Sonntag, 24. September 2017

Das Schweigen der Lämmer oder wie katholisch muss man sein…

… um alle diese schrecklichen Nachrichten verkraften zu können?

Heute ist kein guter Tag! Schon gar kein „guter Freitag“.

Heute ist Karfreitag. Der Tag der Trauer und der Klage.

Katholische Christen müssen heute nicht nur den Tod von Jesus Christus beklagen, sondern auch den Tod des Glaubens an eine barmherzige und gnädige Kirche.

Die vergangenen Wochen waren geprägt von immer neuen Nachrichten über den Missbrauch von Kindern, meistens Jungs, die durch pädophile Pfarrer, durch katholische „Geistliche“ missbraucht wurden.

An Körper, Geist und Seele.

Was bis heute fehlt, ist die detaillierte und schonungslose Schilderung, wie so ein „Missbrauch“ abläuft.

So genannte „schutzbefohlene Kinder“ mussten die Schwänze von Pfarrern lutschen oder sich von diesen ihre eigenen, noch „unschuldigen“ Genitalien begrabschen und belutschen lassen – gegen deren Willen, aber vielleicht mit einer Fügung ins Schicksal.

Waren die Schwänze wenigstens gewaschen?

Nach was schmeckten sie?

Waren sie groß oder klein?

Passten sie in den Mund oder nicht?

Waren sie beschnitten oder nicht?

Waren sie haarig oder rasiert?

Sollte, musste, durfte man die Hand oder beide Hände benutzen?

Kam was raus, wenn man lange genug gelutscht hatte?

Wie schmeckte einem das?

Salzig oder süß?

Gabs eine Belohnung?

Wurde man mit einer Krankheit infiziert?

Spielt AIDS eine Rolle?

Ist es wirklich so, dass alles ganz lange her ist?

Werden seit zehn, zwanzig Jahren keine katholischen Schwänze mehr gelutscht?

Ehrlich, wenn auch nicht gnadenlos, ist der Text des Schriftstellers Bodo Kirchhoff dazu:

Erinnerungen: Sprachloses Kind – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Kultur

Die Katholiken unter uns dürfen beruhigt aufatmen. Kirchhoff beschreibt den sexuellen Missbrauch durch einen evangelischen „Geistlichen“, den er Winnetou nennt.

Und beide Gruppen, die Katholen und die Evangelen dürfen aufatmen, wenn sie dieses sehr gute Interview in der taz lesen. Denn dann wissen sie, dass nicht die „Geistlichen“, sondern die „Onkels“ die schlimmsten Knabenlutscher und Kinderficker sind:

Sexualtherapeut über Missbrauch: „Pädophile werden gerne Pädagogen …

Das Interview thematisiert einen entscheidenden Konflikt: Ist der „Täter“ wirklich „Täter“ oder auch ein „Opfer“?

Diese Frage ist eine wissenschaftliche, rechtliche und theoretische.

Ich möchte jedenfalls meiner Tochter nicht wissenschaftlich, rechtlich oder theoretisch erklären müssen, wie es zu dem Missbrauch kam. Auch meinem Sohn möchte ich das nicht erklären müssen.

Ich wünsche mir für meine Kinder, dass sie sich und ihre Partner freiwillig entdecken können. Dass sie ihre Lust und ihre Freude, ob hetero- oder homoerotisch, nach Lust und Laune erleben und erforschen.

Und ich würde mir wünschen, dass jeder Missbrauch so gnadenlos aufgeschrieben wird, wie er begangen worden ist.

In allen Details.

Denn dann kann man dem Teufel ins Gesicht sehen. Dann weiß man, wie das ist.

Sonst bleibt alles nur „belangloses Geschwätz“, wie der Papst das nennt.

Frohe Ostern

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