Samstag, 23. September 2017

Chaos-Berichterstattung: Verschmolzene Nachrichten

Guten Tag!

Rhein-Neckar/Japan/Welt, 13. M√§rz 2011. (red) Die Erdbeben-Katastrophe hat zuerst Japan ersch√ľttert und enorme Zerst√∂rungen angerichtet. Auf die Naturkatastrophe folgt die technische Katastrophe. Weitere, weltweite „Ersch√ľtterungen“ werden folgen. Politische und wirtschaftliche, eventuell auch gesundheitliche. W√§hrenddessen ist die Berichterstattung √ľber die Katastrophe ein Teil davon.

Von Hardy Prothmann

Die erste Meldung, die ich zur Erdbeben-Katastrophe in Japan wahr genommen habe, sprach von einem starken Beben und mehreren Dutzend Toten.

Ein "Retter" hält einen Jungen", trägt ihn aus der Zone der chaotischen Störung. Der Jung scheint unverletzt, die Kleidung ist sauber, er hat beide Schuhe an, gibt keinen Laut von sich. Ist das glaubhaft, wenn man die Zerstörung im Hintergrund sieht? Oder ist das eine "gestellte" Aufnahme? Die ARD stellt die Frage nicht, sondern zeigt die Bilder und bestätigt damit deren "Echtheit". Quelle: ARD

Jede Hoffnung auf einen „glimpflichen Ausgang“ der Tr√§godie habe ich mittlerweile aufgegeben.

Denn ein paar Stunden sp√§ter sind es schon hundert oder zweihundert Tote und ein „enorm schwereres“ Beben.

Einen Tag sp√§ter ist es das „schwerste, je gemessene“ Beben, dass die japanische Insel seit Beginn der Aufzeichnungen ersch√ľttert hat und es sind „vermutlich“ √ľber 1.000 Tote.

Wiederum Stunden sp√§ter sind es „m√∂glicherweise“ mehr als 10.000 Tote – die K√ľstenstadt Minamisanriku sei „v√∂llig zerst√∂rt“.

Seit das Beben der St√§rke 8,8 auf der Richter-Skala am 11. M√§rz 2011 um 06:45 Uhr unserer Zeit das weit entfernte Japan ersch√ľttert hat, sind noch nicht einmal zwei Tage vergangen.

Die Energie der Katastrophe wird immer unfassbarer.

Und die Nachrichten verdichten sich, schmelzen zusammen. Die Energie der Zerstörung wird immer deutlicher, wenn auch immer noch unfassbar.

Das ausl√∂sende gro√üe Beben ist vorbei, Nachbeben ersch√ľttern das Land.

Und die f√ľrchterlichste Katastrophe l√§uft langsam, aber „sicher“ ab. In Block 1 des Kernkraftwerks Fukushima I droht eine „Kernschmelze“.

Die Kettenreaktion der Nachrichtenschleife wiederholt sich.

Auch andere Reaktoren sollen „Probleme“ haben – die Nachrichtenschleife beginnt von vorne.

Erst hei√üt es, es drohe keine Gefahr. Dann, es g√§be gr√∂√üere Sch√§den, aber alles sei aber unter Kontrolle. Dann werden Schwierigkeiten gemeldet – die sind nat√ľrlich „unvermutet“.

Alles, was nach „echten Schwierigkeiten“ klingen k√∂nnte, wir dementiert.

Alle Nachrichten sind unsicher. Dann wird best√§tigt, dass Fukushima „m√∂glicherweise au√üer Kontrolle“ sei. Dann explodiert was. Was genau, kann niemand ganz genau sagen. Aber die Bev√∂lkerung wird zur „Ruhe“ aufgefordert.

"Kontrolleure" winken Personen durch. Ist das glaubw√ľrdig, wenn einer nach dem anderen "durchgewunken" wird? Quelle: Spiegel online

Dann wird eine Sicherheitszone von zehn Kilometern eingerichtet, später auf 20 Kilometer erweitert.

Dann verdichten sich die Nachrichten, dass eine Kernschmelze bevorstehe oder bereits begonnen habe.

