Samstag, 23. September 2017

Ich blogge jetzt mal ganz meinungsmäßig zu den Krautreportern ohne Filter

Danijel Višević geht mir auf den Sack

Mannheim, 22. Mai 2014. (red) „Danijel Višević ist Fernsehreporter bei der Deutschen Welle, spezialisiert auf IT und Startups. Seit zwei Jahren produziert er die Serie „Startup Berlin – Stadt der Ideen“, die unter anderem für den Deutschen Wirtschaftsfilmpreis nominiert wurde. Aktuell viel spannender dürfte für ihn allerdings das Krautreporter-Magazin sein, für das er über seine Themen künftig berichten soll – insofern es an den Start geht.“ Da schreibt „upgrademeblog.com“. Gescheite Fragen stellt das Promo-Interview aber nicht. Das hole ich nach.

Von Hardy Prothmann

Alle Zitate hier bei upgrademeblog.com

Herr Višević, Sie behaupten:

Online-Journalisten werden heute stark daran gemessen, wie viele Klicks ihre Arbeit generiert. Das erzeugt Druck und ein Kämmerchen im Hinterkopf, in der die Frage nistet: Wie kann ich möglichst viel werberelevantes Publikum ansprechen? Diese Frage stellt sich mal laut, manchmal auch nur leise, doch sie ist immer da. Und sie überlagert journalistisches Arbeiten häufig in vor allem einer sehr destruktiven Weise: Sie tötet Recherche.

Mit welchen Fakten können Sie das belegen? Haben Sie ein Beispiel? Können Sie bei uns auch nur ein Beispiel einer „getöteten Recherche“ benennen? Herr Višević, Sie behaupten:

Gute Geschichten brauchen gute Recherche, doch Recherche generiert keine Klicks. Folglich fühlen sich Journalisten häufig gezwungen, schnelle und oberflächliche Beitrage zu liefern statt ausgeruhte und in die Tiefe gehende Geschichten.

Herr Višević, wir machen die gegenteilige Erfahrung – vor allem gut recherchierte Geschichten werden bei uns am Besten gelesen. Woher beziehen Sie die Kenntnisse für Ihre Aussage?

So etwas zu behaupten wäre anmaßend und realitätsfern – es gibt viele Beispiele für ausgezeichneten Journalismus, der werbefinanziert ist, und ihn wird es in Zukunft auch weiterhin geben. Nur ist man als werbefinanzierter Journalist in seiner Arbeit nie absolut frei und unabhängig: Selbst mit der besten Geschichte kann man Werbekunden verlieren, gerade wenn sie sich auch nur ansatzweise gegen sie richtet. Im extremen Fall kann eine gute Geschichte also wichtige Finanzierungsquellen zerstören.

Haben Sie einen Beleg dafür? Wir können das Gegenteil belegen – einer unserer Kunden hat nach einer harten Recherche und Berichterstattung „trotzdem“ unterschrieben. Frage: Haben Sie schon mal relevant für ein werbefinanziertes Medium gearbeitet oder kam das Honorar immer nur werbefrei vom Steuerzahler? Aha:

Und ja, ich selbst habe auch erlebt, dass Geschichten abgelehnt wurden aus Rücksicht auf Werbepartner. Es sind Geschichten sogar erst gar nicht angegangen worden, aus Angst vor Werbekunden.

Gibt es auch Butter bei die Fische oder nur Huhu?

Das kann beziehungsweise will ich nicht, weil ich mir damit absehbar eine Menge Ärger einhandeln würde.

Achso. Also nur Huhu. Ja, klar. Dafür hat doch jeder Verständnis. So ganz so neu wird Krautreporter dann doch nicht – man kennt ja seine Kinderstube. Wie haltet Ihr es mit der Objektivität?

Objektiven und neutralen Journalismus gibt es nicht, jeder Journalist hat eine Meinung, auch wenn er vorgibt, objektiv zu berichten. Natürlich wird bei uns Meinung stattfinden, ganz einfach schon aus dem Grund, weil allein journalistische Arbeit schon Meinung ist: Entscheide ich mich zu einem Thema etwas zu machen, entscheide ich mich gleichzeitig gegen andere Themen. Zack, Meinung.

Sehr geil – das hat mich jetzt voll überzeugt.

Was wir uns mit Krautreporter ermöglichen wollen ist vor allem, mehr Zeit für Recherche zu haben. Als Resultat werden wir zweifelsohne die von Dir genannten Themen noch besser beobachten können – freier, fundierter und kritischer. Mir selbst fehlt bei der Deutschen Welle dafür die Abspielfläche: Nur Reportagen mit einer maximalen Länge von fünf Minuten kann ich hier unterbringen. Und Beiträge mit aufwändigerer Recherche werden mit dem Standardsatz bezahlt. In der Folge versuchen manche Reporter Stücke zu machen, die schnell zu erledigen sind. Gut für den Journalismus ist das nicht.

