Samstag, 23. September 2017

Än Monnemer Vollbluddschornalischd plotzt über Monnem als Magadzin

„Dass es am Ende PR ist – egal“

Mannheim, 21. März 2014. Ralph Kühnl ist ein…. Nein, anderer Anfang. Ralph Kühnl nennt sich Journalist. Tatsächlich ist er Moderator bei RNF. Das ist angeblich ein journalistisches Regionalfernsehen. Wenn der Ralph mal kein Fernsehen macht, dann bloggt er vor sich hin und bespricht Anzeigenbeilagen. Und wenn ihm die gut gefallen, dann hält er die für „ein wahrnehmbar externes Magazin, ein journalistisch-glaubwürdiges Produkt. “ Er hat quasi sein Hobby zum Beruf gemacht. Oder umgekehrt. Von Hardy Prothmann Und weil die PR-Gruppe der Süddeutschen Zeitung ein Mannheim Magazin gemacht hat, ist der Ralph ganz arg froh: „Irgendwie ist es beruhigend, dass die Münchner Macher mit ihrem “unverstellten Blick von außen” nichts dramatisch Neues entdeckt haben, das uns einheimischen Medienmachern früher verborgen geblieben wäre.“ Da ist der dem Ralph also erst das Herz in die Hose gerutscht und dabei hätte er sich so gar keine Sorgen machen müssen. PR kann eben doch nicht mehr als die einheimischen Medienprofis.

 

Und der Ralph ist ein ganz einheimischer. Auf Twitter nennt er sich unter anderem @kirscheplotzer. Da hat er sich zwar verschrieben, weil das eigentlich Kerscheplotzer heißt. Ein Kerscheplotzer (auch Kärscheblodzer) ist einer, der Kirschen plotzt. Also Kirschen futtert und die Kerne ausspuckt. Einer, der die Ruhe weg hat. Puh, nochmal Glück gehabt, dass PR-Leute nix anderes finden als Regionalfernsehmoderatoren. Erschd ämol ä paar Kersche plotze. Und der Ralph, der freut sich, so richtig, denn: „Am 26. März wird es der “Süddeutschen Zeitung” beiliegen und so in jeden Winkel der Republik verteilt werden.“ IN JEDEN WINKEL DER REPUBLIK. !!! Wow. Das heißt soviel wie, jeder Deutsche kann das Mannheim Magazin lesen. Mindestens jeder Deutsche.

mannheim magazin kuehnl

Gelernt ist halt gelernt – Hauptsache viele Namen und Funktion hintereinanderreichen und alle sind glücklich und zufrieden und alles ist toll. Das ist echter Plotzerjournalismus.

Die Süddeutsche ist vermutlich auch sehr froh, dass es das Mannheim Magazin gibt. Hat man sich doch dort gerade von Russland heute verabschiedet. Weil es PR für Russland macht. Und wer ist Russland? Richtig. Putin. Und der ist arg, arg böse, deswegen kann man mit dem einfach gar kein Geld mehr verdienen. (So wie der Gathmann keins mehr bei Zeit online verdienen kann und jetzt auf Sauerkirschen ist.) Aber der Dr. Peter Kurz, dass ist der Chef von Mannheim als Oberbürgermeister, der ist ein guter Mann. Und einer, der was ausprobiert, mit Facebook und so. Der hat jetzt einen im Stadtmarketing, der heißt Georg Sahnen (keine Witze bitte) und ist old school – deswegen macht man ja auch teure Print-Zeitungsbeilagen. Denn Mannheim braucht Zuzug – auch gerne von Zeitungslesern über 60 anscheinend und aus jedem Winkel der Republik. Im Moment ziehen leider grad vor allem Südosteuropäer nach Mannheim. Deswegen ist der Ralph auch so ganz aus dem Häuschen – denn der Ralph ist clever. Seinen Fernsehsender gucken nämlich auch viele über 60, naja, vielleicht sind sogar noch mehr über 70. Und wenn die alle nach Mannheim kommen, ja dann gehen die Quoten… Na was? Durch die Decke. Ich sehe den Ralph schon, wie der lacht und sich freut. So freudegetränkt liest sich auch sein PR-Text, gar nicht so lächelnd steifseriös, wie er immer im Fernsehen rüberkommt.

„Dass es am Ende PR ist – egal“, sagt der Regionalfernsehjournalist, der das durchaus vollkommen ernst meint und verabschiedet sich aus einer arbeitsreichen Woche ins wohlverdiente, kuschelige Wochenende. Vielleicht mit ein paar niedlichen Waschbären? Vergessen hat er nachzufragen, was denn sowas kostet – aber das ist ja auch dippelschisserisch, wie man hier sagt Blöde Journalistenfrage. Online gibt es das tolle neue Magazin auch ab 28. März zu lesen.

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  • Guten Morgen, Hardy.