Dann gibt es Meldungen, dass Menschen „in Sicherheit“ gebracht, also vermutlich evakuiert w√ľrden.

200.000 Menschen in Sicherheit?

Dann sind es „vermutlich“ 100.000, dann 110.000 und gegen Mitternacht meldet Spiegel Online: „Japan bringt 200.000 Menschen in Sicherheit.“

Das mag man so gerne glauben: Sicherheit f√ľr die Menschen in den betroffenen Gebieten.

√úberall laufen Videobilder: Menschen werden auf „radioktive Konterminierung“ gepr√ľft und d√ľrfen weggehen, Helfer holen Kinder, Alte und Verletzte aus den feuchten M√ľllw√ľsten, die der Tsunami hinterlassen hat.

Auffanglager werden gezeigt und statt „Durchhalteparolen“ d√ľrfen interviewte Personen sagen, dass sie Angst haben, aber hoffen und es keinen Ausweg gibt.

Tatsache ist:

Seit um 06:45 Uhr unserer Zeit ein gigantisches Erdbeben Japan ersch√ľtterte, wird zun√§chst Japan von einer unglaublichen Katastrophe heimgesucht.

Das Erbeben hat enorme, noch nicht bezifferbare Schäden ausgelöst.

Auf das Erdbeben folgt ein Tsunami mit einer unglaublich zerst√∂rerischen Energie. Aus der sichereren Hubschrauberperspektive aufgenommene Bilder belegen eine nat√ľrliche Zerst√∂rungsgewalt, die bar jeder „Ideologie“ ist, sondern nur physikalischen Gesetzen folgt. Es gibt kein „gut“ oder „schlecht“, sondern nur hohe Wellen mit einem gigantischen Druck, die alles mitrei√üen.

Auf die Naturkatastrophe folgt die technische Katastrophe. Die Infrastruktur des Landes ist besch√§digt. Die K√ľhlsysteme von einigen Atomkraftwerken sind angegriffen und versagen.

Die Medien transportieren lange vor der m√∂glichweise stattfindenden Kernschmelze Meldungen aus allen Richtungen, die alle nicht „sicher“ sind.

Die Hoffnung ist zu sp√ľren – die Meldungen entwickeln sich schlecht.

Oft ist den Meldungen die Hoffnung anzumerken, dass die Katastrophe nach der Katastrophe ausbleibt.

Aber die Meldungen entwickeln sich schlecht und es wird immer klarer, dass der Tsunami die schlimmste Naturkatastrophe in der „aufgezeichneten“ Geschichte Japans ist, aber die sich ank√ľndigende technische Katastrophe noch „schlimmer“ sein k√∂nnte.

Um das Kernkraftwerk Fukushima wird eine „Sicherheitszone“ eingerichtet, erst zehn Kilometer, dann zwanzig Kilometer.

Ob ARD, ZDF, Spiegel oder andere Nachrichten"quellen" - √ľberall diesselben Bilder derselben Turnhalle, die als Beleg daf√ľr herhalten muss, dass hunderttausende von Menschen evakutiert werden. Quelle: Spiegel online

Angeblich werden 200.000 Menschen „in Sicherheit“ gebracht. Innerhalb von Stunden – wie das „logistisch“ in einem Land m√∂glich ist, dessen Infrastruktur empflindlich gest√∂rt wurde, berichtet kein Medium. Ebensowenig, wie man mal eben innerhalb von Stunden eine Logistik aufbaut, um 200.000 Menschen „aufzufangen“.

Die Medien berichten trotzdem weiter. Meldung um Meldung kommt in die Redaktionen, wird dort „bearbeitet“ und verl√§sst sie wieder – dann und dann sind die Nachrichten auf Sendung, dann und dann m√ľssen Zeitungen gedruckt werden. Immer braucht es die „neueste“ Nachricht, die „letzte Meldung“.

Doch die Zeitverschiebung verst√§rkt das Chaos – Europa ist acht Stunden „hinter“ Japan. Wer sich am Nachmittag oder Abend informieren will, gekommt keine neuen Nachrichten, denn es ist dann Nacht in Japan.