Sauber. DW ist also kaputter Journalismus. Danke für die Auskunft. Ihr Brötchengeber wird sich freuen.

Die Pauschalen sind für Reporter gedacht, die Texte erstellen. Ich als Fernsehmensch kann ehrlich gesagt schwer einschätzen, ob das viel oder wenig ist. Für mich als Videomacher kann ich sagen, dass ich für dieses Geld eine tief recherchierte Reportage liefern kann, die fünf bis 15 Minuten lang ist. Es gibt Geschichten, die hat ein Experte in zwei Tagen durchaus tief recherchiert, weil er sich in der Thematik auskennt und weiß wen er anrufen muss und wen er wann und wo treffen kann.

Sehr geil – also eine Geschichte. Bekommen Sie dann 10.000 Euro für vier Geschichten oder machen Sie keine Geschichte unter 2.500 Euro? Was wissen Sie sonst noch so über Honorare im Journalismus?

Experten recherchieren also Stories, wenn man weiß, wen man wann und wo treffen kann. Ui. Was sind Sie nochmal für ein Journalist? Ach ja, für Start-ups und Tech und so. Und für nen Preis warenSe auch schon mal vorgeschlagen. Und in die Hölle des werbefinanzierten Journalismus sind Sie auch schon abgestiegen, wobei Ihr investigatives, transparentes Talent aber nicht ausreicht, mal Tacheles zu reden, obwohl Sie gerne demnächst nicht werbefinanziert, sondern gecrowdfoundet finanziert arbeiten wollen.

Andere Frage: Wen wollt Ihr eigentlich verarschen?

Oh – ich bin gespannt auf die Antworten, Herr Višević. Bis dahin gehen Sie mir echt auf den Sack.

Anmerkung: Herr Danijel Višević, ist nicht persönlich gemeint, sondern nur geschäftlich. Wir kennen uns nicht, Sie sehen ganz sympathisch aus, aber Bullshit-Interviews darf man als Bullshit-Interviews bezeichnen, wenn Leute wie Sie antreten, um was Kaputtes wieder zu reparieren und dabei nur Schrott reden. Meinen Sie nicht auch?

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  • Sehr, sehr geil.

    Mir geht Herr Višević mit seinem unqualifiziertem Gelaber auch ganz schön auf den Zeiger. Bezogen auf deinen Artikel eine Anmerkung, was ich besonders bemerkenswert finde:

    „Was wir uns mit Krautreporter ermöglichen wollen ist vor allem, mehr Zeit für Recherche zu haben.“

    Dieser Satz spricht Bände, zeigt er doch, dass es nicht zuerst um zahlende Kunden geht, sondern um das Wohl der Krautreporter.

    Das ist ein Trugschluß, dem so viele deutsche Unternehmen nach wie vor unterliegen, sowohl mental, als auch in Sachen PR. In den USA und anderswo ist schon seit 10, 15, teilweise 20 Jahren ein ganz klarer Trend vorhanden:

    Fokus auf den Kunden!

    Das ist ja auch einfach wirtschaftstheoretisch logisch. In allen Wirtschaftsformen, die dem Kapitalismus entsprechen oder von ihm abgeleitet sind, geht es in erster Linie um die Erfüllung von Bedürfnissen. Diese Bedürfnisse wiederum liegen bei den Kunden. D.h., ich muss es schaffen (wie auch immer), dem zahlenden Kunden zu verklickern, dass gerade mein Produkt eines ist, welches ein ganz wesentliches Bedürfnis von ihm erfüllt.

    Die Aussage von oben ist so was von egozentrisch, das geht gar nicht.

    Wenn man so die Tweets und andere Kommentare von und zu den Krautreportern beobachtet, ihre Fans usw. sieht man auch wunderbar den Effekt dieser betriebswirtschaftlich falschen Denkweise:

    Es haben sich fast ausschließlich Journalisten-Kollegen oder mit der RAS sogar eine Stiftung mit Fokus auf Journalismus ihnen angeschlossen, die ihrerseits nach stichprobenartiger Analyse einiger Twitter-Accounts, keine wirklich Strahlkraft besitzen und/oder ähnlich egozentrisch veranlagt sind.

    Dieser Umstand lässt mich nach wie vor an ein recht schnelles Ende des gesamten Projekts glauben, spätestens aber nach formalem Ablauf von 12 Monaten. Sollten sich Beobachtungen bestätigen, die auf Manipulationen während des Funding-Prozesses hindeuten, dann könnte es mit juristischem Nachspiel sogar noch schneller gehen.

    Wie auch immer, es ist schon jetzt realistisch gesehen eine herbe Niederlage für echten Qualitätsjournalismus (Offline wie Online) und irgendwo auch eine Niederlage für das Konzept des Crowdfundings, welches durch solche Projekte nachhaltig geschädigt wird.