Freitag, 28. April 2017

168 Stunden online? – Jugendliche im Internet


Screenshot von YouTube

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. M√§rz 2011. Facebook, Skype, SchuelerVZ – Jugendliche bew√§ltigen einen Gro√üteil ihrer „sozialen Kontakte“ √ľber diese Internet-Dienste. Aber wie sieht das typische Verhalten von Jugendlichen im Internet eigentlich genau aus? Unser Praktikant Paul Maa√ü hat das f√ľr uns dokumentiert. Eine Woche lang – 168 Stunden. Insbesondere Eltern d√ľrften sehr daran interessiert sein, was ihre „Kids“ im Netz so „anstellen“.

Von Paul Maaß

Ich w√ľrde von mir selbst behaupten, dass ich ein relativ normaler Jugendlicher bin.

Klar unterscheide ich mich in der Musik, die ich höre (Hip/Hop, Indie Rock, Alternative, Crossover, etc.) von anderen Jugendlichen und wir haben auch nicht alle denselben Filmgeschmack oder Kleidungsstil. Aber in manchen Dingen sind wir uns alle sehr ähnlich. Zum Beispiel, dass wir alle die Schule hassen und dass wir alle das Internet nutzen.

Das Internet ist das Medium der jungen Generation.

Kaum ein Jugendlicher, der nicht wenigsten einmal pro Tag im Internet zugange ist. Aber was machen wir da eigentlich vor den Bildschirmen? Womit verbringen wir die Hälfte unserer Zeit, wenn wir wie wildbesessen auf die Tastatur des PC hämmern?

Um das herauszufinden habe ich einen Selbstreport gemacht. Das Tagebuch einer Woche Internet.

Montag (21.02.2011.):

Nach einem langen Tag in der Schule komme ich ersch√∂pft nach Hause und widme mich erst einmal meinem Laptop. Ich √∂ffne den Browser und logge mich in facebook.com ein. Ich lese f√ľnf neue Nachrichten und beantworte eine Freundschaftsanfrage. Dann werde ich benachrichtigt, dass ich auf einem Foto verlinkt worden bin.

Das Foto ist ein Klassenfoto, das ein Mitsch√ľler hochgeladen hat. Ich sehe schrecklich darauf aus. Verlinken bedeutet, dass mein Name erscheint, wenn man mit der Maus √ľber mein Gesicht auf dem Foto f√§hrt. Per Klick kann man dann auf meine Facebookseite gelangen.

Meine Seite ist sozusagen mein Profil oder meine Akte. Hier kann ich Fotos oder Videos hochladen, Links von anderen Webpages via ‚Äěcopy and paste‚Äú oder Statusnachrichten schreiben, die meine Facebookfreunde lesen k√∂nnen wenn sie meine Seite besuchen.

Ich bestimme, was hier steht und wer lesen kann was hier steht – aber nur, wenn ich mich darum k√ľmmere. Viele tun das nicht richtig.

Wenn einer meiner Freunde online ist, wird mir das angezeigt. Momentan sind 65 meiner 244 Freunde online. Ich beginne zu chatten und verabrede mich mit einem Freund. Allerdings im echten Leben.

Zwei Stunden sp√§ter komme ich von meiner Verabredung zur√ľck und esse zu Abend. Danach habe ich irgendwie noch Lust auf einen Film. Ich widme mich dem Fernsehprogramm. Au√üer einer Schnulze l√§uft nichts anst√§ndiges im Fernseher. Auch auf einen Film in meiner DVD – Sammlung habe ich im Moment keine Lust.

Also fahre ich meinen Laptop hoch und suche eine Internetseite auf, die eine sehr große Filmbibliothek umfasst.-  Kein Jugendlicher, den ich kenne, besucht diese Seite nicht wenigsten ab und zu.

Die Seite hat eine Filmbibliothek von √ľber 5.000 Filmen. Ein Teil davon ist noch nicht einmal auf DVD erschienen. Manche laufen sogar noch im Kino.

Rechtlich befindet sich die Seite deshalb in einer Grauzone. Die Filme nur zu schauen ist nicht strafbar, Downloads schon, deswegen lasse ich die Finger davon.

Ich √ľberlege kurz, welchen Film ich schauen soll und entscheide mich f√ľr Reservoir Dogs, einen meiner Lieblingsfilme (FSK: 18). Ich wei√ü, das dass urheberrechtlich gesehen nicht ganz in Ordnung ist. Au√üerdem sind auch nicht alle Filme, die ich auf diese Weise schon gesehen habe unbedingt f√ľr mein Alter geeignet.

Aber durch das Internet bringen Altersbeschr√§nkungen f√ľr meine Generation nichts mehr. Ob das ein Vorteil oder ein Nachteil ist, sollte jeder selbst f√ľr sich entscheiden. Ich jedenfalls bereue es, manche Filme geschaut zu haben, die ich heute nicht mehr schauen w√ľrde.

Dienstag (22.02.2011):

Ich habe heute erst zur 3. Stunde Unterricht und schaue noch einige Musikvideos auf www.youtube.de.