Nachrichten ohne Halbwertzeit.

Und niemals sagt jemand: „Stop – nichts, von dem, was wir berichten, kann irgendjemand √ľberpr√ľfen. Solange das nicht „gecheckt“ ist, gehe ich damit nicht auf Sendung.“ Oder: „Sie sehen hier Bilder, die wir gekauft haben. √úber die Zuverl√§ssigkeit k√∂nnen wir Ihnen keine Auskunft geben, weil wir nicht vor Ort waren.“

Es gibt keine Halbzeitpause und schon gar keine Halbwertzeit f√ľr Nachrichten.

Nach und nach „verdichten“ sich aber die Nachrichten und es wird immer „klarer“, dass alles, was noch Stunden zuvor gemeldet worden ist, keine G√ľltigkeit mehr hat.

Aus Sicht der Medien, vor allem der H√∂rfunk- und Fernsehsender, ist das egal. Je mehr Dramatik, umso besser – damit kann man den „Flow“, also die Nachrichtenkette wunderbar weiterf√ľhren.

Voranschreitendes Ungl√ľck f√ľr Tageszeitungen.

F√ľr die Tageszeitungen, vor allem die lokalen, ist ein solch dramatisch voranschreitendes Ungl√ľck aber eine andauernd zeitversetzte Katastrophe. Was in der Zeitung als Nachricht steht, ist schon l√§ngst „vergl√ľht“ und stimmt aktuell nicht mehr.

Gerade die Lokalzeitungen sind „doppelt getroffen“ – einerseits von dem unglaublichen Ereignis und seiner Geschwindigkeit und andererseits, weil sie keine eigenen Leute vor Ort haben. Korrespondenten leistet sich so gut wie keine Monopolzeitung mehr.

Sie k√∂nnen nur abschreiben, was „die Agenturen“ berichten. Und das nur bis zum Druck des Blattes – jede Korrektur in den Stunden danach findet in der Lokalzeitung nicht mehr statt.

Kollektiver Gau aller „Nachrichtenredaktionen“.

Was es bedeutet, mal eben innerhalb von „Stunden“ 200.000 Menschen dauerhaft zu evakuieren, fragt keiner. Die sind „in Sicherheit gebracht“ und „schlucken Jod-Tabletten“, damit sich kein radioaktives Jog in deren Schilddr√ľse einlagert.

Die Bilder, wo diese „200.000 Menschen“ untergebracht sind, fehlen. Die Frage, wie man das mal eben so innerhalb eines Tages organisiert, auch.

√úber Gro√üveranstaltungen im Heimatland wie Rock-Konzerte wird hingegen √ľber Monate im voraus berichtet, √ľber die Herausforderungen f√ľr den Verkehr, die Polizei, die Rettungskr√§fte, die Veranstalter und die zu erwartende Show – und das bei funktionierender Infrastruktur.

Sehnsucht nach Halt im Chaos, während die Kerne schmelzen.

Darum geht es aber gerade nicht. Es geht um die Sehnsucht, dass irgendjemand wei√ü, was er tut. Es geht um einen „Halt“ im Tsunami der sich √ľberschlagenden Nachrichten.

Im Internet und dann auch im Fernsehen werden eine „Turnhalle“ und ein „Zeltunterstand“ mit Bildern von „Kontrolleuren“ in vermeintlichen Maler-Papieranz√ľgen gezeigt, mit der Bildaussage, das „alles unter Kontrolle“ ist.

Nachrichten im Sog der Kernschmelze.

Sp√§testens dann wird klar, dass eine journalistische Kernschmelze begonnen hat und nichts mehr „unter Kontrolle“ ist. Dass nur noch in Konkurrenz zu anderen um „die besten Bilder“ ein Theater veranstaltet wird, das seinesgleichen sucht.

Ich gehe davon aus, dass die „Nachrichten“ der kommenden Tage eine Katastrophe zeigen, die noch „unglaublicher als unglaublich“ sein wird.

