen, die arbeiten, verhöhnt werden, weil sie so wenig verdienen, dass ihnen nur unvorstellbare 364 Euro in diesem reichen Land zum Leben bleiben, wird nicht diskutiert.

Wenn vier Bundesminister an einem Tisch im Restaurant sitzen, sind 364 Euro eher normal bis wenig. Für eine „familiäre“ Zusammenkunft. Für eine. Naja, vielleicht auf für zwei. Der durchschnittliche Monat hat aber 30 Tage.

Darüber wird nicht diskutiert. Auch nicht darüber, dass diese Menschen, die ohne Hartz-IV, aber auf Hartz-IV-Niveau arbeitend leben, spätestens in der Rente zu Almosenempfängern werden.

Michael Rogowski (früherer BDI-Chef, der sich als Rentern-Lobbyist noch was dazuverdient, weil wahrscheinlich seine Rente nicht langt) sagt, Mindestlöhne würden noch die letzten Arbeitsplätze für diese Menschen vernichten.

Herr Rogowski will also diese Menschen, die in Lohn und Brot sind und von 364 Euro leben, unter Harz-IV-Niveau drücken, damit diese weiter arbeiten können. Wahrscheinlich findet er das sozial und verantwortlich.

Dann müssen nämlich, logisch, auch die Hartz-IV-Sätze weiter sinken. Denn sonst, ich denke jetzt nur logisch, würden ja die Niedriglohnempfänger, die ja von weniger als einem Mindestlohn leben, verhöhnt.

Das ist, mit Verlaub, einfach nur eine Logik der Verhöhnung.