Nach der Schule gehe ich noch kurz in Facebook online und chatte ein wenig. Den Rest des Tages verbringe ich ohne Internet.

Mittwoch(23.02.2011):

Wenn man mit meinem Browser einen neuen Tab öffnet, enthält dieser Verlinkungen zu den acht Seiten, die ich am häufigsten besuche. Bei mir ist die am meisten besuchte Seite Facebook.

Und auch international ist Facebook nach Google die Seite mit den meisten Aufrufen. So ist es nicht verwunderlich, dass ich beinahe jeden-¬† Tag in Facebook ‚Äěon‚Äú bin. Ich pflege meine sozialen Kontakte zu einem gro√üen Teil online. Au√üerhalb des Internets kommuniziere ich nur noch mit meinen Freunden, wenn ich mich pers√∂nlich mit ihnen treffe.

Donnerstag (24.02.2011.):

Heute Nacht bin ich mit einem Freund verabredet. Ich habe morgen erst später Schule. Wir haben halb zwölf als Uhrzeit ausgemacht.

Aber nicht, weil wir um die H√§user ziehen wollen. Ganz im Gegenteil, wir bleiben jeder sch√∂n zu hause und treffen uns im Internet. Denn mein Freund Basil ist wegen eines Sch√ľleraustauschs ein halbes Jahr in Kolumbien. Wegen der Zeitverschiebung kann ich nur um diese Uhrzeit direkt mit ihm kommunizieren.

Die Webcam-Chat-Seite Skype ist unser Kontaktmedium.

Wir k√∂nnen uns mit Mikrofon √ľber Webcam unterhalten. Das ist fast so, als s√§√üe er direkt vor mir.

Nur, dass sein Gesicht ziemlich verpixelt ist. Aber man sollte keine zu hohen Anspr√ľche an das kolumbianische Internet stellen, ein l√§ngeres Gespr√§ch ist eh oft ein Kampf.

Trotzdem bin ich froh dar√ľber und das ist ein Beispiel daf√ľr, dass es dann und wann doch n√ľtzlich ist, sich per Kamera √ľber Computer zu treffen. Auch wenn das manche konservative Menschen oft nicht verstehen k√∂nnen.

Freitag (25.02.2011.):

Unsere Deutschlehrerin hat uns aufgetragen etwas √ľber Goethe zu recherchieren. Nach f√ľnf Minuten auf der Seite Wikipedia habe ich einen groben √úberblick √ľber die wichtigsten Daten zu Johann Wolfgang von Goethe.

F√ľr den Abend bin ich auf eine Hausparty von einem guten Bekannten eingeladen. Ich kenne die Adresse, doch da ich noch nie dort gewesen bin, wei√ü ich nicht genau, wie ich hinkomme.

Homepage des RNV

Homepage des RNV

Dank Google Maps und rnv-online.de weiß ich, mit welcher Bahn ich fahren muss und wohin ich von der nächstgelegenen Haltestelle laufen soll.

Samstag(26.02.2011.):

Ich w√ľrde mich selbst als Hip/Hop Fan bezeichnen. Deswegen bin ich auch ca. einmal in der Woche auf juice.de, der Internetseite einer Szenezeitschrift.

Hier werde ich √ľber alles zum Thema Hip-Hop/Rap informiert. Samstags bin ich meistens mit Freunden unterwegs und h√§nge seltener vor dem Pc rum.

Sonntag(27.02.2011)

Das Ende der Woche ähnelt dem Anfang der Woche. Facebook, Youtube, Skype und gegen Abend wieder online Filme schauen.

Ich persönlich nutze das Internet zur Unterhaltung, Kommunikation und als Informationsquelle.

Wenn wir Jugendliche oft bis sp√§t in die Nacht vor den Bildschirmen h√§ngen und in die Webcam sprechen, ist das mitunter eine gute Sache – klar, es wird auch gezockt und ich w√ľrde f√ľr niemanden meine Hand ins Feuer legen, ob immer alles mit „legalen“ Mitteln zugeht.

Trotzdem sind Computer aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Und auch nicht in der Zukunft.

Paul Maa√ü macht ein einw√∂chiges Sch√ľlerpraktikum in der Redaktion. Bild: rheinneckarblog.de

Paul Maa√ü (16) lebt in Heidelberg und macht bei uns sein „Bogy“ (Berufs- und Studiumsorientierung am Gymnasium). Er besucht das „Englische Institut“ und will sp√§ter mal sein Geld als Autor oder Journalist verdienen.

Wir bieten immer wieder Praktikumspl√§tze an. Als Sch√ľler(in) kannst Du Dich unverbindlich mit einer email an redaktion (at) rheinneckarblog.de bewerben – die Art des Schulabschlusses spielt f√ľr uns keine Rolle. Du solltest gerne schreiben, neugierig sein und Dich f√ľr Politik, Kultur oder Sport interessieren.

Das Praktikum ist ausschließlich journalistisch geprägt- das Ziel ist, dass Du möglichst viel lernst und ein paar eigene Texte veröffentlichst.

Ein Praktikum kann als Sch√ľlerpraktikum, neben der Schule oder in den Ferien absolviert werden.