Die Informationen werden ersch√ľtternd sein – f√ľr Weltbilder, f√ľr die Wirtschaft, f√ľr die Politik, f√ľr den Glauben an die „Zukunft“ – zumindest in Japan, aber vermutlich in der ganzen Welt.

√úber die Folgen hat noch niemand berichtet – sie werden ebenfalls „unglaublich“ sein.

Bis man sie glauben muss.

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  • B√ľrger

    Sehr gute Darstellung, Herr Prothmann!

    Das was derzeit in den Medien abl√§uft hat schon Neil Postmann in seinem Klassiker „wir am√ľsieren uns zu Tode“ 1986 geschrieben.

    Eigentlich m√ľ√üten bei uns derzeit alle Alarmglocken l√§uten:

    1. Wir haben ca. 40km n√∂rdlich ein altes AKW in Biblis, das schon l√§ngst h√§tte abgeschaltet werden m√ľssen. Wie sicher alte Systeme sind sehen wir derzeit, wo alle derzeitigen mehrfachen Sicherheitsketten total versagen.

    2. Wir k√∂nnen noch nicht einmal erahnen was f√ľr eine volkswirtschaftliche Katastrophe auf uns zurollt, denn Japan ben√∂tigt nun viel Geld. Das bedeutet z.B. japanische Gelder werden am Kapitalmarkt abgezogen,
    Folge steigende Zinsen,
    Folge Investitonshemmnisse
    Folge wenige Nachfrage, steigende Arbeitslosigkeit usw.

    3. Wir können noch nicht erahnen, wie unsere weltweite Nahrungskette dadurch betroffen ist, da wir ja immer mehr Lebensmittel importieren (das ist ja dann so schön billig) und gleichzeitig hier die letzten heimischen Ackerböden versiegeln.

    Das sind die fatalen Nachteile einer Globalisierung, die schon seit Jahren bekannt sind aber nicht öffenlich diskutiert werden. 5 Sekunden Erdbeben in Japan können eine globale Wirtschaft vehement treffen. Es zeigt, dass Globalisierung nicht alles ist.

    Erfahren werden wir hier√ľber wie √ľblich ehe zu sp√§t, weil die Katastrophenbilder gerade „en vogue“ sind (uns aber in keinster Weise hier weiter helfen).

  • rheinneckarblog

    Guten Tag!

    Einer der ersten Beitr√§ge √ľber die Folgen f√ľr Deutschland:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,750678,00.html

    Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
    Das rheinneckarblog

  • Hab ich mindestens n Mal gedacht. Blogs sind toll.

  • Pingback: Schnelle Infos zu #AKW #Japan « … Kaffee bei mir?()

  • Lieber Hardy Prothmann,

    auch mir, als Profi, ergeht es so, aber das ist genau der gleiche Ablauf wie vor einem Jahr beim Erdebeben in Haiti. Anf√§nglich ein paar best√§tigte Zahlen, dann die Erkenntnis, es wird nicht dabei bleiben und dann √ľberschlagen sich die Reaktionen/Meldungen.
    Und es zeigt sich, es gibt im Medienkosmos nur das Hinterherhinken. Egal ob Print, TV oder Radio, es muss geschehen sein, bevor berichtet werden kann. Bezogen auf Japan kommt ein sprachliches Problem hinzu. Außerdem die anscheinend unzureichende Informationspolitik der dortigen Regierung. Aber die wird wohl ihre Schwierigkeiten haben, selbst an Infos zu kommen.
    Hier setzt dann das eigentliche Thema ein, n√§mlich die Informationsbeschaffung von vor Ort. Ich m√∂chte nicht wissen, wie das bei uns hier aussehen w√ľrde. Wer kann noch kommunizieren, wer hat Zugang zu Quellen und leitet das weiter?
    Nehmen wir den Tagszeitungen den Mantel weg, dann offenbart sich tatsächlich eine völlig desorientierte Lage.
    Das muss so nicht sein. Delegationen aus Belorussland, spontane Demos, das benachbarte AKW – sie bieten ganz eigene Sichtweisen, die interessant sein k√∂nnen. Wie wirkt sich das Ungl√ľck auf Fotoh√§ndler oder Autoh√§user aus, steigen japanische Briefmarkensammlungen im Wert?
    Orientierung kann hier eine Redaktion, können engagierte Journalisten bieten. Vorausgesetzt, sie sind grundsätzlich mit der Materie vertraut.
    Gerade die Generation in den Redaktionen, die das Chaos nach Tschernobyl erlebt hat, wäre gefragt. Die hat aber leider verpennt, nämlich die vergangenen 25 Jahre, auf welchem Pulverfass wir saßen und sitzen. Nur zu gerne haben die (Lokal-) Redaktionen Bildchens und PR-Erzeugnisse unreflektiert gedruckt, sich ohne Recherche zu Gehilfen etabliert, die Werbegeschenke einsackten.
    Das ist die brutale Realität der regionalen Berichterstattung, jedenfalls wie ich sie beobachtet habe, von Philippsburg bis ins schweizerische Leibstadt.
    Journalisten sind nicht unbedingt die moralische Elite, aber sie hätten vielleicht das in sie gesetzte Vertrauen manchmal etwas ernster nehmen sollen. Eine eigene Meinung zu besitzen, das ist aber wohl häufig als Luxus empfunden worden. Entsprechend kommt das nun an, nämlich als haltlose Info-Orgie.