    Lieben Dank für Deine Replik auf meinen Post. Lass‘ mich bitte nur zu einem meiner Meinung nach wichtigen Punkt Stellung nehmen: Das Zitat, auf dem Dein Artikel aufbaut, ist falsch.

    Du schreibst:

    „Wenn der Ralph mal kein Fernsehen macht, dann bloggt er vor sich hin und bespricht Anzeigenbeilagen. Und wenn ihm die gut gefallen, dann hält er die für ‚ein wahrnehmbar externes Magazin, ein journalistisch-glaubwürdiges Produkt.'“

    Ich schreibe:

    „Freilich – Herausgeber des Heftes ist, das geht aus dem Impressum hervor, das Stadtmarketing Mannheim. Gleichwohl betont Georg Sahnen, Geschäftsführer des Stadtmarketings, den journalistischen Ansatz des Heftes, das ’nicht zu werblich werden sollte‘. Es sei ein wahrnehmbar externes Magazin, ein journalistisch-glaubwürdiges Produkt.“

    Daraus geht sehr eindeutig hervor, dass der Satz, den Du in Anführungszeichen mir zuschreibst, von Herrn Sahnen stammt. Ich zitiere ihn durch indirekte Rede im Konjunktiv I. Kennste?
    (http://www.mein-deutschbuch.de/grammatik/verben/konjunktiv1.pdf)

    Das ist jetzt ein bisschen doof für Deinen Artikel, weil dadurch Dein Argumentationsfaden bereits am Anknüpfungspunkt, sogar schon im Teaser, abreißt. Noch einmal in aller Deutlichkeit:

    ICH sage: „Herausgeber ist das Stadtmarketing.“ Mithin ist das gesamte Heft eine PR-Veranstaltung.

    HERR SAHNEN sagt: „…’ein wahrnehmbar externes Magazin, ein journalistisch-glaubwürdiges Produkt.'“

    Soweit klar?

    Ein falsch zugeordnetes Zitat – das wäre unter den Gesichtspunkten sorgfältigen journalistischen Arbeitens halt schon ein grober Anfängerfehler. Aber es ist ja Dein privates Blog. Da kann man sowas schonmal durchgehen lassen. Zumal um Mitternacht, wenn es mit der Konzentration nicht mehr so weit her ist, gell.

    Und wenn nun die Grundthese schon nicht mehr stimmt, ist halt auch der Rest des Artikels mehr so… ja… Brei. Du schreibst:

    „Und weil die PR-Gruppe der Süddeutschen Zeitung ein Mannheim Magazin gemacht hat, ist der Ralph ganz arg froh: ‚Irgendwie ist es beruhigend, dass die Münchner Macher mit ihrem ‚unverstellten Blick von außen‘ nichts dramatisch Neues entdeckt haben, das uns einheimischen Medienmachern früher verborgen geblieben wäre.‘ Da ist der Ralph [sic!] also erst das Herz in die Hose gerutscht und dabei hätte er sich so gar keine Sorgen machen müssen. PR kann eben doch nicht mehr als die einheimischen Medienprofis.“

    Bleiben wir kurz beim Inhalt. Der zitierte Absatz in Zusammenhang mit dem von Dir erstellten Screenshot macht klar: Auch die Münchner mit ihrem „unverstellten Blick von außen“ (auch das ist übrigens ein Zitat aus der Veranstaltung und als solches gekennzeichnet; nicht meine Meinung und nicht meine Wortwahl) haben am Ende nichts Neues gefunden, was Mannheim über die Maßen hinaus positiv kennzeichnen würde.

    Und damit kommen wir zur eigentlichen Aussage meiner Darstellung, die Du ganz offenbar so überhaupt nicht begriffen hast: Die beiden Absätze zusammen genommen bergen einen gewissen Sarkasmus. Nicht so Dein Ding, ich weiß. Bei allem erkennbaren Bemühen, ein modernes Magazin auf die Beine zu stellen, landen auch die Münchner am Ende bei den immer üblichen verdächtigen (Vorzeige)-Orten und -Personen: Jungbusch, Kreativwirtschaft, Joy Fleming, Internationalität, name it. Ich hab’s ja hingeschrieben. Letztlich ist das neue, (unbeeinflusste? – wohl eher nicht…) von außen gesteuerte Magazin genau so ein Kompromiss, in dem sich die etablierten städtischen Institutionen wiederfinden (wollen) wie alle anderen Stadtmarketingpublikationen. Die Alternative aus München ist bei genauerem Hinsehen der bekannte Mix, nichts anderes. DAS steht in meinem Text. Du musst es nur lesen. Mit anderen Worten: Es hätte kein Münchner Team gebraucht, um das alles zusammen zu stellen. Außer eben, wenn man es bewusst in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichen will. Aus Gründen: Die Auflage der SZ liegt bei rund 400.000, vermutlich mit einer überproportional hohen Zahl an Meinungsbildnern in der überregionalen Leserschaft. Wenn man sie auf diese Art erreichen kann einen Moment lang Mannheim auf ihren Wahrnehmungsschirm bringt, ist das Ziel der Kampagne erreicht.

    Ordnet man als Betrachter von Beginn an ein, dass es sich bei der Verlagsbeilage um einen Teil einer überregional ausgerichteten PR-Kampagne handelt (und nicht anders habe ich das jemals gesehen, auch wenn Du mir gerne das Gegenteil unterstellen magst), dann halte ich unter (Stadt-)Marketing-Gesichtspunkten die Auftragsvergabe an die SZ Publishing für einen nachvollziehbaren Schritt. Das Heft ist als PR-Publikation gut gemacht, die Texte sind eingängig. Da will ich den Autoren gar nicht am Zeug flicken. Vermutlich haben sie für einen für Nicht-Mannheimer einen ansprechenden Themenmix und eine gute Art der Präsentation gefunden. Ob das Heft zündet oder nicht, ob sich Ausgabe für das Stadtmarketing – in welcher Höhe auch immer – lohnt oder nicht… weiß ich nicht. Ich hatte aber auch nicht den Anspruch das zu ergründen. Wie auch? Das Magazin ist noch nicht erschienen, es sind keine Auswertungen gelaufen, alles Weitere wäre Spekulation. Eine Chance soll es haben.

    Dass das Heft als Beilage einer der größten überregionalen Zeitungen physisch bis in den letzten Winkel der Republik kommt, ist wohl unbestritten. Du schreibst: „Das heißt soviel wie, jeder Deutsche kann das Mannheim Magazin lesen. Mindestens jeder Deutsche.“ Nö. Heißt es gar nicht. Hat keiner jemals behauptet. Ich jedenfalls nicht. Lies halt richtig hin und interpretiere nicht mitternächtens irgendeinen Käse daher.

    Wie auch immer. Ich lass‘ es gut sein. Ich hab‘ auch keinen Bock auf Popcorn. Mein Vorschlag: Lass‘ Deinen Artikel einfach so stehen wie er ist. Er gibt auf vielfältige Weise Einblick in Deine Arbeitsweise, Deine Argumentationslinien, Deine Art Folgerungen zu ziehen und Dinge zu verquicken. Das ist auf eine gewisse Weise entlarvend. Selbstentlarvend. Und das ist ja dann auch eine Art von Enthüllungsjournalismus.

    • hardyprothmann

      Guten Tag Ralph,

      das Zitat ist „richtig“, die Zuordnung war nicht genau. Da ich kein Problem habe, das zu korrigieren, habe ich es korrigiert. Und siehe da: Der Text funktioniert immer noch. 😀

      Warum nutzt Du eigentlich Konjunktiv, wenn Du ihn auch direkt zitieren kannst? Und warum zitierst Du ihn ohne Einordnung?

      „Unverstellter Blick“ ist also ein Zitat. Von wem nochmal? Immer noch dieselbe Person wie viel weiter oben oder eine andere?

      Das mit dem Sarkasmus habe ich tatsächlich nicht begriffen – wo ist das Signal versteckt? Vielleicht hier? – „Das Rezept “Szeneviertel + Internationalität + Mannemer Original” geht auf: das Interview gehört zu Highlights des Heftes, das tatsächlich immer dann am besten funktioniert, wenn es Personen in den Mittelpunkt stellt. “

      „Es hätte kein Münchner Team gebraucht, um das alles zusammen zu stellen. Außer eben, wenn man es bewusst in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichen will. “ – Die Süddeutsche liefert auch Beilagen aus, die nicht aus dem Haus Süddeutsche kommen, soweit ich weiß.

      „Dass das Heft als Beilage einer der größten überregionalen Zeitungen physisch bis in den letzten Winkel der Republik kommt, ist wohl unbestritten.“ – Guckstdu und vergleichst Du meinen Käse mit Deinem Käse: http://sz-media.sueddeutsche.de/de/beilagen/verbreitung.html

      Lieber Ralph, Enthüllung geht bei mir anders. Beispiel (mit RNF drin): http://www.heddesheimblog.de/21/swr-verbreitet-ungeprueft-pressemitteilung-im-wahlkampf/33488.html

      Und Schreibfehler, die jemand findet, darf jeder behalten. Dein (sic!) gehört übrigens hinter der und nicht Ralph.

      „Dass es am Ende PR ist – egal. Letztlich erhebt die Publikation nicht den Anspruch, ein journalistisches Produkt zu sein.“

      Du bekommst das alles – so mein Eindruck – schon längst nicht mehr auseinandergehalten. „Brei“ halt. Irgendwie ist es egal, ob Journalismus drin steckt oder PR. Hauptsache gut gemacht. Hauptsache „uns Medienmacher“.

      P.S. Klar brauchst Du kein Popcorn. Du plotzt ja auch Kirschen.