  • Lieber Hardy Prothmann,

    auch mir, als Profi, ergeht es so, aber das ist genau der gleiche Ablauf wie vor einem Jahr beim Erdebeben in Haiti. Anf√§nglich ein paar best√§tigte Zahlen, dann die Erkenntnis, es wird nicht dabei bleiben und dann √ľberschlagen sich die Reaktionen/Meldungen.
    Und es zeigt sich, es gibt im Medienkosmos nur das Hinterherhinken. Egal ob Print, TV oder Radio, es muss geschehen sein, bevor berichtet werden kann. Bezogen auf Japan kommt ein sprachliches Problem hinzu. Außerdem die anscheinend unzureichende Informationspolitik der dortigen Regierung. Aber die wird wohl ihre Schwierigkeiten haben, selbst an Infos zu kommen.
    Hier setzt dann das eigentliche Thema ein, n√§mlich die Informationsbeschaffung von vor Ort. Ich m√∂chte nicht wissen, wie das bei uns hier aussehen w√ľrde. Wer kann noch kommunizieren, wer hat Zugang zu Quellen und leitet das weiter?
    Nehmen wir den Tagszeitungen den Mantel weg, dann offenbart sich tatsächlich eine völlig desorientierte Lage.
    Das muss so nicht sein. Delegationen aus Belorussland, spontane Demos, das benachbarte AKW – sie bieten ganz eigene Sichtweisen, die interessant sein k√∂nnen. Wie wirkt sich das Ungl√ľck auf Fotoh√§ndler oder Autoh√§user aus, steigen japanische Briefmarkensammlungen im Wert?
    Orientierung kann hier eine Redaktion, können engagierte Journalisten bieten. Vorausgesetzt, sie sind grundsätzlich mit der Materie vertraut.
    Gerade die Generation in den Redaktionen, die das Chaos nach Tschernobyl erlebt hat, wäre gefragt. Die hat aber leider verpennt, nämlich die vergangenen 25 Jahre, auf welchem Pulverfass wir saßen und sitzen. Nur zu gerne haben die (Lokal-) Redaktionen Bildchens und PR-Erzeugnisse unreflektiert gedruckt, sich ohne Recherche zu Gehilfen etabliert, die Werbegeschenke einsackten.
    Das ist die brutale Realität der regionalen Berichterstattung, jedenfalls wie ich sie beobachtet habe, von Philippsburg bis ins schweizerische Leibstadt.
    Journalisten sind nicht unbedingt die moralische Elite, aber sie hätten vielleicht das in sie gesetzte Vertrauen manchmal etwas ernster nehmen sollen. Eine eigene Meinung zu besitzen, das ist aber wohl häufig als Luxus empfunden worden. Entsprechend kommt das nun an, nämlich als haltlose Info-Orgie.